Wir Petrolheads & die Realität

So ein Tag, verbracht mit ganz „normalen“ Neuwagen-Fahrern und Leasing-PKW-Besitzern, kann verdammt lehrreich sein. Vor allem dann, wenn man als Petrolhead durch die Lande geht, solange man denken kann. Und alles, was in der eigenen Welt so ganz selbstverständlich ist, plötzlich als „Freakshow“ gilt.

Etwa, wenn plötzlich drei automobilistisch völlig unbedarfte Auto-Normalos im 26 Jahre alten Youngtimer namens Pajero V6 mitfahren und sich fragen, wie es sein kann, dass ein sooo altes Auto überhaupt noch fahren darf. Ob es denn noch ein Pickerl bekommen würde mit dem Alter. Und nachdem die größte Sorge „Hat der eigentlich einen Kat?“ aus der Welt geräumt war, ließ ich sie erzählen…

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Für sehr viele eine ganz und gar fremde Welt

Der Anfang vom Ende meines Weltbildes und gleichzeitig der Anfang vom Einblick in die automobile Realität fernab des Petrolhead-tums. Und ich sag es euch, liebe Freunde, das war interessant!

Der Auto-Normalo etwa ist sehr leicht beeinflussbar. Etwa wundert es mich jetzt nicht mehr, dass das häufig höchst stupide Marketinggeplapper der Händler/Importeure/Hersteller auf fruchtbaren Boden fällt. Der Auto-Normalo weiß es schlicht nicht besser, muss sich an solche „Infos“ halten. Weil er ja keine andere Möglichkeit hat, Informationen zu bekommen, hinter denen keine Geschäftsabsicht steht. Klar gibt es ein paar wenige Zeitschriften und Internet-Magazine, die relativ objektiv an das Thema Auto herangehen. Doch ein Auto-Normalo liest sowas ja nicht. Oder lest ihr Fachzeitschriften für Tiefkühlgeräte?

Der Auto-Normalo achtet bei Autos auf so gut wie gar nichts. Ein V6-Schild im Kühlergrill? Nimmt niemand wahr und keiner weiß, was das zu bedeuten hat. Ein Geländewagen hat Allrad? „Aha, das hätte ich nicht gedacht“. Wir Petrolheads glauben oft, unsere Autos würden von anderen Verkehrsteilnehmern auf die von uns gewünschte Art und Weise wahrgenommen werden. Die Realität sieht aber anders aus, befürchte ich. Ein M-Optikpaket oder das S-Line-Badge am Kühler sieht kein Mensch und doch ist es allen egal. Spielereien mit Modellbezeichnungen (200D auf 300E) sind komplett Blunze, weil es außerhalb von Markentreffen schlicht niemanden interessiert.

Der Auto-Normalo ist extrem zimperlich. Ein gelegentliches Knacken von der Vorderachse beim Überfahren von Unebenheiten. Oh Gott, ist das überhaupt noch sicher, mit dem Wagen zu fahren? Ein Steinschlag in der Windschutzscheibe. Uiuiui, kann die Scheibe uns allen um die Ohren fliegen? Die Lenkung hat ein paar Finger Spiel. Um Himmels Willen, kann man damit überhaupt noch um die nächste Kurve fahren? Daher klammern sich auch so viele Normalos an den unter Wissenden sehr umstrittenen Ankaufstest. Weil sie nicht abschätzen können, welches Geräusch oder welche Eigenart harmlos ist und wann Handlungsbedarf besteht.

So sehr ich mein Umfeld schätze, in dem ohne lange Erklärungen über Leiterrahmen und Ausgleichswellen diskutiert werden kann, so interessant und spannend ist es doch, manchmal einen Einblick in eine andere Welt zu bekommen. Danke dafür!

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Wir Petrolheads & die Realität

  1. larsdithmarschen schreibt:

    Sowas kenne ich! Mein Alltagsauto wird mit zwölf Jahren schon als „alt“ angesehen. Mir ist er meist noch zu neu. Ich musste auch mal ziemlich lange in meinem Umkreis erklären, dass ein Auto auch länger als 8 Jahre halten kann (auch, wenn es „schon“ 100 000 Kilometer auf der Uhr hat) und ein Auto nicht verkauft werden muss, weil die Reparaturen „bald anfangen“.

    Marketingfirmen machen anscheinend einen guten Job ;).

  2. typ3typ schreibt:

    Auch hier gabs das. Mein SchwiVa weigerte sich standhaft, im 67er Typ3 mitzufahren und wollte mir am Anfang sogar das mitnehmen meines Sohnes in diesem Altauto ausreden. Nicht auszudenken, was bei einem Unfall passieren würde. Aber selbst nie angeschnallt in seinem Sternenkreuzer unterwegs. Weil, der ist ja sicher mit ABS, ESP, Airbags, Bremsassi und so Zeugs…

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