Astron 4D5 – Der Weltmotor

Wer hat dafür gesorgt, dass asiatische und südamerikanische Schwellenländer in den Genuss von individueller Mobilität kommen? Wer ist dafür verantwortlich, dass ganze Jagdgesellschaften vom Ansitz zum Wirtshaus und dann heimwärts geschaukelt werden? Die zypriotische Landwirtschaft wäre ohne ihn nicht mehr denkbar, Zustelldienste arbeitsunfähig und selbst im arabischen Frühling spielte er eine maßgebliche Rolle. Die Rede ist von den Astron-Diesel-Motoren von Mitsubishi, vulgo 4D55/4D56!

Wenn es sowas wie einen Weltmotor gibt, dann taucht beim Brainstorming der berühmt-berüchtigte 4D55/56 wohl als erste Maschine auf. Seine Geschichte ist gepflastert mit Erfolgen und Misserfolgen, mit Superlativen und Management-Fehlern. Und das seit nunmehr 32 Jahren!

Als Diesel-Bruder der seit 1972 produzierten Astron-Motorenfamilie taucht der 4D55 genannte 2,3 Liter Motor im Jahr 1980 im Galant das erste Mal auf und macht die Mittelklasselimousine damit zum ersten japanischen PKW mit Dieselmotor. Anfangs noch als Saugdiesel mit 65 SAE-PS motorisiert er ab 1982 auch den Lieferwagen L300 und den Pajero 2300D.

Mit Hilfe des hauseigenen TD04-Turboladers, der ab 1983 für 84PS bei 4200 Umdrehungen Leistung sorgt, wird so aus dem Mitsubishi Pajero der erste Turbodiesel-Geländewagen der Welt, ein Meilenstein der Allradfahrzeug-Entwicklung. Im Gegensatz zur damaligen Konkurrenz wartet die 4D55-Maschine dank zweier „Silent Shaft“ genannter Ausgleichswellen mit Laufkultur und Drehfreude auf Benziner-Niveau auf, selbst der Verbrauch hält sich in Grenzen.

Die Haltbarkeit leider auch. Gut ausgebaute Autobahnen mit Tempolimits in der Nähe der eingetragenen Höchstgeschwindigkeit und schwere Füße anhängerziehender Hitzköpfe sorgen für hitzige Köpfe. Sorry, das musste sein. 😉 Zylinderkopfrisse sind bald an der Tagesordnung, es musse eine Lösung her.

Die heißt 4D56, kommt 1986 auf den Markt und ist nichts anderes als ein auf 2,5 Liter Hubraum aufgebohrter 4D55 mit identer PS-Zahl, dankenswerterweise aber höherem Drehmoment.

Optisch mit dem Vorgänger beinahe ident, startet die Astron-Diesel-Reihe mit der Einführung der 4D56-Maschine voll durch:

Pajero

L040: Turbo 84 PS, Turbo Intercooler 91/95 PS; V20: Turbo Intercooler 99 PS, Pajero Classic 115PS; V60: Turbo Intercooler 99PS, ab 2002 115PS

Pajero Sport

Turbo Intercooler 99PS, Turbo Intercooler mit elektr. ESP 115 PS; Turbo Intercooler Power Line 133 PS

L200 4WD

Turbo 87PS, Turbo Intercooler 99PS, Turbo Intercooler mit elektr. ESP 115 PS; Turbo Intercooler Power Line 133 PS, DI-D Commonrail 136PS, DI-D+ 167 PS, DI-D High Power 178PS

L300

2WD 70PS, 4WD Turbo 87 PS

L400/SpaceGear

Turbo Intercooler 99PS

Dass der 4D56 als D4BH in Lizenz gebaut auch in einigen Hyundai-Modellen zu Gange ist, verwundert da nicht mehr. Unter anderem die Lieferwagen H100/H1/Starex, der Galloper und auch der Terracan hatten den 2,5 Liter Turbodiesel verbaut.

Der Motor stammt in seinen Grundzügen aus dem Jahr 1980, wird seit 1986 beinahe unverändert produziert und in Südamerika, einigen asiatischen Ländern und in Afrika immer noch angeboten. Selbst bei uns sitzt er mit Commonrail-Kopf und mit neuem Namen DI-D immer noch im aktuellen L200 und macht dem Pick-Up Beine.

Wenn das kein echter Weltmotor ist… Vielseitig einsetzbar, zuverlässig und günstig zu reparieren, mit diesen Tugenden kam der Erfolg. Eine ausführliche Kaufberatung zum 4D56, verbaut im Pajero, gibt es hier zu lesen: https://wierus.wordpress.com/2011/08/15/projektkaufberatung2/

Ich hab 5 1/2 Jahre mit drei verschiedenen 4D56ern verbracht, ohne je ein Problem damit gehabt zu haben. Mir ist der Motor als laufruhiger, ausreichend kräftiger und angenehm sonor klingender Diesel in Erinnerung, der in kundiger Hand beinahe ewig vor sich hin brummelt. Ich kauf mir wieder einen, soviel ist sicher!

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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