Disneyland Rest-Österreich

Die Ankündigung, den Großraum Wien ganz bewusst in Richtung Heimat, sprich Steiermark, verlassen zu wollen, führt bei Wienern und den in Wien lebenden „Rest-Österreichern“ 😉 zu den unterschiedlichsten Reaktionen. Je nach Stimmung und Alkoholpegel von „Schön ist´s ja schon in der Steiermark.“ bis hin zu „Na aber ein Schönbrunn gibts dort ja nicht…“. Den süffisanten Unterton bei Zitat Nummer Zwo müsst ihr euch halt einfach denken.

Dazu drei zusammengewürfelte Überlegungen zum Thema Wien und seine Bewohner.

These 1: Wien schottet seine Bewohner vom Leben ab. Wenn ich mich tagein, tagaus in U-Bahn-Tunneln und Straßenschluchten aufhalte, wenn ich überall nur fremde und grantige Menschen sehe, wenn ich überall und jederzeit alles bekommen kann, geht der Bezug zum „echten“ Leben verloren. Zu den Jahreszeiten, zu den zwischenmenschlichen Beziehungen außerhalb der eigenen Familie und des Freundeskreises, zum selbstbestimmten Leben. Manchmal fällt´s aber selbst den Wienern auf. Dann fahren sie ins heimische Disneyland, auch Rest-Österreich genannt, und genießen dort „die Natur“ beim geschäftstüchtigen Klischee-Bauern auf der Alm. Finden Gefallen an tagelangem Schneefall oder hüpfen als Teilnehmer fragwürdiger Esoterik-Seminare selig lächelnd im Wald herum und suchen mit ihrem Guru die Erleuchtung. Um nach einigen Tagen wieder heim zu stauen. Bis zum nächsten Besuch im Vergnügungspark Rest-Österreich.

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These 2: Wer von Niederösterreich umgeben ist, kann kein gutes Bild vom Landleben haben. Viele Wiener kommen aus dem Wald- und Weinviertel. Von dort, wo ganze Dörfer rund um die wenigen übriggebliebenen Bewohner verfallen. Von dort, wo es keine Landschaft außer Ebene gibt. Wo keine Arbeit, keine Perspektive und keine Hoffnung die Leute in der Region hält. Und so zieht es sie in Scharen in den Großraum Wien. Dann leben sie in der Hauptstadt und sind der Meinung, „Leben am Land“ sei schrecklich, weil gleichzusetzen mit „Leben in einem kleinen Kaff im Weinviertel“. Kein Wunder, sie kennen es ja nicht anders. Weil sie es einfach nie anders kennengelernt haben. Soweit kommt es aber erst gar nicht, weil die eigene, vorgefasste Meinung über „das Leben am Land“ ja nur aus den eigenen Erfahrungen im trostlosen Weinviertler Straßendorf besteht.

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These 3: So super kann´s vielleicht doch nicht sein. Echte Wiener und Wahl-Wiener werden niemals müde zu betonen, wie toll und super es in Wien denn nicht wäre. Sooo super zum Leben, sooo lässig in der Freizeit, sooo klass beim Weggehen. Interessant dabei ist aber zu beobachten, welche Menschen- und damit Automassen sich jeden Freitag Nachmittag/Samstag Vormittag aus Wien raus wälzen. Und Sonntag Abend staut der „begeisterte Wiener“ wieder retour. Wenn´s doch eh so super ist, warum hauen dann viele Hunderttausende Wiener jedes Wochenende in alle möglichen Teile Österreichs ab? Weil es so ein Spaß ist, sich Sonntag Abends auf der Südautobahn ab Leobersdorf wie im Berufsverkehr am Gürtel zu fühlen?

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Wenn sich in Zukunft wieder einmal ein Wiener lustig macht über euren steirischen/burgenländischen oder kärntnerischen Dialekt, denkt immer daran: Eigentlich sind sie nur neidisch! 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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