Pedanten-Owners-Club

Ob man bereit ist, 7 Euro für die heimische Oldtimerzeitschrift Austro Classic auszugeben, belibt jedem selbst überlassen. Doch wer gelegentlich diese Investition tätigt wird erstaunt sein, wieviele Altherren-Oldtimerclubs es in Österreich gibt und wieviel Platz diesen Selbstbeweihräucherungsversammlungen eingeräumt wird.

Plump geschriebene Berichte von Klubabenden im Weinviertel oder Abdrucke bemüht-launiger Ansprachen alter Herren mit ebenso gezwirbelten Egos wie Schnauzbärten zum 45jährigen Jubiläum der Markteinführung des vierten Kippschalters auf der Mittelkonsole des Morgan Plus8 der dritten Serie mögen für die leidgeprüften Clubmitglieder ganz unterhaltsam sein, die Relevanz dieser „Essays“ für Leser des Magazins ist mir nicht ganz klar.

Denn Clubmitglieder erfahren doch hoffentlich intern über die neuesten Ergüsse ihres verehrten und hoch geschätzten Präsidenten, man könnte zumindest den Rest der Welt damit verschonen. Auch wenn es jetzt vielleicht auf manchen Leser so wirken mag, ich hab nichts gegen diese „Veteranen-Clubs“, wo sich Veteranen zusammenschließen, um bei streng hierarchisch gegliederten Clubabenden über die neueste Kühlerplakette am 37er Steyr und den 56er Mercedes-Benz zu diskutieren.

Mir geht es darum, die These in den Raum zu werfen, dass diese Clubs vom Aussterben bedrohte Relikte aus vergangenen Tagen sind! Sieht man sich die Bilder der Clubtreffen oder Versammlungen an, glaubt man, die letzte Zusammenkunft des Kameradschaftsbundes zu sehen. Alles alte Männer in staatstragender Pose vor Fahrzeugen, die außer den Über-60-Jährigen niemand mehr außerhalb von Museen erlebt hat. Wenns hoch kommt, dürfen die dazugehörigen Gattinnen im Bildhintergrund stehen und den überzüchteten Schäferhund halten, während der Opi sich mit seinem Rover oder Benz wichtig macht. Natürlich mit dazugehöriger Wunschnummer inkl. dem obligatorischen Einser dahinter. Dem Respekt im Straßenverkehr wegen.

In Zeiten von Facebook und Internetforen hat man es nicht mehr nötig, bei arroganten Hütern teils fragwürdiger Automobilbaukunst vorstellig zu werden und um Aufnahme in der erlauchten Kreis der Classic-Motor-Vehicle-Freunde Mittel-Obersumpfing e.V. zu buckeln. Die selbstverständlich erst nach einem erfolgreich absolvierten Clubabend und der Abstimmung durch die etablierten Clubmitglieder erfolgt. Man kann sich dank des Internets umfangreiches Wissen über beinahe jeden Fahrzeugtyp aneignen, ohne sich mit Besserwissern am Stammtisch unterhalten zu müssen.

Sollen die alten Herren unter sich bleiben, jeden Wagen nach Baujahr 1971 als schnöden Gebrauchten ignorieren, elektronisch geregelte Einspritzanlagen als Hexenwerk abtun und die strengen Clubregeln überwachen wie sonst nur das Haushaltsgeld der Gattin. Macht ja nichts, man ist ja tolerant! 😉

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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