VW Golf 2 „Madison“: Als Gebrauchter eine Klasse für sich

Start frei für den ersten Artikel eines Gastautors. Ganz nach dem Vorbild der „Kommentare der anderen“-Rubrik einer heimischen Qualitätszeitung möcht ich in loser Folge Artikel von Gastautoren veröffentlichen, um den automobilen Horizont zu erweitern. Den Anfang macht Henrik Lode aus Berlin. Autor, Journalist, Autofreak. Vorhang auf für sein erstes Auto!

1,3-Liter-Normalbenziner, 55 PS, 4-Gang-Schaltung, Kassettenradio, Zigarettenanzünder: Mit dem VW Golf 2 in grün-metallic, der da vor dem Haus meiner Eltern stand, ging für mich Mitte der Neunziger ein Traum in Erfüllung. Fehlte nur noch der Führerschein. Ganze drei Wochen blickte ich sehnsuchtsvoll auf den Volkswagen vor meinem Fenster, ohne dass ich ihn fahren durfte. Doch irgendwann kam der große Tag: Eine Stunde Nervenkitzel im Berliner Stadtverkehr, ein paar belehrende Sätze des Prüfers über exakte Geschwindigkeiten in 30er-Zonen, dann die erlösenden Worte: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben bestanden!“

Günstig und widerstandsfähig

Zugegeben, der Serien-CL von 1990 ist heute nicht mehr das, was sich ein Autofan unter einem attraktiven Pkw vorstellt. Leistung und Ausstattung sind eher archaischer Natur, dabei jedoch fehlt der zweiten VW-Golf-Generation der legendäre Touch, mit welchem etwa der Golf 1 bis heute seine performancetechnischen Defizite wettmacht. Doch so widerstandfähig und günstig wie die Zweier-Generation präsentierte sich um die Jahrtausendwende kein anderes Fahrzeug auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Zudem stand vor meiner Tür ein Sondermodell: VW Golf 2 Madison.

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Sondermodell „Madison“

Die meisten Sondermodelle, die vom Zweier in Deutschland auf den Markt kamen, basierten auf dem CL. Die Ausstattung war trotz des Special-Edition-Prädikates eher spartanisch. Sobald man den Dreitürer schneller als 120 km/h fuhr, war von der Musik nichts mehr zu hören. Ab 140 km/h fing der Motor recht mitleiderregend an zu heulen. Immerhin verfügten die Türen schon über eine Ablage und Stoffeinsätze, zudem gab es eine Mittelkonsole und einen kleinen Hebel, mit dem sich der Seitenspiegel von innen verstellen ließ. Soweit die innovativen Standard-„Gimmicks“ der 1990er CL-Modelle. Dass es sich hier jedoch um einen „Madison“ handelte, ließ sich neben dem gelb-roten Schriftzug auch an den Seitenleisten und den Radlaufverbreiterungen aus schwarzem Kunststoff erkennen. Leider sorgten Letztere dafür, dass meine 155er-Reifen noch schmaler aussahen, als sie ohnehin schon waren. Also führte ich die erste Tuning-Maßnahme meines Lebens durch: Ich kratzte mein ganzes Geld zusammen, fuhr mit heruntergekurbeltem Fenster und lärmendem Radio zum nächsten Händler und entschied mich im Anschluss an einen Vergleich verschiedener Reifenmodelle für „breite“ Sohlen mit den beachtlichen Laufflächen-Maßen von 175 Millimetern.

20 Jahre später

Fünf Jahre fuhr ich meinen grünen VW Golf 2. Danach schenkte ich ihn einem Freund, der den Wagen weitere drei Jahre nutzte. Als der Madison dann schließlich auf dem Schrottplatz landete, muss er rund 350.000 Kilometer auf dem Buckel gehabt haben. Noch heute wundere ich mich über die geringen Unterhaltskosten und die wenigen Reparaturen, die der CL verursachte. Da konnten Fords, Toyotas und BMWs der Nachfolgezeit nicht mithalten. Zugegeben: Ein Fahrzeug ohne ABS und Airbag würde ich mir heute nicht mehr anschaffen. Und auch die geringe Fehleranfälligkeit ist natürlich zum großen Teil dem geringen Technikumfang geschuldet. Trotzdem sind heute, 20 Jahre nach Produktionsende, laut KBA-Statistik noch immer rund 450.000 Zweier in Deutschland zugelassen. Auch ein Madison begegnet mir hin und wieder auf der Straße. Dann denke ich jedes Mal mit einem Anflug von Melancholie an mein erstes eigenes Auto zurück.

Wollt auch ihr als Gastautor einen Artikel veröffentlichen? Mail an themenvorschlag@gmx.at genügt!

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu VW Golf 2 „Madison“: Als Gebrauchter eine Klasse für sich

  1. Lukas schreibt:

    Eine verrückte Sache ist das. Hab eine sehr ähnliche Erfahrung gemacht – wenn auch 10 Jahre später. Golf II Madison, an die 70 PS, top Auto, nur werde ich es wohl abgeben müssen weil die Versicherung nicht mehr zu bezahlen ist. Wie dem auch sei, am Ende des Artikels steht dann auch noch ‚mein‘ Name – wie gesagt, verrückt.

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