Der letzte echte Toyota?

Die Frage, welche Generation der E-Klasse jetzt der wirklich „letzte echte Benz“ war und für immer bleiben wird, spaltet seit Jahrzehnten Autoclubs, Stammtische und das Internet. Neulich hatte ich die gleiche Diskussion, nur gings um den „letzten echten Toyota-PKW“. Könnte es der Avensis T22 gewesen sein?

Avensis T22 1

Was macht einen „echten“ Toyota aus? Er muss volkstümlich sein. Da fällt die letzte bei uns verkaufte Generation des Camry schon mal weg. Die war einfach zu weit vom heimischen Mainstream-Geschmack entfernt. Er muss designtechnisch bieder, aber gefällig sein. Da fällt der Yaris schon mal raus. Vor allem die erste Generation zu strange im Styling, damit bist du nicht überall gut angezogen. Dann muss es der Corolla E12 sein, oder? Hmmm, irgendwie auch nicht. Der war zwar optisch ansprechend und hochwertig, aber mit einigen Mängeln (SHSV beim Diesel, Shortblock beim Benziner) fühlte er sich zu sehr nach Golf IV an. Und da kommt der Avensis T22 ins Spiel…

Avensis 2

Der Avensis der ersten Generation fühlt sich nicht nur nach klassischem Toyota an, er sieht auch sehr Toyota-ig aus. Die Front vor dem Facelift ein wenig skurril, der Rest sehr solide und bieder. Egal ob Liftback, Sedan oder Kombi, aufregende Schönheiten sehen anders aus. Der T22 passt aber irgendwie einfach überall rein, fällt nirgends auf. Das ideale Auto für Privatdetektive, wie auch schon der Carina zuvor. Auch im Innenraum gibt´s typischen Toyota-Look. Ein bisschen Plastikholz in Braun, um das viele Grau ein wenig aufzulockern. Ein Armaturenbrett ala Schrankwand, aber bombig verarbeitet. Der gebogene und elendslange Schalthebel ala 80er-Jahre, typisch auch der. Die Antithese zum Audi-Stummerl.

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Und dann sind da noch die Dauerläufer-Qualitäten, für die echte Toyotas stets so bekannt und beliebt waren. Meine Erfahrungen mit dem Avensis T22 beschränken sich auf gelegentliche Fahrten mit Werkstatt-Ersatzautos eines Toyota-Händlers. Und diese Kisten sind mir in Erinnerung geblieben. Erst gab es weiße TDE-Kombis. Ehemalige Firmenautos von Außendienst-Vertrieblern, die nach der Ausmusterung als Ersatzautos für Werkstattkunden herhalten mussten. Alle mit mehr als 250.000km auf der Uhr. Mein letzter weißer T22 Vor-Facelift hatte 323.323km auf der Uhr, als ich ihn zurückgebracht habe. Und ist marschiert wie die Feuerwehr, trotz „nur“ 90 PS.

GE POCKET CAMCORDER

Dann wurde umgesattelt auf Facelift-Limos. Jetzt mit SHSV-Abo, aber immer noch faszinierend durabel. Der letzte Facelift-T22, den ich als Ersatzauto zwei Tage fahren durfte, war ein zusammengeflicktes Unfallauto mit abenteuerlichen Spaltmaßen. Auch mit knapp 280.000km drauf. Lenkrad und Schalthebel spiegelglatt gescheuert, die sehr toyota-igen Velour-Sitzbezüge speckig auf flachgefurzten Sitzen. Aber er ist tapfer gefahren und alles hat funktioniert! Egal ob Fensterheber, Multifunktionslenkrad, Klima oder Navi-Radio. „Japaner halt“, sagt der Mechaniker meines Vertrauens in solchen Fällen. Auch wenn der T22 in England gebaut wurde.

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Ein großartiges Auto, aber erst auf den zweiten Blick. Wenn man dieses typische Japaner-Feeling mag, mit all seinem Plastikholz, den Velourstoffen, den langen Schaltwegen und der etwas unbeholfenen Verteilung der Bedienelemente (Die aber ins Blut übergeht, wenn man auf Japaner geeicht ist!), dann ist der Avensis T22 der wohl letzte volkstümliche Toyota-PKW alter Schule.

Lukas

P.S.: Ach ja, der W210, sag ich!

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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