Zurück in die Zukunft

Früher war ja bekanntlich immer alles besser, gemütlicher, einfacher und lebenswerter. DOch heute möcht ich euch an meinen Gedanken zur Zukunft der Young- und Oldtimer-Szene teilhaben lassen und wenn ihr mit dem Lesen dieses Artikels durch seid, werdet ihr anders danken. Jede Wette!

Wenn man sich heute Oldtimer ansieht, findet man zum größten Teil auch für talentierte Laien sehr beherrschbare Technik in rostigen Karosserien, leicht aufzuarbeitende Innenräume und keine großen Dramen. Bei Youngtimern aus den 80ern sieht´s schon etwas anders aus, Steuergeräte und Kombiinstrumente stellen schon so manche Fehlerquelle dar, die es früher nicht gab. Doch dank überschaubarer Technik stellen auch zwei oder drei Steuergeräte in einem W126 oder einem 7er E32 keine große Hexerei dar. Doch macht euch einmal Gedanken, wie es mit aktuellen Fahrzeugen so aussieht!

Klar, billig produzierte Kisten mit Ablaufdatum gab es immer schon, doch früher war die billig produzierte Technik wenigstens einfach. Heute sieht das anders aus! Heute gibts zum Beispiel bei neuen BMWs keine Saugmotoren mehr, die Münchner werben mit „TwinPower Turbotechnologie bei allen Modellen“. Sparsam, leistungsstark und daher ganz am Puls der Zeit. Doch wenn der Wagen 10 oder 15 Jahre alt ist, dann möcht ich ihn nicht kaufen müssen. Ein kaputter Bi-Xenon-Scheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht, dann ein defekter Turbo mit variabler Turbinengeometrie und zu allem Übel fällt auch noch der Spurwarnassistent aus und zwingt die Kiste in den Notlauf. Jeder einzelne dieser Defekte befördert den heute noch bewunderten Innovationsschlitten augenblicklich in die Wiederverwertung. Die Technik neuer Autos wird so komplex, dass Reparaturen im Alter nicht mehr leistbar sind, geschweige denn Sinn machen.

Der Großteil der heute neu verkauften Fahrzeuge ist mit moderner Technik ausgestattet. Commonrail-Turbodieselmotoren sind schon beinahe obligatorisch, Abstandswarner und Headup-Displays, unzählige Fahrhilfen und hochfeste Stähle, die sich nicht schweißen lassen. Faszinierend, was möglich ist. Doch mit diesem Innovationsschub wird sich auch unser Verhalten zum Auto maßgeblich ändern müssen! Ein Auto neu zu kaufen, bar zu bezahlen und dann zu fahren bis es zusammenbricht, das wird man in 10 Jahren gar nicht mehr erleben. Wir werden unsere Autos leasen, finanzieren, oder gar per Car-Sharing teilen, nach 6 oder 8 Jahren werden sie im Sinne des Umweltschutzes 😉 von den Herstellern eingezogen und ihrer Verwertung zugeführt werden. Car2Go https://wierus.wordpress.com/2012/01/23/geteiltes-leid/ ist nur ein zarter Vorgeschmack auf die Zukunft!

Auch das Geschäftsfeld Gebrauchtwagenhandel wird sich mittelfristig aufhören. Warum? Schon heute verkaufen Markenhändler nur noch Gebrauchtwagen bis zum Maximalalter von sechs, ganz mutige Händler von acht Jahren. Alles, was älter ist, wird entweder an freie Gebrauchtwagenhändler weitergereicht oder gleich im Ganzen aus der EU gebracht, um Gewährleistungsansprüche zu umgehen. Noch halten die freien Händler ihren Kopf hin, doch auch bei denen ist bereits eine deutliche Verjüngung des Sortiments zu beobachten. Kein Händler mit klarem Verstand wird sich freiwillig einen 10 Jahre alten 7er BMW E65 mit adaptivem Kurvenlicht, I-Drive der ersten Generation, Biturbo-Commonrailmotor  und kilometerlangen, sauteuer zu ersetzenden Kabelsträngen auf den Hof stellen und dafür 12 Monate Gewährleistung geben. Keiner!

Kein Problem, will eh niemand, die hässliche Kiste. Aber schaut euch Prospekte neuer Kompaktklassewagen an! Die haben das heute alle schon drin, wenn man ein paar Kreuzerln auf der Sonderausstattungsliste macht. Mittlerweile definieren die deutschen Hochpreishersteller bereits ganze Baureihen, die Youngtimer werden „dürfen“, d.h. es werden bewusst Steuergeräte, Kabelstränge und CAN-Bus-Systeme z.B. für den gerade abgelösten SL weiter hergestellt. Der SL darf alt werden, wenn es der Besitzer sich leisten kann, die C-Klasse nicht.

Um die paar herkömmlichen Autos, die man heute noch kaufen kann, primär günstige Kleinwagen und Kompaktklasse-Fahrzeuge mit Saugmotoren und Schaltgetriebe, ohne viel Ausstattung und ohne Innovationsimage, wird man sich in spätestens 10 Jahren reißen!

Die Werterhaltung eines biederen 08er Mitsubishi Lancer 1.8 oder Golf V 1.4 mit Vierzylinder-Saugbenziner, Schaltgetriebe und Ausstattung wie in den 90er Jahren wird euch noch alle überraschen, wenn man sich als Privatmann das Durchfüttern der gebrauchten EcoBoosts und BlueEfficiencys nicht mehr leisten kann. Keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität! Wer kauft denn die meisten Hightech-Kisten heute? Genau, Firmen. Adieu nach Ablauf der Garantieverlängerung. Denn so blöd, mit dem Privatvermögen für die alternde Kiste herzuhalten, ist heute schon keiner mehr!

Zum Thema passend möchte ich euch einen alten Artikel ans Herz legen, falls ihr noch mehr zu diesem Thema lesen wollt: https://wierus.wordpress.com/2011/05/30/ein-neuwagen-zum-gluck/

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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3 Antworten zu Zurück in die Zukunft

  1. Youngtimer Garage schreibt:

    Zum Thema Halbwertzeit von Steuergeräten:

    Schon vor über 30 Jahren hatte man bei Fahrzeugen aus dem damaligen Luxussegment Ausstattungen, die heute auch im Kleinwagensgment selbstverständlich sind: Dazu gehören Klimaanlage/- automatik, Tempomat, elektr. Fensterheber oder Schiebedächer, …

    All diese fancy Bauteile in Youngtimern und Oldtimern sind durch – aus heutiger Sicht – recht einfache und grobklotzig bestückte Platinen gesteuert. Dumm nur, dass Transistoren altern oder durch Vibration die nun spröde Platine reißt und damit irgendwo eine Lötstelle bricht. Für bestimmte Fahrzeuge gibt es einzelne Spezialisten, die so etwas reparieren können. Für andere liefert der Hersteller auch heute noch Neuware als Ersatzteil: Bei Mercedes ist sowas nur eine Frage des Preises; der solvente Oldtimerfahrer hat wenig Probleme.

    Wie könnte das in der Zukunft aussehen? Die Kunst bestünde nicht darin, die alten Steuergeräte in Massen auf Lager zu halten, sondern eher die gleiche Funktion in einem neuen Bauteil anzubieten. Es handelt sich im Wesentlichen nur um Software mit den passenden Steckern. Die Innereien sind austauschbar, sofern die Eingangs- und Ausgangssignale korrekt verarbeitet werden. Hier wäre es hilfreich, wenn die Hersteller die Steuergeräte auf eine gemeinsame (Software-)Plattform aufsetzen würden und/oder nach Produktionseinstellung der Baureihe diese Software frei gäben.

  2. Hannes schreibt:

    Beim Problem mit dem Gebrauchtwagenmarkt geb ich dir recht.
    Wie die „Oldtimerszene der Zukunft“ aussehen wird hab ich schon mal mit jemanden diskutiert:
    Vielleicht wird es für die Computerkids von morgen einfacher Notlaufprogramme zu umgehen und neue Steuergeräte zu installieren als selbst Öl zu wechseln oder Löcher zu schweissen?
    Vielleicht bietet auch irgendwann der Markt universelle Ersatzsteuergeräte?
    Wir werden es vielleicht noch erleben!

  3. YoungtimerBlog schreibt:

    der späte E32 ist zum Teil schon recht tricky. Der ist zwar immer noch fix auf meiner Shopping List 2012 – aber der Elektronikterror erreicht hier schon annähernd das Maß des Nachfolgers – immerhin nur *annähernd‘ 🙂

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