Das Parkdilemma in Wien-Währing

Im März diesen Jahres kam dem Bezirksvorsteher des 18. Wiener Gemeindebezirks eine besonders grandiose Idee. Man könnte die Anrainer doch abstimmen lassen, ob sie nach wie vor gratis parken wollen oder in Zukunft lieber Geld für ein Parkpickerl anlegen möchten. Wie diese Wahl ausgehen würde, war absehbar: Natürlich stimmte das schwarze Währing dagegen, in den Außenbezirken 12 und 14 bis 17 wars Anfang Oktober mit dem kostenlosen Parken vorbei.

Und plötzlich bricht in Währing die Panik aus! Anrainer fürchten um ihre Lebensqualität, werfen mit anonymen Briefen für auswärtige KFZ-Kennzeichenträger um sich, einigen Langzeitparkern mit Nicht-Wiener Kennzeichen sollen sogar schon die Reifen aufgestochen worden sein. So sehen diese Briefe aus, die darauf abzielen, die öffentliche Ordnung „im Achtzehnten“ wieder herzustellen:

Ja, die Parkraumbewirtschaftung in Wien ist ein Witz. Die Parkschein-Methode hat zwar Retroflair, andere Österreichische Städte lachen aber mit Recht darüber, und die Ausweitung der Kurzparkzonen ist ähnlich gekonnt. Denn jetzt soll die Abstimmung für nichtig erklärt werden, das Parkpickerl doch kommen. Zitat Die Presse, 05.11.2012:

SPÖ und Grüne stellen nun die Weichen auf Einführung der Parkraumbewirtschaftung im 18. Bezirk. Die beiden Fraktionen – sie verfügen im ÖVP-dominierten Bezirksparlament über eine Mehrheit – werden am Mittwoch einen gemeinsamen Antrag für eine Studie beschließen, um die Parkplatzsituation zu erfassen. (…)

und weiter

„Bei der nächsten Sitzung des Bezirksparlament am 13. Dezember könnte das Pickerl dann dank rot-grüner Mehrheit auch gegen den Willen der ÖVP beschlossen werden.“

Grundsätzlich sind lediglich alle Bewohner mit Hauptwohnsitz in der Pickerlzone berechtigt, ein Parkpickerl für jeweils ihren Bezirk zu erwerben. Doch angenommen man wohnt in Währing in einer künftigen Pickerlzone, ist aber nicht hier gemeldet. Dann gibts kein Parkpickerl, egal ob man das Geld auf den Tisch des Magistrats legt oder nicht. Zahlreiche Bewohner Währings werden in Zukunft ausweichen und zum Beispiel in Pötzleinsdorf parken. Dort soll das Pickerl nicht kommen, sind jedoch schon jetzt Parkplätze Mangelware. Na die werden eine Freude haben, die Pötzidorfer.

Und die Pötzleinsdorfer, die in anderen Gegenden des 18. Bezirks arbeiten? Bekommen auch kein Parkpickerl, dürfen demnach nicht bei ihrer Arbeitsstelle parken. Denn um ein Pickerl für die Umgebung der Arbeitsstelle zu bekommen, muss der Antragsteller nachweisen können, dass der Weg zur oder von der Arbeitsstätte ohne Kraftfahrzeug nicht durchgeführt werden kann.

Der ÖAMTC regt eine Version der Parkraumbewirtschaftung an, die dem Grazer Modell gleicht, und Zweitwohnsitz-Inhabern und Wochenpendlern gegenüber deutlich fairer ist. Das wäre nicht verkehrt und würde mir um 50 Euro im Jahr erlauben, weiter dort zu parken, wo ich es bislang auch schon tue.

Der Besitz eines Autos in einer Großstadt, ohne einen eigenen Parkplatz nachweisen zu können, ist meiner Ansicht nach kein Grundrecht, sondern darf ruhig etwas kosten. Platz ist knapp, Öffis meist zuverlässig und flott, Car-Sharing-Parkplätze vorhanden und wer auf täglichen Wegen trotzdem partout nicht auf sein Auto verzichten möchte, soll dafür aufkommen. Nur so kann ein Umdenken erfolgen. Doch es müssen alle die Möglichkeit dazu bekommen!

Lukas

Über Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Autos, Österreich, Neuwagen, Städtetour abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Das Parkdilemma in Wien-Währing

  1. Alex schreibt:

    Als Bewohner und auch Berufstätiger des 18. Bezirks kann ich nur sagen, die Parkplatzkatastrophe ist gigantisch…… Garagenplätze sind nicht zu bekommen und das Pickerl wurde abgelehnt…… Meinen 4,9m langen Tribeca zu parken ist fast ein Ding der Unmöglichkeit……mein SVX ist dem Tod näher als der Fahrfähigkeit…….Mein Lösungsansatz ist ein Peugeot 208 mit weniger als 4 Metern, so ist die Parkplatzchance etwas größer. Dachte nie, daß mir ein Franzose ins Haus kommt. Ist aber ein feines Automobil. Ich warte jedenfalls voller Sehnsucht auf das Parkpickerl. Black ist in Währing keinesfalls beautiful……

    Alex

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s