Wer klopfet an?

Von einem alten Hasen der heimischen Oldtimerszene musste ich vor einigen Monaten erfahren, dass ich ja schließlich nur über Neuwagen schreiben würde und mein Blog für ihn daher nicht interessant sei. Darauf hin habe ich in Clubs recherchiert, auf Treffen mit Szene-Insidern gesprochen und bin dabei oft auf das Tabu-Thema „Generationswechsel“ gestoßen:

Eine neue Generation Altblech-Liebhaber steht vor der Tür der Szene und bittet um Einlass.

In meinem Geburtsjahr war die Heckflosse ein billiges Verbrauchsauto, der Golf 1 längst abgelöst und Jochen Rindt schon 14 Jahre tot. Klingt für manche, als wäre es gestern gewesen. Doch die Zeit läuft und 28 Jahre später schicken sich Jungspunde wie meine Wenigkeit an, bei alten Autos mitzureden. Mit dem Nachwuchs, der langsam und stetig in die Szene drängt, vollzieht sich natürlich auch ein Wandel im Fahrzeuginteresse, der wohl niemanden kalt lässt und auch vor etablierten Veranstaltungen nicht Halt machen wird.

Wer heute ein typisches Oldtimertreffen besucht, könnte den Eindruck bekommen, dass sich ausschließlich Pensionäre um rollendes Kulturgut aus vergangenen Tagen kümmern. Klar, wer 1963 als junger Familienvater bewundernd vor einer Pagode oder einem 356er Porsche stand, führt das damalige Traumauto heute gern bei Ausfahrten vor. Auch die Faszination Vorkriegsfahrzeug dürfte sich den Golden Agern unter uns eher erschließen als dem hippen Szenenachwuchs mit Taunus oder Celica.

Eine Stippvisite bei einem Youngtimer-Treffen für Autos der 70er, 80er und gelegentlich auch schon 90er Jahre, lohnt sich aber nicht nur für Führerschein- und Szene-Neulinge, auch alte Hasen erleben so den Wandel in der Szene hautnah mit. Coole Typen mit Designerbrille und karierten Sakkos führen keinen Buckel-Volvo, sondern Vatis Opel Senator B aus. Der Standplatz-Nachbar mit dem Lancia Delta Integrale ist ganz begeistert vom gegenüber geparkten Audi Coupé quattro, kann mit einem DKW 3=6 jedoch nur wenig anfangen. Selbst der Fahrer des beigen Toyota Camry aus den späten 80ern fühlt sich zwischen all den Wagen aus seiner Kindheit nicht fehl am Platz.

Aber habt keine Angst, die etablierten Ikonen werden uns weiterhin erhalten bleiben. Nachwuchs gabs immer schon und genau wie Welpen nicht stets klein bleiben, werden aus den Neueinsteigern mit den Jahren alteingesessene Szenekenner. Das gilt natürlich auch für unsere automobilen Freunde. Als der 190SL in den erlauchten Kreis der Upper-Class-Klassiker aufgestiegen ist, hatte auch niemand Angst um den Status eines SSK. Und genauso werden die Lieblinge der 50er und 60er Jahre nicht im Ansehen fallen, wenn wir einem Mazda Rx-7 oder einem VW Santana GX5 die Aufnahme ins Klassiker-Universum ermöglichen.  Gebt den Kindern der 80er eine Chance, egal ob sie in dem Jahrzehnt gebaut oder geboren wurden.

Euer Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Wer klopfet an?

  1. Rainer ADAM schreibt:

    Hey Lukas

    Ich mag deine Art wie du schreibst und ich mag großteils die Fahrzeuge die du so gerne magst.

    Aber ich bin nicht ganz so optimistisch wie du was den Generationswechsel angeht. Die „high end“ Oldtimer Veranstaltungen sperren nach wie vor gerne neuere Fahrzeuge aus, immer noch gilt dort als Grenze 1981 und das seit nun über 6 Jahren.

    ABER und da bin ich mit dir einer Meinung, wird man uns nicht mehr viel länger ausschließen können, einfach weil die alte Generation wahrlich ausstirbt.

    NATÜRLICH gibt es auch noch in der jungen Generation viele die auf VK (Vor Kriegs) Oldtimer stehen, aber das ist doch eher die Minderheit.

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