Die Nachhilfestunde

Seit diesem Artikel hier herrscht in meinem Mail-Postfach und im Freundes- und Bekanntenkreis streckenweise relative Ratlosigkeit. Die liest sich dann so:

Der Hyundai sieht ja fast aus wie dein alter Pajero.

oder

Von einem Galoppa (sic!) hab ich ja noch nie was gehört.

Dafür gibt´s diese Nachhilfestunde, um die Bildungslücke zumindest bei meinen geschätzten Lesern mit Wissen zu füllen.

HDPIC Galloper II. Was ist das, wo kommt das her? 

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Ende 1990 war bei Mitsubishi Schluss mit der Produktion des Pajero L040. Die zweite Generation schickte sich an, zu übernehmen. Größer, schwerer, luxuriöser, moderner. Doch der Ur-Entwurf, der seit 1982 für Furore sorgte, war noch lange nicht veraltet. Die gesamten Produktionsanlagen gingen an den Hyundai-Konzern, wo 1991 die Lizenzproduktion des Galloper hochgefahren wurde.

Wobei die bei uns bekannte „Hyundai Motor Company“ nicht der Hersteller des Galloper war. Die Brüder Galloper und Santamo (Lizenzbau Mitsubishi Space Wagon) wurden, wie auch der Lotus/KIA Elan, von der „HDPIC Hyundai Precision & Industries Corporation Limited“ montiert. Ein Tochterunternehmen der Hyundai Group, das auch Werkzeugmaschinen und Hochgeschwindigkeitszüge herstellt. Aber eben nicht die „Hyundai Motor Company“, die so seelenlose Wegwerf-Dinger wie den i10 oder den ix35 auswirft.

Bis 1995 war der Galloper nicht nur technisch, sondern auch optisch fast ident mit dem Pajero L040, dann gab´s das erste größere Facelift.

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Eckige statt runde Scheinwerfer, weiße Blinker, andere Felgen, modernere Außenspiegel und ein stark überarbeiteter Innenraum. Technisch gab´s jetzt auch den V6-Benziner und den 2.5 TD mit Intercooler. Der bei Hyundai zwar D4BH heißt, mit dem 4D56 von Mitsubishi aber baugleich ist.

Obwohl der Galloper neben dem Heimatmarkt Südkorea nur in Südamerika verkauft wurde, waren die Verkaufszahlen so zufriedenstellend, dass 1998 in ein ganz großes Facelift investiert wurde. Der Galloper II war geboren und wurde ab sofort auch in Europa angeboten:

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Die Technik blieb gleich, die Optik aber machte einen großen Schritt in die späten 90er. Eine komplett neue Front mit leicht aggressivem G´schau, schwülstige Plastikverbreiterungen rundum, ein neuer Innenraum, andere Heckleuchten und viele andere kleine Details sorgen für einen moderneren Look. Bis zum Auslaufen des Lizenzvertrags mit Ende 2001 gabs jährlich kleine Änderungen, so dass ein Experte jedes Baujahr sofort erkennen kann.

Als besonderes Zuckerl wurden genau 100 Stück des „Galloper Innovation“ nach Österreich importiert. Ein Dreitürer mit mächtigem Bodykit, das an den „Pajero EVO“ erinnern sollte.

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Damit bist du der King auf jedem Youngtimertreffen! Wenn du noch einen findest!

Der große Verkaufserfolg des ausgesprochen günstigen Galloper II (19.000€ der Dreitürer, 21.000€ der Fünftürer), der hierzulande im Jahr 2000 genauso viel kostete wie der Pajero L040 anno 1990, hat aber selbst Hyundai überrascht. So kam´s beim Galloper zu relativ langen Lieferzeiten, der Pajero L040 erlebte seinen zweiten Frühling.

Heute gehört der HDPIC Galloper II (Jetzt wisst ihr schon, warum der so heißt! 😉 ) zu den akut vom Aussterben bedrohten Arten. Ob das am spürbaren Kostendruck, am nicht vorhandenen Rostschutz oder an der großen Beliebtheit bei Export-Aufkäufern liegt, sei dahingestellt.

Als Teil der Geschichte des Pajero L040 hat er es aber verdient, erhalten und in die Sammlung aufgenommen zu werden. Hat jemand ein Winterauto für mich? 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Die Nachhilfestunde

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