Wenn zwei übersiedeln…

… dann freut sich der Dritte. Vor allem, wenn sich dabei die Gelegenheit auftut, in einem sonst (dankenswerterweise) unbekannten Fahrobjekt Zeit hinterm Lenkrad zu verbringen. Vorhang auf für den Hauptakteur Iveco Daily 35S13.

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Na servas, das Ding ist länger als er aussieht! Ganze sieben mal zwei Meter Kastenwagen, die durch Graz chauffiert werden wollen. Mit absolut null Sicht zur Seite oder nach hinten. Die großen Spiegel bemühen sich zwar um einen Rest Rundumsicht,  scheitern aber kläglich. Das kann ja heiter werden. Aber schon nach ein paar Kilometern hat sich der eigene Fahrstil soweit umgestellt, dass es gar kein Problem mehr ist, den hässlichen Italiener durch die Gassen zu pilotieren. Selbst paralleles Einparken ist kein Problem, sofern man auf einen Einweiser vertrauen kann. Denn was sich hinter der Kiste abspielt, ist und bleibt dem Fahrer mangels Rückfahrkamera verborgen. Doch ist die Rätselhaftigkeit des Neuen und Unbekannten dann verflogen, zieht der Alltag ein. Und mit ihm die Beschwerden.

Stichwort Sitzen. Hoch und auf einem gefederten Fahrersitz, also eigentlich angenehm. Aufgrund der kurzen Kabine aber mit mangelhaftem Verstellbereich nach hinten. Was dafür sorgt, dass das rechte Knie ununterbrochen an der Mittelkonsole ansteht und nach spätestens 50 Kilometern anfängt, weg zu tun. Da der Sitz bei ausgewachsenen Fahrern aus diesem Grund immer ganz hinten klemmt, kommt man nicht mehr vernünftig ans Lenkrad. Dadurch ergibt sich meistens eine Zehn-vor-halb-Sieben-Lenkradhaltung. Und eine demütige Verbeugung in jeder engeren Kurve, um nicht dauernd Umgreifen zu müssen. Dem Mitfahrer auf der dünn gepolsterten und hochgradig unbequemen Strafbank, genannt Beifahrersitz, geht es da auch nicht besser.

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Stichwort Schalten und Walten. Ein moderner Dieselmotor mit manuellem Sechsgang-Getriebe ist ja schon prinzipiell nichts für Freunde des entspannten Cruisens. Ständiges Schalten geht vor allem im Stop-and-Go-Stadtverkehr schnell an die Substanz und beginnt ordentlich zu Nerven. Besonders dann, wenn die Kupplung auch noch schwergängig und ruppig ist. Und dass nach längerem Fahren im fünften und sechsten Gang an der nächsten Ampel plötzlich die ersten beiden Gänge blockieren, Schweißausbruch und stinkende Kupplung beim Anfahren im Dritten inklusive, ist auch nicht nett vom Daily. Das klappernde Hartplastik-Interieur, die zwitschernde Lüftung und die kaputte elektrische Spiegelverstellung stören da schon fast nicht mehr.

Was bleibt von einem Tag Iveco Daily an Erfahrungen im Kopf? Primär Mitgefühl mit allen Fahrern, die tagtäglich in solchen Gurken unterwegs sein müssen. Oftmals länger als die Polizei erlaubt (bis 3,5 Tonnen kein Fahrtenschreiber) und für einen Stundenlohn, der in vielen Fällen eine Frechheit ist.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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