Daihatsu im Schnelldurchlauf

Wenn ein langjähriger Leser via themenvorschlag@gmx.at die Bitte um eine Historie der Traditionsmarke Daihatsu von der Gründung bis in die 80er Jahre vorbringt, lass ich mich natürlich nicht zweimal bitten. Daihatsu im Schnelldurchlauf, Augen auf und los gehts:

Daihatsu geht auf das Unternehmen Hatsudoki Seizo Co. Ltd. zurück, das bereits 1907 in Osaka gegründet wurde und primär mit Gas betriebene Stationärmotoren für die Industrie herstellte. Im Jahre 1930 präsentiert Hatsudoki Seizo das erste Fahrzeug, ein 3rädiges Motorrad mit Ladefläche, den „Type HA“:

Der HA ist auch als Personentransporter und als geschlossener Kasten zu haben und wird ein großer Erfolg, besonders bei Zustelldiensten. Ihm folgen verschiedene Liefermotorräder und Kleinstlieferwagen, bis im zweiten Weltkrieg sämtliche Fabriken stark beschädigt werden und die Produktion stoppt.

1951, Japan beginnt langsam, sich vom WWII zu erholen, präsentiert der nun in Daihatsu umbenannte und börsennotierte Betrieb den ersten Personenwagen. Wenn auch nur mit drei Rädern, den Daihatsu Bee. Angetrieben wird die kleine Biene von einem zweizylindrigen Motor mit einem Liter Hubraum.

Im Laufe der Jahre wächst das Unternehmen kontinuierlich, weitere Werke werden aus dem Boden gestampft, zuerst in Itami, dann in Tokyo.

1957 präsentiert Daihatsu den bekannten Midget. Eine Mischung aus Motorrad und Lieferwagen, aus steuerlichen Gründen wieder auf drei Rädern. Die japanische Ape, wenn man so will. Der Midget bleibt bis in die Siebzigerjahre im Programm und ist selbst heute noch eines der bekanntesten Modelle der Marke.

Der Midget wird als erster Daihatsu auch in die USA exportiert, wenn auch wenig erfolgreich.

Im Jahre 1963 endlich der Schritt hin zum vierrädrigen Personenwagen, der Compagno wird präsentiert. Er ist der erste Personenwagen von Daihatsu, der auch nach Europa exportiert wurde. Neben der Limousine Berlina wird auch ein Spider und eine Kombiversion angeboten.

Der Compagno wird unter anderem in Holland, Belgien und in England verkauft, einige wenige Exemplare sollen es sogar nach Österreich geschafft haben. Angetrieben wird der von Vignale designte Compagno von einem 1 Liter Vierzylindermotor. Mit 3,8 Metern Länge ist er sehr kompakt und bietet doch Platz für 4 Personen.

Daihatsu ist seit 1965 auch in der Entwicklung von Elektrofahrzeugen vorne mit dabei, einige Renn-Prototypen können Siege bei Rennen in Japan erringen.

Man beachte die Auspuff-Attrappen!

Im Jahr 1967 schließlich der Zusammenschluss mit Toyota, der nach wie vor besteht. Im selben Jahr wird auch das Firmenlogo mit dem großen „D“ eingeführt.

Der Fellow Max rundet ab 1970 das Modellprogramm nach unten ab, er ist der Vorgänger des Cuore. Angetrieben von einem luftgekühlten Heckmotor, bietet er Platz für vier Passagiere mit japanischer Statur.

Das Jahr 1974 ist ein sehr wichtiges in der Geschichte von Daihatsu, es werden zwei neue Modelle vorgestellt, die für die Kleinwagenmarke neue Märkte erschließen. Im August 74 wird der Taft/Wildcat präsentiert, ein kleiner Geländewagen mit 1-Liter-Motor, der auch in Österreich recht erfolgreich war und bis 1984 produziert wurde.

Im November 74 kommt schließlich der Charmant 1400 auf Basis des Corolla E3 auf den Markt. Er soll Aufsteiger in höhere Fahrzeugklassen an die Marke binden, so richtig gelingen will das aber nicht. Die Corolla-Basis sorgt nicht gerade für technische Höhenflüge.

Der Wagen ist als Sedan und Kombi erhältlich, leider blieb er in Europa eine absolute Randerscheinung. In Holland werden ein paar Stück verkauft, die Zeit ist wohl noch nicht reif für einen größeren Wagen von Daihatsu.

1977 folgt die Vorstellung des Charade, im selben Jahr wird er auch Auto des Jahres in Japan.

Ab 78 wirdder Charade auch nach Europa exportiert, wo er sich großer Beliebtheit erfreut. Dieser Charade besitzt als Dreitürer das charakteristische „Bullauge“ als zusätzliches Seitenfenster. Auch bei der Rallye Monte Carlo und der Safari Rallye schlägt sich der Charade wacker und gewinnt die Klasse bis 1000ccm überlegen.

1980 dann die Vorstellung des Mira, der bei uns als Cuore Karriere machte.

Der Cuore war und ist ein klassisches Kei-Car, die erste Generation demnach mit einem 542 ccm Zweizylindermotörchen nicht gerade üppig motorisiert. Dank eines Leergewichts von 550 kg reicht es aber locker für flottes Mitschwimmen im Stadtverkehr. Auch als Fünftürer mit Heckfenster als Kofferraumklappe.

1981 folgt die Vorstellung des Charmant der zweiten Generation, diesmal auf Basis des Corolla E7. Erhältlich als 1300 und 1600er Version, stellt der Charmant das luxuriöseste und größte Daihatsu-Modell bisher dar. Der Charmant II wurde als „Compact Executive Saloon“ vermarktet, sozusagen eine Luxus-Version des Corolla E7. Technisch veraltet, aber haltbar und anspruchslos. Die Alternative für Traditionalisten.

Viele dieser Traditionalisten gabs bei uns wohl nicht, zur Zeit sollen nur noch 3 (!) angemeldete Charmant in Österreich unterwegs sein.

Jetzt befinden wir uns bereits mitten in den 80er Jahren, Modelle wie der Rocky, der Feroza oder der Applause stehen vor der Tür. Doch die letzten 20 Jahre dieser japanischen Traditionsmarke werden wohl in einem zweiten Teil abgehandelt werden. Von mir aus auch im Schnelldurchlauf.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Daihatsu im Schnelldurchlauf

  1. 1300ccm.de schreibt:

    Gute Idee! Daihatsu wäre auch mal ein gutes Thema für mein Blog 1300ccm.de – zumal die meisten Daihatsu wahrscheinlich mal ins Hubraumlimit des Namens passen würden 🙂

    War wahrscheinlich zu sehr mit der Geschichte von Lola beschäftigt 😉
    http://1300ccm.de/allgemein/ende-einer-legende-die-geschichte-von-lola-691367.html

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