Selbsterkenntnis am Wörthersee

An diesem Samstag morgen macht der Blick aus dem Fenster alles klar: Traumhaftes Winterwetter. Strahlender Sonnenschein, kein Wölkchen am Himmel, -14°C. Das ideale Wetter, um einen Ausflug zu machen. Am Wörthersee war ich schon lange nimmer. Also rein ins Auto, ab nach Kärnten!

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Aber bevor mich Nordslowenien willkommen heißen darf, müssen noch knapp 200 Kilometer Autobahn heruntergeradelt werden. Prinzipiell keine große Affäre. Außer… Ja außer du planst die Strecke mit einem alten Pajero Diesel zu absolvieren, auch wenn Galloper draufsteht. Kenner wissen: Die Kisten sind viel zu kurz übersetzt und nicht drehzahlfest, sprich Reisetempo 110 bei 3300 U/min sind das höchste der Gefühle. Was bei der üblichen Nutzung als Jagdwagen zwischen Bauernhof, Revier und Gasthaus kein Problem darstellt. Auf dem Weg zum Wörthersee aber schon…

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Dröööööööhhhhnnnnnnn…

Auf der A2 bei Mooskirchen hab ich meine Entscheidung das erste Mal bereut. Der große, leere Innenraum fungiert als perfekter Resonanzkörper für die Dröhngeräusche des Dieselmotors, der jenseits der 100 km/h lautstark und erfolgreich auf die viel zu kurze Übersetzung aufmerksam macht. Dazu kommen die vielfältigen und an einen Orkan erinnernden Windgeräusche. Kein Wunder, der Galloper hat den gleichen cW-Wert wie meine Gartenhütte. Dass die Rückbank bei Querfugen klappert und das Radio nur slowenische Sender empfängt, macht das Kraut dann auch nimmer fett. Endlich auf der Pack, noch gute 100 Kilometer, noch etwas mehr als eine Stunden Fahrt vor mir.

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„Keep right!“ Kein Problem für mich… 😉

Auf der linken Spur rauschen abertausende polnische und slowakische SUVs mit Schibox am Dach vorbei, mit Tacho 105 glaubst du, du stehst. Kein Wunder, dass Fernfahrer während der Fahrt am Laptop Filme schauen, sich die Zehennägel schneiden oder Frachtbriefe ausfüllen.

Aber dann, nach 2 1/2 Stunden Drööööhhnnn und Gäääähhnnn, der erste Blick aufs Wasser. Und die Fahrt hat sich doch gelohnt!

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Endlich!

Schön ist es da. Aber auch schön kalt. Die Außentemp.-Anzeige zeigt -12°C, die Sonne hat Jänner-typisch keinerlei Kraft. Die meisten Lokale sind im Wintermodus (sprich geschlossen) und nach einem 15-minütigen Spaziergang sind die Zehnen sowieso nicht mehr zu spüren. Also rein ins Auto, ab nach Hause. Mit etwas Wehmut im Gepäck, denn wir beide, der Galloper und ich, werden den Wörthersee wohl nicht mehr gemeinsam sehen.

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Schön isses da!

Ja warum das denn? Weil ich den Wagen einen Tag nach meinem Ausflug nach Velden inseriert und gleich darauf an den ersten Interessenten verkauft habe. Der Grund dafür ist noch einmal 11 Jahre älter und hat mich mit seinem 3 Liter Benziner unter der Haube so richtig verwöhnt. Nach über 2 Jahren mit meinem Pajero V6 bin ich für den Diesel verloren. Der Sechsender klingt viel besser, geht viel besser und macht einfach viel mehr Spaß. Auf der Autobahn mit dem Tempomat (!) auf Tacho 130 schwimmt es sich einfach entspannter mit als mit 105 und Dauerabo auf die rechte Spur.

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Good times!

Und so wurde dieser Ausflug für mich zum Selbsterfahrungs-Trip. Mit der Erkenntnis, dass hochrangige Straßen des 4D56 Feind sind und ich ein V6-verwöhnter Pinkel bin. So weit nichts Neues. Weitermachen!

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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