Wer soll euer Herzblatt sein?

Gibts da draußen noch Menschen, die keinen Wert auf hochkomplexe Spritspartechnik legen? Denen es egal ist, ob ihre Kiste flott um die Ecken pfeift und die sich nichts aus Fahrzeugen machen, die keine Pajeros sind? Ich denke schon, daher möcht ich versuchen, für uns Drei 😉 so etwas wie eine Kaufberatung zusammen zu stellen.

Mitte 2012, die Zukunft hat uns eingeholt. Der Pajero, in den 80ern bis Mitte der 90er Jahre meistverkauften Geländewagen in Österreich, hat seine Führungsposition schon lange abgegeben. Sein Part im Straßenbild wurde von SUVs übernommen, das aktuelle Modell V80 wird wohl der letzte Pajero sein, der in der EU auf den Markt kommt. Zeit, sich noch einen zu kaufen, bevor es zu spät ist!

Der Klassiker Pajero L040 hat mittlerweile mindestens 21 Jahre auf seinem kantig-geradlinigen Buckel, doch „still going strong“ triffts wohl am Besten.

Wer das Glück hat, ein regelmäßig gewartetes Exemplar mit weniger als 200.000 echten Kilometern Laufleistung zu finden, das nicht vom Rost gefressen wurde, kann es heute immer noch im Alltag benutzen, wenn er eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringt. Die letzten Baujahre 1990 und 1991 sind technisch ident mit dem Nachfolger V20, und der wurde schließlich bis 2004 angeboten. Ein 2,5 TD mit Intercooler und Schraubenfedern an der Hinterachse ist heute sicher die alltagstauglichste Wahl, nicht nur wegen des verstärkten Getriebes. Mit den kleinen Ausstellfenstern in den Türen und den beinahe senkrechten Scheiben rundum nimmt er seine Insassen mit auf einen Trip in die 80er Jahre, in denen es natürlich auch keine Airbags, Crashteststerne oder Flottenverbauchsvorgaben gab. Golden Times, im L040 leben sie wieder auf!

Doch zum Pajero L040 gibts eine Alternative aus Korea, den Hyundai Galloper, ein L040 mit großem Facelift und identer Technik:

Zumindest einen Fahrerairbag und  Seitenaufprallschutz in den Türen, gegen Aufpreis auch ABS gibts schon im Galloper. Zwischen 1998 und 2002 kombiniert der bei uns ausschließlich als 2,5 TD verkaufte Galloper den kantig-coolen 80er Jahre-Look des L040 mit den Annehmlichkeiten der 90er Jahre. Technisch ident mit den ersten beiden Pajero-Modellen, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Dem Galloper merkt man deutlich an, dass er im Jahr 2000 gleich viel kostete wie der Pajero 10 Jahre davor. Die coolen Ausstellfenster sind weggefallen, beim langen Fünftürer auch die Schiebefenster hinten und an Details wie den Türgriffen, der Lackierung oder dem Armaturenbrett spürt man den regierenden Rotstift. Der Galloper ist heute eher als Youngtimer zu betrachten. Im Vergleich zu seinen damaligen Konkurrenten benötigt er mehr Pflege, mehr Sachverstand und entsprechende Investitionen in die kurzlebigere Technik, um ihn am Laufen zu halten. Besonders im Vergleich zu folgendem Pajero.

Der Pajero V20, endlich! Mein erstes Auto! Er ist schuld daran, dass ich mich nach jedem Geländewagen umdrehe und den Sound des 4D56 erkenne, noch bevor er um die Kurve kommt.

Frühe Exemplare klopfen schon an der Schwelle zum Youngtimerhimmel, doch dank der langen Bauzeit (1991 – 2004) gibts noch genügend gute Exemplare, aus denen man sich einen rauspicken kann. Am problemlosesten sind heute wohl der schlichte „GL“ oder der nackte „Young“, denn Ausstattung die nicht da ist, geht auch nicht kaputt. Die „GLS“-Versionen kommen auf Dauer deutlich teurer. Breitere Reifen, härteverstellbare Stoßdämpfer und elektrische Helfer überall bieten eine breite Angriffsfläche für Probleme und Defekte aller Art. Unter den wuchtigen Verbreiterungen wütet der Rost unbemerkt, bei einfacheren Versionen ohne Tupperware weiß man jedoch immer, woran man ist. Motorisch gibts nichts zu meckern. Egal ob man den 2,5 TD wählt, der zwar lahm, aber einfach zu warten und billig zu reparieren ist, oder ob man zum kräftigeren 2,8 TD greift. Der hält zwar in der Regel länger durch, Defekte kommen aber deutlich teurer. Die V6-Benziner saufen bei weitem nicht so viel wie an den Stammtischen kolportiert wird und laufen auch ewig. Zudem stecken sie in der Regel in gepflegteren Karossen. Der Pajero 2,5 TD Classic (2002 – 2004) ist keine wirkliche Empfehlung wert, er ist merklich billiger gebaut und gebraucht oft viel zu teuer.

Der Pajero Sport sollte versuchen, das Pajero-Feeling unter SUV-Interessenten zu bringen. Dieses VOrhaben mutet heute naiv an, damals Mitte der 90er müssen sie´s wohl ernst gemeint haben.

Technisch ident mit L040, Galloper, V20 und dem Pick-Up-Bruder L200,  ist der Pajero Sport nicht Fisch und nicht Fleisch, sitzt überall zwischen den Stühlen. Mit Kombi-Heckklappe, flacher PKW-Sitzposition und relativ flachem Dach ging er optisch nie als richtiger Geländewagen durch, technisch war er den modernen SUVs jedoch auch stets unterlegen. Trotz unzähliger Sondermodelle blieb er stets das überteuerte und veraltete Pseudeo-SUV. Wie seine Brüder blieb auch der Sport sehr lange im Programm, insgesamt 10 Jahre lang von 1997 bis 2007 konnte man ihn erwerben. Ich bin mit dem Sport nie wirklich warm geworden, bei mir lags wohl immer an der Pick-Up-typisch flachen Sitzposition und der Kombi-Optik. Doch ernsthafte Argumente fernab des persönlichen Geschmacks gibts gegen den Pajero Sport auch keine. Wer ihn optisch ansprechend findet und mit Fahrleistungen klarkommt, die der Optik stark hinterher hecheln, soll ihn kaufen.

Wer soll jetzt euer Herzblatt sein? Der urig-puristische Pajero L040, der euch in die frühen 80er entführen und mit zeitgemäßem Komfort überraschen wird? Oder der Galloper, der schlampige Cousin des L040, der es mit der Qualität nicht immer so genau nimmt, aber mit seinem Charakter verführt? Zieht es euch eher zum Pajero V20, dem kompetenten Allrounder, der auch heute noch für den standesgemäßen Auftritt vor Oper und Jagawirt sorgt? Oder nehmt ihr den Möchtegern-Dynamiker Pajero Sport mit nach Hause, der durch seine Gemütlichkeit überzeugt und gerne sportlicher wäre, als er ist?

Lukas

P.S.: Detailierte Kaufberatungen zu Technik und Karosserie gibts unten. Nur falls wirklich jemand Ernst machen möchte!

https://wierus.wordpress.com/2011/08/14/projectkaufberatung/

https://wierus.wordpress.com/2011/08/15/projektkaufberatung2/

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Wer soll euer Herzblatt sein?

  1. Hannes schreibt:

    Hallo!
    (M)eine Möglichkeit fehlt!!!
    Entscheidungsschwache Menschen haben einfach mehrere!
    Trotzdem danke für den Artikel, wieso nur fühl ich mich persönlich angesprochen?

    Lg Hannes

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