Amis in der Provinz

Auf halber Strecke zwischen Horn und Pulkau in der tiefsten Niederösterreichischen Provinz rechnet man mit verlassenen Ortschaften, alkohollastigen Opis auf alten Traktoren und viel Gegend drum herum. Stimmt ja auch. Bloß die Dichte an Museen passt nicht ganz ins Bild. Da gibts ein Eisenbahnmuseum gleich am Bahnhof, ein Motorradmuseum daneben und für Carguys wie mich das Kraftfahrzeugmuseum. Der Ort Sigmundsherberg dürfte mehr Museumsexponate als Einwohner beherbergen.

Vollmundig werden auf der Homepage des Museums 150 Exponate auf 2500m² Fläche angekündigt, mit Schwerpunkt „Classic Sportscars & the American Way of Drive“, der nette ältere Herr an der Kasse schwärmt von „wunderschönen Autos“, dann kann ja nichts schief gehen. Hat sich der erste Overkill gelegt, wird das Auge wieder schärfer, und dann geht´s richtig los. Ich hab noch nie soviel Rost, Flüssigkeitsleckagen und Spraydosen-Lackierungen auf einem Haufen gesehen.

Der Großteil der Fahrzeuge wurde vom Betreiber des Museums, einem Wiener Unternehmer, aus den USA importiert und offensichtlich einfach wie sie waren hingestellt. Es fand keine Aufbereitung statt, teils fehlt das Interieur oder ist völlig zerrissen, der Lack verbrannt, der Chrom pickelig. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Zustand 1-Freak mit Pebble-Beach als persönlichem Mekka. Aber in einem Automuseum möcht ich nicht großteils Restaurierungsobjekte sehen.

Weniger wäre mehr, nicht nur in Sachen Gebrauchsspuren. Die Fahrzeuge stehen so dicht an dicht, dass man von den Unmengen an Amikreuzern jeweils nur die Front sieht. Wäre doch schön, wenn man auch über das Heck staunen oder die Innenräume von Lincoln Continental Mark IV und Mark V vergleichen könnte. Gegenüber den rollenden Flugzeugträgern aus den USA parken einige Ferrari, Maserati und Lamborghini. Zwar ohne roten Faden oder erkennbar bewusste Reihung, aber doch.

Doch wo sonst in Österreich sieht man gleich drei Monteverdi Safari aus Schweizer Produktion auf einem Fleck? Und die beiden russischen Staatslimousinen vom Typ Tschaika-GAZ 13 und 14 hätten auch mehr Platz und Aufmerksamkeit verdient.

Was nach dem Besuch des Kraftfahrzeugmuseums Sigmundsherberg bleibt, ist ein innerer Zwiespalt. Eine breite Palette an unterschiedlichsten Fahrzeugen trifft auf teils erschreckende Erhaltungszustände. Es fehlt an der Liebe zum Detail, manche Autos wurden einfach nur reingeschoben und abgestellt, sind schmutzig, verbastelt und verlebt. Gebrochene Plastik-Nummerntafelhalter und gerissene Windschutzscheiben rechtfertigen keine 6 Euro Eintrittspreis. Erst recht nicht, wenn man den Vergleich mit dem Oldtimermuseum Koller wagt, siehe hier https://wierus.wordpress.com/2012/04/16/koller-klassik/.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Amis in der Provinz

  1. Hannes schreibt:

    Naja, nicht das Optimum aber verständlich: Wenn wr das Geld hätten würden wir wohl auch vieles zusammenkaufen um es „irgendwann“ zu restaurieren…
    Und ich finds gut das der Sammler andere dran teilhaben lässt!

    Gruß Hannes

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