Hyundai Galloper II Kaufberatung

Nach dem gewaltigen Echo auf die Modellgeschichte des Galloper, die im deutschsprachigen Raum wohl exklusiv hier zu finden ist, folgt nun die von mir zusammengestellte Kaufberatung.

Hyundai (HDPIC) Galloper II Diesel (1998 – 2002) Kaufberatung

Der Galloper wurde von 1991 bis 2002 von HDPIC (Hyundai Precision and Industries Corp.), einer Tochtergesellschaft des Hyundai-Konzerns, unter Mitsubishi-Lizenz in Süd-Korea produziert und entspricht dem Pajero L040. Mit dem umfangreichen Facelift 1998 kam der Galloper II auch nach Europa, Ende 2001 wurde die Produktion mit dem Auslaufen des Lizenzvertrags eingestellt.

1. Die Karosserie

Die Rohkarosserie des Galloper II ist mit der des Pajero L040 identisch, daher teilen sich beide Modelle auch die potentiellen Schwachstellen. Der Rostschutz beim Galloper II ist teilweise sehr mangelhaft, daher treten bereits häufig Rostschäden auf. Der Zustand der Karosserie ist überdurchschnittlich von der Pflege des/der Vorbesitzer abhängig.

Besonderes Augenmerk sollte man dem Windschutzscheiben-Rahmen am unteren Rand schenken, an beiden Ecken wird die Scheibendichtung von Wasser unterwandert, der Scheibenrahmen blüht nach unten hin auf. Die Füße der A-Säulenantenne sind ebenfalls sehr rostgefährdet, sobald sich Blasen im Lack zeigen gelangt Feuchtigkeit in die beinahe ungeschützte A-Säule.

Die Türen und Hauben des Galloper II sind akzeptabel vor Rost geschützt, lediglich unter den Seitenbeplankungen an Türen und Radläufen kommt es häufiger zu Rostschäden, die man jedoch nicht sieht und sie somit auch nicht Pickerl-relevant sind. Kantenrost an Falzen und Schweißnähten kommt auch gelegentlich vor, aber nicht häufiger als bei anderen Autos.

Am Fuß der A-Säule, gut verdeckt von den vorderen Kotflügeln, sammelt sich Dreck und Sand, sichtbar nur beim Blick zwischen Kotflügel und A-Säule bei geöffneter Türe. Diese Stellen lassen sich relativ leicht reinigen, aufgrund der Einfachheit der Karosseriestruktur stellt Rost an dieser Stelle jedoch keine Tragik dar.

Die heimtückischsten Roststellen an der Karosserie des Galloper II sind die hinteren Radhäuser. Aus unerfindlichen Gründen befinden sich in den hinteren Radhäusern Gummi-Schmutzlappen, die mit Blechhaltern ans Radhaus angeschraubt wurden. Diese Blechhalter sind nur durch eine hauchdünne Lackschicht geschützt. Der Rost greift, verdeckt durch die Gummilappen, das Radhaus an und frisst sich nach innen durch.

Zu sehen sind diese Stellen von Außen nur nach der restlosen Entfernung der Gummi-Lappen, von Innen nach dem Ausbau des Teppichs und der Entfernung der Dämmmatten am Innenradhaus.

Eine Reparatur dieser Rostschäden ist relativ einfach, im Idealfall entfernt man die Gummilappen samt Haltern restlos, schweißt die Stellen zu und ist eine potentielle Schwachstelle für immer los. Als Argument für Preisverhandlungen eignet sich diese Eigenart des Galloper II jedoch hervorragend, die meisten Verkäufer dürften von diesen potentiellen Durchrostungen nichts wissen, da sie gut versteckt sind.

Durch ihren sehr einfachen Aufbau mit wenigen Hohlräumen ist die Karosserie sehr überschaubar und einfach zu kontrollieren, schwerwiegende Rostschäden verbergen sich meist nur unter den Plastik-Verbreiterungen und an sichtbaren Blechüberlappungen.

2. Der Rahmen

Da der Rahmen des Galloper beinahe zu 100% mit jenem des Pajero V20 ident ist, gelten die gleichen Punkte. Nachzulesen hier: Pajero Rost-Kaufberatung

3. Der Diesel-Motor D4BH

Der 2,5 Liter Turbo Diesel mit ~ 100 PS ist ein Lizenzbau des 4D56-Motors von Mitsubishi, jedoch leider mit teilweise geringerer Qualität einzelner Bauteile. In kundiger Hand kann er sehr zuverlässig sein, hat aber einige Schwachstellen.

Dieser Motor reagiert wie der 4D56 im Pajero besonders sensibel auf flotte Autobahnfahrt. Durch die sehr kurze Übersetzung ist das Drehzahlniveau ab 100 km/h ungesund hoch (> 3000U/min).

Bei Galloper II die oft auf Autobahnen bewegt wurden kommt es vermehrt zu Zylinderkopfschäden und zu Brüchen der Kipphebelwelle, meist zwischen 100.000km und 150.000 km Laufleistung. Bei vorwiegender Überlandnutzung abseits der Autobahnen und gemütlichem Fahrstil kann der D4BH bei vorschriftsmäßiger Wartung (7.500km Ölwechselintervall!) auch über 200.000km halten. Anhängerbetrieb und ein betont flotter Fahrstil wirken sich jedoch überdurchschnittlich negativ auf die Lebensdauer aus, Motorschäden bei unter 150.000km kommen häufiger vor.

Die Laufkultur des D4BH ist dank zweier Ausgleichswellen, die per Keilriemen angetrieben werden, ausgezeichnet. Er sollte seidenweich laufen und leichtfüßig bis über 4000 U/min hochdrehen. Lautes Nageln, Klopfen oder Schütteln ist NICHT normal, auch wenn der Verkäufer das erzählt! Reichlich Ruß aus dem Auspuff ist normal, er sollte jedoch Schwarz und nicht Blau oder Weiß sein. Alle 6 Jahre oder 90.000km muss der Zahnriemen getauscht werden. Der Verbrauch liegt zwischen 10 Liter bei gemütlicher Fahrweise im Flachland und über 16 Liter bei schwerem Gasfuß oder Anhängerbetrieb.

4. Die Getriebe

Beim Schaltgetriebe mit 5 Vorwärtsgängen der Versionen mit Ladeluftkühler gibt’s keine Probleme, dass der zweite Gang bei kaltem Getriebe hakelt ist normal. Das Getriebe stammt aus dem Pajero, lässt sich sehr exakt schalten und operiert mit langen Schaltwegen. Einzig der Galloper Forst wurde ohne Ladeluftkühler und mit dem „schwachen“ Getriebe verkauft, erkennbar am durchgehend gleich dünnen Schalthebel.

Das seltene Automatikgetriebe mit 3 Gängen und Overdrive ist zwar nicht mehr auf dem heutigen Stand der Technik und treibt den Verbrauch in die Höhe, passt aber gut zum gemütlichen Fahrstil, den man mit dem Galloper pflegen sollte und hält ähnlich lange wie der Schalter.

Der zuschaltbare Allradantrieb ohne Mitteldifferential lässt die Wahl zwischen den Stufen 2H für Heckantrieb, 4H für starren Allradantrieb, N für Neutral und 4L für die starr zuschaltbare Untersetzung. Durch die serienmäßigen automatischen Freilaufnaben ist der Allradantrieb nur im Stand zuschaltbar.

5. Die übrige Technik

Das Lenkgetriebe und die Gelenke der Vorderachse reagieren recht empfindlich auf ´die serienmäßigen Breitreifen und schlagen schnell aus. Lenkungs-Spiel ist beim Galloper jedoch an der Tagesordnung und nicht bedenklich. Zwei Finger breit sind es fast immer, mehr sollte es nicht sein.

Besonders rostanfällig sind auch die Sprit- und Bremsleitungen, die gilt es genau zu kontrollieren, denn der Austausch ist teuer und mit viel Arbeit verbunden. Sind sie mit Unterbodenschutz zugeschmiert soll wohl deren fortgeschrittener Rostbefall vertuscht werden.

Die Bremssättel an der Vorderachse neigen mit den Jahren zum Festrosten, eine schleifende und blockierende Bremsanlage ist die Folge. Ein Austausch der Bremssättel ist sehr teuer (> 1000 Euro). Als Grund für diesen Mangel wird häufig die mindere Qualität der Dichtgummis genannt, die nach 8 bis 10 Jahren aushärten.

Der Endtopf der Auspuffanlage ist beim Galloper recht kurzlebig, die durchschnittliche Lebensdauer beträgt 3 bis 5 Jahre je nach Nutzungsprofil.

6. Fazit

Der Galloper II ist ein ehrlicher Begleiter, der bei guter Pflege durchaus zuverlässig seinen Dienst versieht. Beim Motor kommt es  auf den Vorbesitzer und dessen Fahrstil an ob man lange Freude am Wagen hat, besonders die Kipphebelwelle und der Turbolader sind im Vergleich zum 4D56 von Mitsubishi von minderer Qualität und oft für teure Schäden verantwortlich. Wer den Rost im Blick behält und gewillt ist, teurere Reparaturen in Kauf zu nehmen, fährt den jüngstmöglichen Pajero L040.

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Über Lukas

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4 Antworten zu Hyundai Galloper II Kaufberatung

  1. Karl schreibt:

    Ich habe vor kurzem für schmales Geld den Galloper Bj.2000 rund 200.000 Km gelaufen Motorcode D4BH zugelegt.Möge es sein das ich ein Glückskauf
    getätigt habe ? bei unserem Galloper war die Vorbesitzerin dem Galloper wohlgesonnen ! Rost ist sogut wie keiner vorhanden außer das bekannte z.b
    A Säule , Sprit / Bremsleitung und kleinere Roststellen aber nichts von Bedeutung. Motor läuft sauber Schaltung sowie Allrad alles bestens.
    Was ich als erstes gemacht habe war, Sämtliche Betriebsmittel und Öle Gewechselt sowie alle Schmiernippel mit der Fettpresse behandelt Kardan u.s.w nun fogt Zeitnahe wechsel sämtlicher Riemen.( Da nicht nachvollziehbar ist wann die beiden Zahnriemen erneuert wurden ) Zahnriemen habe ich nur vorerst Optisch in Augenschein genommen und als gut befunden.
    Alles in allem ist der Galloper ein schönes Auto
    Gruß Kalle

    • Lukas Wieringer schreibt:

      Glückwunsch zum Kauf!

      In der Regel ist zu sagen: Wenn der Galloper ohne große Schäden 200.000km erreicht, hat man ihn ordnungsgemäß behandelt. Ich hab den Galloper auch immer als angenehmes und wirklich lässiges Auto empfunden. Achte gut auf Rost am Rahmen (grad innen!) und du hast ihn noch lange. Über Fotos auf themenvorschlag@gmx.at würd ich mich freuen!

      Lukas

    • André Bender schreibt:

      Habe ebenfalls einen Galloper Bauj. 2000-2.5 Liter Diesel Turbo Intercooler. Gekauft für 3000 Eu , gelaufen 180.000 km. Der Wagen war sehr gepflegt, kein Rost , Motor soweit o.k. und ich habe ihn jetzt zwei Jahre und bis auf kleinere Mängel, Generator musste ich wechseln, Klimaanlage habe ich abgeklemmt da sie nicht mehr funktionierte und elektrische Probleme gehören beim Galloper zum Standard (Beleuchtung,Lüfter,Fensterheber). Aber sonst läuft mein Dieselchen super. Zugegeben, im Galloper ist ein gemütliches fahren über 100 km/h nicht mehr möglich, aber er ist ja auch ein reines Nutzfahrzeug und ich fühle mich in meinem Galloper sauwohl….wie „King of the Road“. Ich benutze das Fahrzeug überwiegend Stadtnahe ( für mein Band-Equipment) und Großeinkäufe unserer Großfamilie und auf dem Land, da wir Kleinvieh (Schafe) haben. Ich denke das ich mit diesem Fahrzeug einen Glückskauf hatte. Vor dem jetzigen Galloper fuhr ich für wenige Monate einen 2001er Galloper Inovation V6. Nach mehrfachen Motorprblemen ,enormen Öl und Kühlwasserverbrauch, Bremsenausfall und diverser anderer Fehler , habe ich den Spritschlucker (16 Liter und mehr) dann gerne wieder in Zahlung gegeben. Mein Dieselchen bekommt jetzt neue Zahnriemen inkl. Wasserpumpe, (sollte man direkt mit austauschen) und dann hoffe ich auf weiterhin gute „Zusammenarbeit“ mit meinem Galloper !

      Gruß, André

  2. Jo schreibt:

    Ich sehe mir mal morgen für ein befreundetes Pärchen einen 01er Galopper an,..2.5 TD langer Radstand,..Sie haben bereits einen kurzen, welcher aber im Pferdesport zu klein ist,…Ich selbst bin zwar vom Fach und weiss einiges / fahre hobbymäßig zwei restaurierte L040 / aber solche Berichte sind immer gold wert,…Danke,…der Jo

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