Legendewagen? G´schichtldrücker!

Um den Mercedes/Puch G ranken sich zahlreiche Geschichten. Eine davon dreht sich um den weißen 280 GE, mit dem Jacky Ickx 1983 die Paris-Dakar gewonnen hat. Der ist zwar nicht mehr im Original erhalten, aber scheinbar so beliebt, dass ihn Jörg Sand, ein Journalist, PR-Berater und Autor vieler KFZ-Fachbücher, mit bestechender Präzision und entsprechender Hilfe Daimlers nachgebaut hat.

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Foto: Jan Gleitsmann, auto-geil.de

Und Sand wäre nicht ein sehr talentierter PR-Mensch, wenn die Kiste seit der Fertigstellung nicht durch sämtliche Fachmagazine geistern würde. Weil der Wagen ja angeblich in der Geschichte der Rallye Paris-Dakar eine Sonderstellung einnimmt.

Dazu lesen wir in der aktuellen Ausgabe des Magazins „4x4classic“ folgendes:

Er ist das letzte Serienfahrzeug, das das äußerst strapaziöse Rennen je gewonnen hat. Bis auf ganz wenige Änderungen wie spezielle Wettbewerbs-Stoßdämpfer und Michelin-Sandreifen entspricht alles der Standard-Mercedes-Produktion.

Also nur die Stoßdämpfer getauscht? Weiters erfahren wir:

Nur der M110-Motor mit S-Klasse-Kolben und modifizierter Nockenwelle stammt nicht aus Zuffenhausen, sondern von AMG aus Affalterbach.

Ein deutlich leistungsgesteigerter Motor also. Nicht ganz wie im Serienfahrzeug.

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Foto: Jan Gleitsmann, auto-geil.de

Wir lesen weiter…

Die meisten Änderungen erfuhr die Karosserie. Motorhaube, Kotflügel und Türen waren aus Gewichtsgründen aus leichtem GFK, der Rest aus Aluminium gefertigt. Da der Wagen zwar mit Unterstützung von Mercedes in Stuttgart gebaut wurde, es aber kein Budget dafür gab, deklarierte man die Tests im Windkanal kurzerhand als Tests für das W124 Coupe. Das Ergebnis ist die Verlängerung im Heckbereich

Also hat auch die Karosserie bis auf die Optik nicht mehr viel mit einem Serienfahrzeug zu tun. Und auch im Inneren ist alles anders:

Selbstverständlich flog im Innenraum alles raus, was nicht gebraucht wurde. Verkleidungen, Heizung und viele andere Dinge sind in einem Rennen unnötig und so kam der Wagen am Ende auf ein Gewicht von 1725 Kilo. Er war damit in etwa 500 Kilo leichter als ein Exemplar aus dem Verkaufsraum beim Händler.

So, und jetzt Klartext: Der Motor stark modifiziert, die Karosserie aus GFK und Aluminium, die ganze Kiste 500 Kilo (!) leichter als vom Band. So sieht das letzte Serienfahrzeug aus, dass die Paris-Dakar gewonnen hat?

Zwei Jahre später, Paris-Dakar 1985. Doppelsieg für den Mitsubishi Pajero mit Patrick Zaniroli (F) und Andrew Cowan (GB).

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Foto: http://silodrome.com/ Gasoline Culture

Auch bei den 85er Sieger-Pajeros war der Motor leistungsgesteigert, die Karosserie leicht verlängert (weniger als beim G) und der Innenraum leergeräumt. Aber die Basis entspricht genauso mehr oder weniger dem Serienmodell wie jene des 280 GE zwei Jahre zuvor.

Das letzte Serienfahrzeug, das die Paris-Dakar gewann, war ganz sicher nicht der Mercedes-Benz 280GE mit Jacky Ickx. Da kann Herr Sand noch so talentiert die PR-Trommel rühren.

Schade ist nur, dass sogenannte „Fachjournalisten“ alles zu glauben scheinen, was man ihnen erzählt.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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