Wie die Geier

Für jeden schlägt einmal die Stunde, und letzte Woche war es für den 02er Opel Astra meiner besseren Hälfte soweit. Das Pickerl fällig, ein Jahresservice dringend notwendig, Windschutzscheibe gerissen, Bremse hinten hoffnungslos fertig und dann auch noch dieser Unfall. Nicht schlimm, aber aufgrund fehlenden Fremdverschuldens theoretisch ein Totalschaden.

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Nach reiflicher Überlegung fiel die Entscheidung. Er soll in den Export. Schnell und problemlos. Mit ein paar frischen Fotos und einer kurzen Beschreibung hat er im Inserat besser ausgesehen, als er wirklich war. Doch das hat Ivo aus Serbien nicht gestört. Bereits 5 (!) Minuten nach der Veröffentlichung des Inserats klingelt mein Telefon. Ivo ist dran, er möchte sofort vorbeikommen, in 25 Minuten sei er da. Es ist 21.35 Uhr.

Während Ivo auf dem Weg zu mir und dem Astra ist, läutet mein Telefon ununterbrochen. Mindestens 20 unterschiedliche Nummern in einer knappen halben Stunde. Beim zweiten Anruf hab ich noch abgehoben. Doch die Geschichte des gebrochen Deutsch sprechenden Anrufers von seiner schwangeren Freundin und seiner verstorbenen Oma war einfach zu weit hergeholt, von Glaubwürdigkeit keine Spur mehr. Nächster Schritt? Handy auf lautlos!

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Und wirklich taucht Ivo pünktlich auf. Kurzer Check, ob der Wagen startet, lenkt, bremst und die Kupplung noch zubeißt, dann folgt das übliche Gejammer. Er müsse den Zahnriemen wechseln (Motor hat Steuerkette 😉 ), die Kupplung wäre ganz schlecht etc., ihr kennt es alle. Nach einem „Good Cop, Bad Cop“-Spiel mit der harten und nicht verhandlungsbereiten Besitzerin am Telefon einigen wir uns letztendlich auf einen für beide Seiten zufriedenstellenden Betrag, eine Anzahlung wechselt den Besitzer, ein Kaufvertrag wird unterschrieben. Keine Stunde nach Veröffentlichung des Inserats.

Das war selbst für mich überraschend. In Wien ist der Exportmarkt für günstige, deutsche Autos laut Ivo, der genau wie ich dem gepflegten Smalltalk nicht abgeneigt ist, fest in der Hand von Serben und Bosniern. Nicht zu alt, günstig und viele Mängel, darum reißen sie sich wie die Geier. Wie um den alten Astra, von seiner Besitzerin liebevoll „Autili“ genannt. Jetzt geht er nach Serbien, wird dort entweder günstig repariert und bei einem Gebrauchtwagenhändler auf einer Wiener Ausfallstraße als garantiert unfallfrei 😉 wieder verkauft oder bleibt dort und fährt noch viele Jahre durch die Gegend.

Trotz sofortigem Löschen des Inserats bekam ich nach 4 Tagen die letzte SMS mit „Zahle 500 Euro sofort!“.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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