Sondermüll im Luftkurort

Es gibt da in der Steiermark einen kleinen, recht nett anzusehenden Ort, der besonders im Raum Wien sehr bekannt und beliebt ist. Als Urlaubsort für Ruhe suchende Naturliebhaber nämlich. Und gute Luft, schöne Gegend und intakte Natur gibt es dort ja wirklich. Wobei, in Sachen Natur bin ich mir da plötzlich nicht mehr ganz so sicher…

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Im Winter taucht bei jedem größeren Schneefall das Problem auf, dass die Gemeindebediensteten nicht wissen, wohin mit dem Schnee. Im Ortskern ist er einfach im Weg. Also werden LKW-Ladungen voll Schnee außerhalb der Ortschaft einfach in die Wiese gekippt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Wieder ein Problem gelöst. Woran aber niemand zu denken scheint: Natürlich ist dieser Schnee nicht mehr nur Wasser, sondern bereits mit Streusplitt und Salz in Kontakt gekommen. Das scheint aber niemanden groß zu kümmern.

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Was da aussieht wie eine Abraumhalde der Rheinbraun AG ist normalerweise eine Wiese. Momentan wie jedes Jahr aber massiv verunreinigt durch unzählige Wagenladungen Schnee, versetzt mit Streusplitt. Und der gilt immer noch als Sondermüll! Bei der Recherche im Internet finden sich dazu einige interessante Zitate.

Die „Stuttgarter Zeitung“ schreibt etwa:

Der gebrauchte Splitt ist Sondermüll – und muss als solcher entsorgt werden. Reifenabrieb oder auch geringste Spuren von Öl – ein Tropfen reicht, um 600 Liter Wasser zu verunreinigen – setzten ihm im Lauf des Winters zu und verhindern eine anderweitige Verwertung.

In der Schweizer „20minuten“ liest man folgendes:

Früher galt Split als ökologische Alternative zum Auftausalz. Heute aber weiss man: Streumittel wie Sand, Kies oder Split sind meist nicht nur mit Strassenabfällen und Öl, sondern auch mit Schwermetallen verseucht.

Und der Abfall-Wirtschaftsbetrieb München hat das letzte Wort, kurz und bündig:

Problematische Inhaltsstoffe:

Cadmium, Kupfer, Zink, Blei, Nickel, Chrom, Quecksilber, Arsen

Liest sich ja richtig appetitlich. Das würde ich nicht unbedingt auf Wiesen kippen, auf denen das Futter für zahlreiche Milchkühe wächst. Warum wird es dann trotzdem in zahlreichen Gemeinden so gemacht und riskiert, dass Schwermetalle in den Boden gelangen? Weil die fachgerechte Entsorgung Geld kostet, das die Gemeinden nicht haben. Stattdessen wird mit dem Splitt des letztes Winters so mancher Forstweg befestigt, Garagenvorplätze geschottert und was nicht zu verwenden ist, bleibt einfach in der Wiese. Ist ein so sorgloser Umgang mit der Natur einem Fremdenverkehrs-Ort würdig? Man denkt wohl, solange man nicht für sauberes Wasser berühmt ist, passt das schon… Und dass es am Ortseingang, auch für alle Urlauber und Ausflügler bestens sichtbar, nicht gerade das Zeug zum Aushängeschild eines Tourismus-Orts hat, ist auch unbestritten.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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