Japanische Tuningkultur Teil2

Willkommen zum zweiten Teil des ersten Wunschthemas. 😉 Im ersten Teil hab ich euch die Tuningstile Bosozoku, Vanning, Dekotora und VIP vorgestellt, aber dabei bleibts nicht! There is more out there, wie der Ami sagt, und recht hat er. Also frisch drauf los, ihr müsst noch einmal tapfer sein!

Einer der wenigen japanischen Stile, die neben VIP auch weltweit einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangten, war und ist Shakotan:

Die Merkmale der Shakotan-Szene sind schnell erklärt. Es dreht sich alles um extrem tief gelegte Fahrzeuge, deren Karosserien bis auf die gelegentliche Verwendung von mächtigen Radlaufverbreiterungen original anmuten, sprich keine Bodykits oder grelle Lackierungen ertragen müssen. Tief müssen sie sein und mächtige Räder müssen drunter stecken, im Idealfall mit ordentlich negativem Sturz, dann passt das schon. Eine erfolgreiche Mangareihe, die auch verfilmt wurde, nennt sich Shakotan Boogie und handelt von zwei Jugendlichen, die mit ihrem mächtig tiefer gelegten Toyota Soarer samt Boso-Auspuff (Jetzt wisst ihr schon, was damit gemeint ist! 😉 ) durch die Lande cruisen und Abenteuer mit Mädchen, Gangstern und Straßenrennen erleben. Der Stil kommt von der Halbinsel Shakotan in der Präfektur Hokkaidō und entwickelte sich in den 80er Jahren zum großen Trend in Japan.

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Doch nun endlich zur lang erwarteten und bekanntesten Tuningszene Japans, den Driftern.

Heute ein großer Wirtschaftszweig weltweit, eigene Driftrennen sogar im sonst so langsam auf Trends reagierenden Österreich, doch wo kommt die Liebe zum Querfahren her? In den 70er Jahren, als die japanische Autoindustrie groß wurde, war das Längsmotor-Heckantriebs-Layout in jeder Fahrzeugklasse Gang und Gäbe. Happy times! Junge Wilde erkannten recht schnell, dass es sich den leichten Hecktrieblern herrlich und kontrolliert um Kurven rutschen lässt. Die Geburtsstunde des Driftens. Wie immer in Japan unterteilt sich die Drifterszene in den offiziellen und den illegalen Teil. Zu den offiziellen Driftmeisterschaften auf Rennstrecken geht der Japaner am Sonntag, am Vorabend findet sich die Szene auf verlassenen Bergstraßen ein, um haarscharf an der Leitschiene entlang auf Punktejagd zu gehen. Je größer der Jubel des Publikums, desto größer das Ego des Drifters.

Den beiden Herangehensweisen entsprechend gibt es auch zwei Tuningstile der Driftszene. Die offiziellen Driftwagen (siehe Fotos links), meist Nissan Coupes oder große Limousinen, fallen durch grelle und farbenfrohe Lackierungen auf, sind professionell mit Käfig und Feuerlöschsystem ausgestattet und kosten richtig Geld. Die Midnight-Drift-Kisten und Amateurfahrzeuge (siehe Fotos rechts) jedoch, oft RWD-Nissans, Mazda RX7 und MX5 oder 80er-Jahre-Toyotas, sind meist günstig am Leben erhaltene alte Kämpfer, denen man so manchen Leitschienenkontakt ansehen darf. Mit Tape geklebte Stoßstangen oder farblich nicht ganz passende Stoßstangen gehören zum guten Ton. Der Held der Drift- und Straßenrennszene ist Takumi Fujiwara, ein fiktiver Anime-Charakter aus der Kult-Reihe Initial D, der mit seinem Hachiroku Tofu zu einem entlegenen Hotel am Berg Akina zustellt und so zum besten Drifter und schnellsten Bergstraßenbezwinger weit und breit wird.

Als krasser Gegensatz zum performance-orientierten Driften fungiert der Itasha-Kult, in dem sich alles rund um Anime-Charaktere dreht:

Weniger ein Autotuning-Stil sondern eine Lebenseinstellung, dreht sich beim Itasha-Stil alles um Animes und ihr Leben. Je nach Interesse werden Popstars, Helden aus Computerspielen oder Schulmädchen auf die Fahrzeuge geklebt, die Sitzbezüge mit Bildern drauf sollen vorgaukeln, dass die Lieblingsfiguren im Auto sitzen und je mehr Spielfiguren, Aufkleber und Zeitschriften am im, auf und neben dem Auto liegen hat, desto größer ist man in der Szene. Wenn man sich dann noch kleidet wie die Helden aus der Lieblingsserie, kann auf einem Itashatreffen nichts mehr schief gehen und man fährt mit einem Pokal in Actionfigurform heimwärts. Egal ob japanischer Kleinwagen, amerikanisches SUV oder europäischer Sportwagen, beklebt und verkitscht wird prinzipiell alles, was Räder hat. Itasha heißt übrigens soviel wie „schmerzhaftes Fahrzeug“. 😉

Als letzte Stilrichtung in Sachen Tuning muss natürlich auch der JDM-Look erwähnt werden.

Der JDM-Look ist besonders außerhalb Japans sehr beliebt und wird auch tendentiell am häufigsten umgesetzt. JDM steht für Japanese Domestic Market und bedeutet soviel wie „für den japanischen Markt gedacht“. Im Prinzip steckt nichts anderes dahinter, als dass in allen Teilen der Welt lebende Besitzer japanischer Autos ihre Fahrzeuge so umrüsten, wie sie auf dem japanischen Markt verkauft wurde. Da sich das nicht immer zu 100% so durchführen lässt, schon allein wegen der Rechtssteuerung in Japan, gibts viele Abstufungen und verschiedene Intensitäten. Manch ein Besitzer eines alten Honda Civic glaubt bereits mit der Montage gelber Blinker, sein Auto sei JDM, manch andere rüsten sogar Japan-spezifische Warnaufkleber im Motorraum nach, auf denen Nicht-Japanisch-Sprechende nicht ein Wort entziffern können. Grundsätzlich lässt sich sagen: JDM-Autos sind meist schlicht, optisch clean, oftmals Weiß, meist tief und mit mächtigem Endtopf. Performance geht vor Show-and-Shine.

Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht, vielleicht konnte ich auch ein paar neue Einblicke in die japanische Autoszene gewähren und wenn ihr wollt, könnt ihr mir ja weiterhin Themenvorschläge zusenden. 🙂

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Japanische Tuningkultur Teil2

  1. Markus schreibt:

    Hi, wirklich guter Artikel! Ist sehr angenehm zu Lesen und sehr Interessant! Ich selbst steh total auf den Nissan Skyline R34 GTR, welcher in Deutschland so richtig durch die Fast and Furious Filme bekannter wurde. Auf das Driften steh ich nicht so, aber auf Beschleunigung (viertel Meile)!
    Mach weiter so!

    Gruß Markus

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