„Versteh doch endlich – Es interessiert niemanden!“

Harte Worte eines Youngtimer-Sammlers, der für seine Direktheit bekannt und von mir auch sonst sehr geschätzt wird. Aber wie kam es eigentlich dazu?

Die Vorgeschichte:

Vor einigen Monaten erschien in einer großen Oldtimerzeitschrift ein Editorial, in dem die Bandbreite der Altauto-Szene vom Lamborghini Miura über den Volvo Amazon bis zum Audi 50 gepriesen wurde. Worauf hin ich mir dann erlaubt habe, dem Chefredakteur folgende Mail zu schreiben:

Diese Vielfalt, von der ihr da schreibt, die gibt´s in Wahrheit gar nicht! Weder in der Oldtimer-Szene noch in eurer Zeitschrift.

Und wisst ihr auch warum?

Weil ihr (Redaktion + Leser) beim Thema Vielfalt an europäische Autos mit ein wenig US-Straßenkreuzer-Würze denkt. Das Problem dabei ist aber, dass das keine wirkliche Vielfalt ist. Sondern im Endeffekt wieder nur der Scheuklappen-Blick.

Habt ihr Angst, dass bei größerer Japan-Oldie-Dichte im Heft die klassische Szene rebelliert und das Heft nicht mehr kauft?

Ich habe ehrlich gesagt gar nicht mit einer Antwort gerechnet. In der Fülle der Leser-Mails, die tagtäglich eingehen, wird ein lästiger Kritiker wohl schnell übersehen. Dem war aber nicht so und es folgte eine Antwort:

In unserer Leser-Umfrage, (…), landen japanische Fahrzeuge regelmäßig auf den hintersten Plätzen. Gefragt wird dabei nach den Vorlieben der Leser ALLER Oldtimerzeitschriften im deutschsprachigen Raum.

Als Publikumszeitschrift sind wir natürlich auch ein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaften muss und will. Japanische Fahrzeuge haben sich in den seltenen Fällen einer Titelstory leider als Quotengift erwiesen, was dem Verlag natürlich nicht egal sein kann.

Oldtimerfahrer erfüllen sich oft den Traum, ein Auto zu fahren, das sie sich neu niemals leisten konnten. So erklärt sich die Faszination einer 30 Jahre alten Mercedes S-Klasse oder eines Jaguar XJ6. Beides ehemalige Luxusfahrzeuge, die es heute für wenig Geld gibt. Wieso sollte man sich ein japanisches Luxusfahrzeug kaufen, das zwar nochmals etwas günstiger zu haben ist, aber bei weitem nicht die Exklusivität des europäischen Pendants ausstrahlt?

Das nenn ich doch einmal eine ehrliche und klare Antwort. Und dafür habe ich mich auch ausdrücklich bedankt. Auch wenn es natürlich nicht das ist, was ich hören wollte.

Seit Jahren versucht eine kleine Gruppe von engagierten Japan-Oldie-Enthusiasten, die verkrusteten Strukturen der Altauto-Szene im deutschsprachigen Raum aufzubrechen. Mittlerweile glaube ich aber nicht mehr, dass das gelingen kann. Denn dafür fehlt einfach die Sympathie und das Verständnis der Mehrheit.

Und so hat mein Freund aus der Szene, mit dem ich über dieses Thema schon mehrmals leidenschaftlich diskutiert habe, wohl wieder einmal recht behalten. Schade eigentlich. 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu „Versteh doch endlich – Es interessiert niemanden!“

  1. Dennis schreibt:

    Und genau deswegen Interessieren mich auch die Oldtimer-Zeitschriften NUR dann, wenn ein Japaner drin ist wie jetzt im Februar 2017 in der Oldtimer-Praxis der Toyota Starlet Kombi P6 meines Bekannten. Wir haben selbst 5 Toyota, darunter auch zwei Starlet P6, ein HiAce Wohnmobil RH11 und einen „wertlosen uninteressanten“ Lexus LS400 von 1995. Alles zuverlässige Klassefahrzeuge die nie Wertvoll an Geld aber Wertvoll an Erinnerungen und gefahrenen km sein werden.

  2. Thomas Reuter schreibt:

    Dass die am wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteten Print-Medien sich bei ihren Veröffentlichungen an den Interessen der Leserschaft orientieren ist nicht weiter verwunderlich. Wie zu Recht festgestellt wird ist die Offenheit und Ehrlichkeit der Antwort des Motor-Pressevertreters bemerkenswert. Zu fordern, dass die eigenen Bemühungen, „die verkrusteten Strukturen der Altauto-Szene im deutschsprachigen Raum aufzubrechen“ in den Medien entsprechend gewürdigt werden halte ich für müßig, wenn das entsprechende Interesse an japan. Automobilkultur (noch!) nicht verbreitet genug ist.
    Zielführender ist da sicherlich, die eigenen Fahrzeuge bei entsprechenden Anlässen (Messen, Ausfahrten etc.) ansprechend zu präsentieren (was Sie, Lukas, ja nicht zuletzt auch durch diesen Blog machen). Interesse und Begeisterung werden mit der Zeit sicherlich zunehmen, und das auch bei potentiellen Käufern von Old-/Youngtimer-Zeitschriften. Also bitte nicht verzagen, sondern weiter so wie an dieser Stelle!

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