Gustieren im Frühstadium

Der letzte Autokauf liegt schon unfassbare 13 Monate zurück und natürlich startet mit den Frühlingsgefühlen und dem schönen Wetter auch die Gustiererei.

Was darf es denn diesmal sein? Das übliche Modell der üblichen Marke, nur in anderer Ausstattung? Oder etwas ganz anderes, der Abwechslung willen? Alt, jung oder fast neu? Ein paar Gedankengänge wären ja vorhanden, wenn auch noch ganz im Frühstadium.

  • Wie wäre es etwa mit der absoluten automobilen Unvernunft? Stichwort viel Hubraum, viele Zylinder, viele PS, viel Komfort, viel Blech, viel Risiko.

Luxus

Ein seriöser früher Audi A8 ohne peinliche S8-Embleme und Sportauspuff-Töpfe müsste doch für relativ kleines Geld zu bekommen sein. Die Lexus GS300 sind zwar selten, aber wenn einer auftaucht, dann meistens unverbastelt. Was man vom BMW 7er E38 nicht häufig sagen kann. Zu viele Idioten, zu viele billige Tuningteile. Die Mercedes-Benz S-Klasse W140 zieht da weniger fragwürdige Möchtegern-Tuner an. Aber wehe, es geht etwas kaputt. Ein defekter Kabelbaum im Motorraum, ein spinnendes Steuergerät oder eine defekte Automatik bedeuten den wirtschaftlichen Totalschaden für Fahrzeug und Bankkonto. Egal welche große Limousine man sich anschafft. Aber die Souveränität beim Cruisen, der herrliche Komfort, die edlen Materialien, die anspruchsvollen technischen Lösungen… Eine Überlegung ist so ein Schlachtschiff durchaus wert.

  • Oder doch lieber robuster Einfach-Technik vertrauen? Etwa in einem Schlachtschiff ganz anderer Couleur?

amis

Auch mit viel Hubraum, vielen Zylindern, viel Komfort und viel Blech gesegnet, und doch ganz anders. So ein alter Ami aus den 1980ern wäre schon kultig. Wer mit Knight Rider und dem A-Team aufgewachsen ist, wird mich verstehen. Vielleicht wird es ein typischer US-Volkswagen, der Chevrolet Caprice Classic? Gemütlich, kultig, zuverlässig und hoffentlich unverbastelt. Oder der Buick Park Avenue. Der Traum gut situierter Pensionisten und das richtige Auto für den Country Club. Ein AMC Eagle 4WD, quasi der Subaru Leone aus den USA, sollte hierzulande auch aufzutreiben sein. Sooo selten war der nämlich gar nicht. Den lange gehegten Kindheitstraum wahr machen und im Pontiac Firebird in den Sonnenuntergang cruisen wie David Hasselhoff in seinen besten Jahren wäre aber auch nicht verkehrt…

  • Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Bohre den Brunnen, ehe du Durst hast.“. Also lieber zugreifen, solange es sie noch gibt?

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Die Rede ist von Mitsubishi Pajero V20 Classic (2002 – 2004), Mitsubishi L200 K60T (1996 – 2005) und Mitsubishi Pajero Sport K90 (1998 – 2006). Noch gibt es gute Restexemplare unter 150.000km in halbwegs gepflegtem Zustand mit halbwegs wenig Rost. In einigen Jahren sieht das mit Sicherheit schon ganz anders aus. Dann werden sie alle zusammen geritten und weggerostet sein. Weil sie sind zwar noch nicht alt, aber leider so furchtbar praktisch für Bauern, Holzschlägerer, Erdbewegungsfirmen und Viehhändler. Und die pflegen zwar ihre Sonntagsautos, aber der Arbeitswagen bekommt nur auf den Deckel. Und wer pflegt schon sein Werkzeug so wie seine goldene Taschenuhr? So ein gepflegter, seriöser L200 kann auch als Familienauto glänzen, wenn kein Minibagger am Haken hängt. Und was gibt es für Kinder schöneres, als mit einem klassischen Pajero aufzuwachsen, egal ob Classic oder Sport? Und dann gibt´s da ja auch noch den HDPIC Galloper II (1998 – 2002), der gerade dabei ist, auszusterben. Ob ich dagegen was unternehmen sollte…?

  • Oder einmal was riskieren, aus der eigenen Komfortzone ausbrechen und ein Auto holen, das älter ist als alle vorher?

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Das wäre dann der erste richtige Oldtimer in meinem Youngtimer-Fuhrpark. So ein Toyota Corolla KE25 etwa wäre was schönes. Nicht so übertrieben selten, mit brauchbarer Ersatzteilsituation und einfacher wie zuverlässiger Technik. Oder ein Citroen 2CV, weil sie einfach cool ist mit ihrem Zweizylinder-Geschnatter und den Fahrwerk, das selbst bei Kapitänen für Übelkeit sorgt. Als Dyane sogar noch bezahlbar. Oder ein alter Opel Rekord D, weil er einer der letzten wirklich formschönen Opel war und ist. Und der Tempo Matador muss als Beispiel herhalten für all die unbekannten und ungebliebten Oldies, die fernab des Mainstreams um die Herzen der Underdog-Liebhaber rittern. Das einzige Problem bei dem Plan: Fürs Selberschrauben am Oldtimer bin ich zu wenig Mechaniker und find einmal eine Werkstatt, die sowas gut und bezahlbar macht. Keine Restauration, sondern einfach nur die regelmäßigen Wartungs- und Reparaturarbeiten.

  • Und dann gibt´s da ja noch das eine Modell, dass schon seit Jahren auf der Wunschliste steht. Könnte es dieses Mal was werden mit uns beiden?

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Volvo 960/S90, die allerletzte Ausbaustufe der heckgetriebenen Trutzburgen aus Schweden. Mit Reihensechser mit 2,5 oder 3 Liter Hubraum, überarbeitet von Porsche. Mit den bequemsten und sichersten Sitzen der Automobilgeschichte. Formvollendet kantig, entspannend souverän.

Der Kopf brummt, die Gedanken kreisen, der Frühling sorgt für Kauflaune. Bleibt dran, das Gustieren geht vom momentanen Frühstadium bald in die nächste Runde über.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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