Gegen den Strom

Gegen den Strom zu schwimmen und Individualist sein ist zwar meistens lässig, aber nie einfach. Die Erkenntnis trifft nicht nur beim Musikgeschmack, den Urlaubsvorlieben oder der beruflichen Situation zu, auch am Gebrauchtwagenmarkt lässt es sich erleben.

Heute war wieder so ein Tag, ich war wiedermal unterwegs. Diesmal mit dem Ziel „vernünftiger Mittelklasse-PKW, Benzin, Automatik, guter Zustand, kein Audi/BMW/MB“ vor Augen. Zielgebiet Weinviertel/Marchfeld. Eine Gegend, in der mörderischer Durchzugsverkehr die heruntergekommenen Ortschaften tyrannisiert. Eine Gegend, in der kleine Gauner, die es in Wien nicht schaffen, ihre Gschäftln machen. Eine Gegend, in der überholt wird wie in Polen.

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Erster Stopp bei einem großen Mazda-Händler. Reihenweise Gebrauchtwagen vor der Tür, ein Mazda 6 der ersten Generation wäre nett. Schönes Auto, groß genug, sehr guter Ruf, passt. Es stehen sechs Stück der Baureihe GG/GY auf dem Hof, verschiedene Karosserievarianten, alles Diesel, alle mit mehr oder weniger „gemachten“ Radläufen hinten. Auf meine Frage, ob er denn einen Mazda 6 Benzin mit Automatik in Aussicht hätte, gibts nur Kopfschütteln. Hätte neu fast niemand gekauft und wenn, dann würden sie überdurchschnittlich lange behalten.

Dankenswerterweise durfte ich eine Probefahrt mit einem 2005er Mazda 6 CD120 TE TD machen. Attraktiver Wagen, sportlich-elegant, aber als moderner Diesel zu heiß in Sachen Reparatur-Risiko und für ein 8 Jahre altes Auto mit 102.000km zu rostig für meinen Geschmack. Eigentlich schade, der Preis hätte gestimmt, das Feeling auch.

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Ein anderer, heißer Kandidat in Gänserndorf war bereits verkauft, also gings gemütlich retour in Richtung Wien. Knapp vor der Stadtgrenze ein kleines Autohaus, versteckt hinter einer Reihe Bäumen. Die Zeit drängt nicht, mal schauen was da so herumsteht. Mit vielem, aber einem schönen Toyota Camry 2.4 hätte ich nicht gerechnet.

Keine Preisauszeichnung, aber auch keine Nummerntafeln. Fragen kostet nichts. Nach anfänglicher Verwirrung, der Verkäufer hatte heute seinen ersten Arbeitstag nach 2 Wochen Urlaub, war klar dass der Wagen zu haben wäre. Schöne Ausstattung (Automatik, Glasschiebedach, Einparkhilfe, elektr. Sitze, etc.), cooler Schlitten. Wissentlich, dass mir die Probefahrt zum Verhängnis werden könnte, habe ich mich aufgemacht und es genossen!

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Ist das eine geile Kiste! Komfort auf S80-Niveau, mehr Platz als eine E-Klasse, verarbeitet wie eine Schweizer Taschenuhr. Das Ding dünstet den damaligen Qualitätsbegriff von Toyota aus jedem Spaltmaß. Leider hat mich eine einfache Hebebühne wieder auf den Boden plumpsen lassen. Versteckter Rost und einige schlecht nachlackierte Stellen trüben das Bild, der aufgerufene Preis trägt nicht gerade zur Entspannung bei. Etwas mehr als laut Liste ist ja hierzulande normal, aber beinahe den doppelten Eurotax-Verkaufswert zahlt so schnell wohl niemand.

Einen deutschen Diesel-Kombi oder einen französischen Kleinwagen in Rot gefällig? Kein Problem! Einen japanischen Mittelklasse-Benziner mit Automatikkomfort zu finden, gestaltet sich da schon deutlich schwieriger. Es ist halt nicht leicht auf dem Weg stromaufwärts…

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Gegen den Strom

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