In Sachen Sport

Da flattert mir gestern zufällig die aktuelle Ausgabe der AutoBild Allrad ins Haus und sorgt für Aufregung.

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Der Großteil des Heftes Lobhudelei auf deutsche Autos, doch zwei Seiten sind interessant. In der Rubrik „Der Checker“ stellt Wolfgang Blaube, mittlerweile eine Legende unter den deutschen Motorjournalisten und hochgeschätzter Kollege mit grandiosen Artikeln in der Oldtimer Markt, je einen Gebrauchtwagen mit Allrad vor, den er durchcheckt und bewertet.

In der aktuellen Ausgabe hat er sich einen 03er Mitsubishi Pajero Sport 2,5 TD mit 135.000km vorgenommen. Damit beginnt das Drama und der Sport wird in Grund und Boden geschrieben. Vor allem der 4D56 muss sich heftigste Kritik gefallen lassen. „Rudolf Diesel würde sich wohl im Grabe umdrehen“ oder „Das Design überzeugt? Na, immerhin taugt der Mitsubishi Pajero Sport damit als Standmodell (…)“ sind nur zwei Beispiele für die eigentlich beispiellose Vernichtung.

Wieviel Wahrheit steckt dahinter?

Klar, der Pajero Sport ist kein 0815-SUV, nie gewesen. Dass Mitsubishi uns das besonders in den letzten Jahren des alten Haudegens weißmachen wollte, war ein Fehler, der sich jetzt rächt. Der gute, alte 4D56 unter der Haube ist bekanntlich nicht vollgas- und nicht drehzahlfest, die Abgasreinigung mittels elektronisch geregelter Einspritzung (115 PS) hat ihm schon nicht gut getan, die auf 133 PS aufgeblasene „Powerline“-Variante hält bei häufiger Nutzung der Leistung oft keine 100.000km.

Besonders der späte Sport (2002 – 2006) ist auch kein Auto für 0815-Fahrer. Man muss die Eigenarten der Technik kennen und sollte mit ihr umzugehen wissen. Warmfahren, kein Dauervollgas bergauf, kein Anhängerbetrieb, Autobahnreisetempo maximal 120km/h, Öl- & Filterwechsel alle 10.000km. Dann halten die Dinger auch. Das Thema Getriebe, in der AB Allrad auch kritisiert, ist spätestens seit dem L040 mit Intercooler (1989) aus der Welt, da ist der Kollege Blaube nicht am neuesten Stand.

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Der größte Kritikpunkt im Fazit sind die „zu erwartenden horrenden Reparaturkosten des Diesels„. Ach wirklich? Der Tausch des Zylinderkopfs kommt dank einfacher Wirbelkammer-Technik auf ~ 1500 Euro, einen neuen AT-Motor gibts um ~ 3000 Euro. Mit Aus-, Um- und Einbau ~ 4000 Euro. Damit ist der Motor neu und mindestens 100.000km Ruhe. Der Gebrauchtwagen-Kaufberatung zum Mercedes-Benz GLK im selben Heft ist zu entnehmen, dass ein AT-Motor im GLK 220 CDI auf 9768 Euro kommt. Allein die bekannten Probleme beim 220/250 CDI mit ausfallenden Piezo-Injektoren sorgen nach der Garantiezeit für Kosten, die einem neuen Motor im Pajero entsprechen.

Die weiteren Kritikpunkte Lenkung und Fahrwerk haben in mir vorliegenden Pajero Sport-Fahrberichten der Auto Bild aus den Jahren 2001 bis 2003 stets gut abgeschnitten, wurden teilweise sogar ausdrücklich als sehr gelungen gelobt.

Wirklich nachvollziehbar ist die übertrieben scharfe Kritik nicht. Der kühle Regentag dürfte die Laune des Kollegen Blaube wohl ordentlich getrübt haben und wenn dann noch persönliche Antipathie dazukommt…

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu In Sachen Sport

  1. turboseize schreibt:

    Nun ja, ich kann die Kritik schon nachvollziehen. Daß moderne Diesel absurde Werkstattkosten verursachen können wisse wir, aber der Pajero ist nun mal nicht mehr der Jüngste und stammt aus einer Zeit, als Diesel im Allgemeinen noch haltbar zu sein hatten.
    Vergleicht man den Motor z.B. mit einem OM 602/603, die auch bei völliger Vernachlässigung nahezu ewig durchhalten, dann wird der Verriß verständlich.

  2. Pingback: Der Marathonläufer | Lukas Wieringer

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