Fährt ein weißes Schiff nach HongKong…

… hab ich Sehnsucht nach der Ferne…

Und manchmal, da hab ich Sehnsucht nach Veränderung. Immer nur Pajeros oder L200 Pick-Ups, immer nur Camrys und Subarus. Das wird selbst mir manchmal langweilig. Tief hinten im autoverseuchten Hirn schlummert ja noch eine geheime Vorliebe meinerseits, die ich in der Öffentlichkeit nur sehr selten erwähne. Jene für Straßenkreuzer Made in Europe, jene für mittelalte Saugdiesel-Benze.

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Genau so ein weißes Schlachtschiff steht zur Zeit in Eisenerz zum Verkauf und schon allein wegen des extrem niedrigen, fünfstelligen Kilometerstands musste ich ihn mir anschauen. Der Mercedes-Benz E220 Diesel mit 95 Saugdiesel-Rössern ist zwar weder für seine überragende Spritzigkeit noch für seine bullige Durchzugskraft bekannt, aber als entschleunigter Cruiser für gemütliche Sonntagsausflüge auf der rechten Spur genau richtig. Besagtes Exemplar der Ausstattungslinie „Elegance“ stammt aus erster Pensionistenhand, hatte noch nie ein Radio verbaut und bisher knapp 3000km pro Jahr zurückgelegt. Wer da nicht Lust bekommt, das gute Stück bei schönem Wetter auszuführen und weiterhin so zu pflegen wie Opi das bisher gemacht hat, dem ist nicht zu helfen. Also nichts wie hin. Und wenn alles passt, wird er gleich mitgenommen.

Aber dann in weiter Ferne…

… hab ich Sehnsucht nach zu Haus! Kein Wunder, bei der Kiste. Auf den Fotos sieht er toll aus, aber so bald man davor steht, wird´s richtig gruselig. Auf allen vier Türen und den Kotflügeln versucht Hammerschlag-Lack bis zur Zierleiste, den vorhandenen Rost halbwegs zu überdecken. Was nicht gelingt. Rostrote Spuren auf weißem Lack sind besonders unschön. Die Radläufe hinten sind natürlich auch schon knusprig, rund um die Scheinwerfer schaut´s nicht anders aus. Die 60.000 Kilometer dürften ausschließlich auf salznassen Straßen zustande gekommen sein, unterbrochen von wochenlangem Stillstand in einer feuchten Garage ohne jeglichen Luftzug. Anders kann ich mir das nicht erklären! Selbst die Scheibenrahmen an den Türen sind heftig rostig und mit dem Pinsel gestrichen.

Bei einer solchen Ausgangssituation ist mein Interesse natürlich sofort verflogen. Die sonst obligatorische Probefahrt oder eine genauere Inspektion meinerseits habe ich abgeblasen und schnellstmöglich den Heimweg angetreten. Angesichts eines solchen Zustands kommt keinerlei Lust auf, sich in fernen Benz-Gefilden aufzuhalten.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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