Ist bigger better?

„Grundsätzlich sollten Neuwagenkäufer darauf achten, eher die Motorvarianten mit wenig Hubraum und geringer Leistung zu wählen. Der Umwelt zuliebe.“ So stand es vor einigen Monaten in einem Magazin eines Autofahrerclubs. Wird Zeit, diesem „Tipp“ auf den Grund zu gehen.

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Als Testobjekt dient ein Mazda 3 1.6i mit 105 PS und Schaltgetriebe. Sparsam und flink, sollte man annehmen. Flink ja, aber durch die sehr kurze Gesamtübersetzung (siehe Fotos, alles im 5. Gang) nicht wirklich sparsam. Bei normaler Autobahnfahrt innerhalb legaler Limits und eingeschalteter Klimaanlage genehmigt sich der kleine Racker laut Bordcomputer 9 Liter! Mit einem zweieinhalb Klassen größeren Volvo S80 2,4 Liter Fünfzylinder-Benziner und Automatik waren errechnete 8,5 Liter drin.

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Auf Landstrassen müsste der kleine Benziner doch seine Vorteile ausspielen können, oder? Nun ja… Bei Schleichfahrt im Marchfeld vielleicht, aber sobald es hügelig wird, öfters aus Ortsgebieten rausbeschleunigt werden muss und gelegentlich ein Mopedauto oder ein LKW zu überholen ist, hört der Sparspaß wieder auf. Unter 8 Liter fällt die Anzeige auch Überland nicht. Der kleine 1600er muss sich mehr anstrengen als ein großer Motor, muss höher drehen um vorwärts zu gehen. Ein 15 Jahre alter Subaru Legacy 2.0 mit 125 PS und permanentem Allrad kam auf den gleichen Wert.

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Auch der zum Vergleich herangezogene, fast neue Skoda Yeti 1.2 TSI mit 105 PS bestätigt die Eindrücke. Dank eines sechsten Gangs ist er auf der Autobahn etwas sparsamer als der Mazda 3, Überland nehmen sie sich nichts. Trotz allseits gehyptem Downsizing. Das ihn bei niedrigen Drehzahlen souveräner macht, Turbodrehmoment sei Dank. Aber sparsamer abseits der Normrunde? Eher nicht.

Auf der streng genormten und nicht unbedingt realistischen Normrunde sind kleine Motoren mit wenig Leistung und geringem Hubraum die Sparefrohs der ersten Reihe. Im Alltag auf echten Straßen fährt es sich mit mehr Hubraum und mehr Leistung nicht nur entspannter und souveräner, sondern oft auch mit ähnlichen Verbrauchswerten.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Ist bigger better?

  1. turboseize schreibt:

    Hehe. 🙂

    Mein erstes eigenes Auto (Saab 900 turbo 16S von 1984, 2 Liter, 175PS) war auf der Autobahn bei Richtgeschwindigkeit sparsamer als Mutters Nissan Micra (k11, ich glaube irgendwas um 1,1 Liter, ~55PS).
    Drehzahl ist halt ein Verbrauchsmörder.

    Die jetzt so modernen downsizingturbos sind zwar alle erstaunlich lang übersetzt und in der Tat absurd sparsam – solange man keine Leistung abfordert. Der 1.4er TSI, den ich neulich als Ersatzwagen fahren „durfte“ quittierte alles oberhalb von 120km/h und mehr als einer person an Bord mit eklatanter Sauflust. Bei meinem Fahrprofil (Autobahnlangstrecke, dank Mitfahrern meistens vollbesetztes Auto) war selbst der 9000 v6 mit seinem Dreiliter-Sechszylinder deutlih sparsamer, der 900 und der 9000 turbo mit ihren 2-Liter-Turbobenzinern sowieso. (Mehr dazu: https://turboseize.wordpress.com/2013/03/18/marderschaden-die-zweite-oder-wie-man-zu-einem-neuwagen-kommt-und-froh-ist-ihn-wieder-loszuwerden/)

    Wir halten fest: wenig Hubraum ist nur in der Stadt sparsam, also dort, wo man eh kein Auto braucht.

    Hatte nicht Mazda vor einiger Zeit mal angekündigt, einen ganz anderen Weg zu gehen – nämlich auf Aufladung zu verzichten, dafür aber mehr Hubraum und niedrigeres Drehzahlniveau? Erinnerte mich irgendwie an das BMW-eta-Konzept.

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