Am Thema vorbeikritisiert

Ich bin ein Fan von konstruktiver Kritik. Sie hilft dabei, erfolgreicher zu arbeiten, bessere Qualität zu liefern und trägt so zum Erfolg maßgeblich bei. Wenn Kritik aber am eigentlichen Thema vorbei geht und nur von Unwissenheit des Kritikers zeugt, wirds unfair.

So ergeht es den letzten echten japanischen Mittelklasse-Geländewagen am heimischen Markt, dem Toyota LandCruiser und dem Mitsubishi Pajero, seit einigen Jahren.

Cruiserpajero

Deren Vierzylinder-Diesel wären viel zu schwach, die Fahrwerke zu weich und schwammig, die Dinger brauche schlichtweg kein Mensch mehr. Einige meiner Kollegen, allesamt Motorjournalisten, stoßen immer wieder ins gleiche Horn, vergleichen LandCruiser J15 und Pajero V80 vernichtend mit X5 oder Touareg. Schließlich kauft ja der Großteil der Kundschaft SUVs ala X5, ML, Touareg, Murano und Co..

Stimmt schon, die Verkaufszahlen der klassischen Geländewagen gehen gegen Null, das EU-Importende steht so mancher Baureihe kurz bevor. Das heißt aber nicht, dass die Wagen nicht mehr konkurrenzfähig sind! Sie sind schlichtweg für einen anderen Einsatzzweck gedacht, das verschließt sich aber so manch geschätztem Kollegen hartnäckig.

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Das hierzulande mögliche Reisetempo ist sehr hoch, Straßen gut ausgebaut, da gibt man gern Gas und heizt mit großen SUVs meist deutscher Herkunft in Sportwagenmanier über die Autobahn. Klingt das nach dem typischen Einsatzzweck eines Geländewagens? Ich denke nicht. Bei beiden LandCruiser-Baureihen genauso wie beim Pajero V80 handelt es sich aber um Geländewagen klassischen Zuschnitts. Und so hat man sie auch zu sehen und zu bewerten.

Wer mit zur Verfügung gestellten Testwagen durch die Lande heizt, freut sich natürlich über starke Motoren und Luxus pur, mmaximal anders als das eigene Auto sollte ein Testwagen sein. Das verleitet so manchen, sich negativ über das typisch indirekte Fahrgefühl echter Geländewagen oder „mangelndes Temperament über Tempo 150“ zu äußern, wenn gerade kein ML500 in der Redaktionsgarage steht. Doch das ist schlichtes „am Thema vorbei kritisieren“.

Der Alltag vieler ehemaliger Geländewagenfahrer hat sich geändert, SUVs entsprechen nun eher deren idealem Fortbewegungsmittel. Doch die klassischen Geländewagen haben nach wie vor ihre Daseinsberechtigung, wenn auch eine Nische daraus geworden ist.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Am Thema vorbeikritisiert

  1. turboseize schreibt:

    Nicht nur die Tests kritisieren am Thema vorbei, auch die Autos werden am Sinn vorbeikonstruiert.
    Ich hatte neulich als Mietwagen für ein Wochenende einen Tiguan aus dem KdF-Konzern. (Ich hatte mir das Modell nicht ausgesucht, aber die Vermietung war der Meinung, der Wagen passe in die gebuchte Fahrzeugklasse). Abgesehen vom etwas höheren Einstieg und der erhöhten Sitzposition sah der Wagen von Innen aus wie ein Golf und fuhr auch so, zumindest solange es geradeaus ging. Die Seitenneigung fiel zwar deutlich geringer aus als erwartet und bei einem echten Geländewagen üblich, dennoch bereiteten Autobahnausfahrten deutliches Unbehagen.
    Alle (erstaunlich erfolgreiche!) Abstimmungsarbeit der Ingenieure kann an den Grundproblemen, der dem hohen Schwerpunkt geschuldeten mangelnden Kurventauglichkeit und der großen Stirnfläche, mithin dem ggü. einem normalen Pkw deutlich erhöhten Luftwiderstand und dem damit auch erhöhten Kraftstoffverbrauch nichts ändern.
    Dann realisiert man, daß nicht nur die Plastikschürzen an Front und Heck höchstwahrscheinlich eine Geländefahrt, wo man u.U. auch mal durch ein Gebüsch durch muß oder eine junge Birke umdrücken, die den Weg versperrt kaum beschädigungsfrei überstehen würde, sondern auch die gegen null tendierenden Böschungswinkel schon jeden Versuch, die Straße zu verlassen zum Scheitern verurteilen.
    Völlig zum automobilen Witz gerät der Tiguan (oder ein vergleichbares Gefährt), wenn man nicht nur Sperren, sondern auch gleich den Allradantrieb vergeblich sucht. In gewisser Weise ist das auch konsequent, die allermeisten Kunden würden eh nie auf den Gedanken kommen, das Fahrzeug abseits befestigter Wege bewegen zu wollen. Daher braucht das Auto dieseFähigkeit auch nicht.

    Ein Geländewagen macht für die meisten Leute keinen Sinn, ist aber in bestimmten Situationen das Mittel der Wahl und hat damit eine Daseinsberechtigung. Sportwagen sind völlig sinnlos, machen aber Spaß. Dick motorisierte Limousinen sind bequem und erlauben, angenehmes, zügiges Reisen. Allrad im Pkw ist im Regelfall nicht notwendig, macht den Winter aber streßfreier, und auch höhergelegte Allrad-Pkw wie ein A6 allroad oder ein V70 XC haben ihre Nische. Was aber kann ein SUV, außer nichtkurvenfahren und spritverbrauchen?

    Warum kauft man sich dann aber nicht gleich ein richtiges Auto? Ist der heutige Autokäufer wirklich so verblödet, so marketing-hirngewaschen, daß er die Absurdität eines SUV (gleich ob mit Allrad oder ohne) nicht mehr erkennt?

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