Herr Doktor, mit mir stimmt was nicht…

Herr Doktor, ich glaub, mit mir stimmt was nicht. Nein, körperlich geht´s mir ganz gut, danke der Nachfrage. Aber im Kopf, da happerts. In den letzten Wochen ertappe ich immer wieder ganz komische Gedanken dabei, wie sie sich in meinen Kopf schleichen und dort für Chaos sorgen.

Nein, Jesus befiehlt mir nicht, nackt einkaufen zu gehen. Es ist noch viel schlimmer! Ich spiele mit dem Gedanken, mir sowas zu holen:

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Ach, Ihr Architekt fährt auch eine Citroen DS5? So ein Zufall. Wo das Problem ist, wollen Sie wissen? Fragen Sie mich das im Ernst? Die DS5 vereint alle negativen Eigenschaften moderner Autos:

Punkt 1: Parkpiepserln vorne und hinten samt Rückfahrkamera sind Serie, weil man aus diesem Ding überhaupt nicht hinaus sieht. Kein Wunder, die Seiten- und vor allem die zweigeteilte Heckscheibe sind so groß wie die eines Schützenpanzers. Die doppelte A-Säule, primär ein Design-Gag, verdeckt beim Abbiegen ganze Schulklassen. Das Adjektiv „unübersichtlich“ ist noch ein Kompliment. Und trotz der üppigen Außenmaße gibt´s auf der Rückbank und im Kofferraum (330 Liter) nicht mehr Platz als in einem Kleinwagen.

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Punkt 2: Das Ding ist zum allem Übel auch noch furchtbar komplex. Die einzig wirklich interessante Version „DS5 Hybrid4 EGS6 Airdream Sport Chic“ hat genauso viel anfälliges Hightech unter der Haube wie kryptische Marketing-Kunstwörter im Namen. Ein hochgezüchteter HDI-Diesel treibt die Vorderachse, ein Elektromotor die Hinterachse an. Dadurch ergibt sich eine Art von Allradantrieb, zumindest kurzzeitig und auf Knopfdruck. Gekoppelt ist der Diesel mit einem elektronisch gesteuerten Sechsgang-Schaltgetriebe, das die Gänge aber automatisch wechselt. Auch eine „Segelfunktion“, bei der das Getriebe auskuppelt und den Schwung nutzt, um den Akku zu laden, ein Head-Up-Display, eine elektronische Parkbremse und die Möglichkeit, rein elektrisch zu fahren, sind an Bord. In Kombination mit der legendären Zuverlässigkeit französischer Elektronik wird aus der Kiste eine Hightech-Zeitbombe. Wenn da der Kupferwurm zuschlägt…

Wieviel kostet mich eigentlich die Stunde bei Ihnen? Oh, dann beeil ich mich… Also, wo bin ich stehen geblieben? Ah ja genau, die negativen Seiten moderner Autos.

Punkt 3: Die Dinger gehen als Hybrid4 bei knapp 20.000€ los. Eigentlich ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, neu kostet das Ding knapp 55.000€.

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Das Problem: Die DS5 ist ein Auto, bei dem Sie spätestens beim Verkauf nach einen Jahr, also wenn sie wieder fad wird, die Inschrift „Auf ewig Dein!“ am Unterboden entdecken. Von Privat eine DS5 zu verkaufen ist ähnlich wahrscheinlich wie die problemlose Nanga Parbat-Besteigung nach dreitägigem Training am Döblinger Hermannskogel.

Man merkt, dass Sie von Autos nicht viel Ahnung haben, Herr Doktor, nichts für ungut. Worauf ich hinaus will ist – Wenn Sie sich so ein Ding um 20.000€ kaufen, sehen Sie nach einem oder zwei Jahren maximal die Hälfte wieder, eher weniger. Und dann auch nur, wenn Sie ihn beim Händler eintauschen. Denn Privat kauft das niemand. Sprich man verbrennt in einem Jahr etwa 12.000€ allein an Wertverlust.

Wie bitte? Warum ich dann nicht einfach darauf warte, bis er noch günstiger wird? Mit vier Jahren auf dem Buckel und zwölf Monaten Gebrauchtwagen-Garantie  ist so ein französischer Hightech-Bomber noch halbwegs kaufbar, mit sechs oder acht Jahren und Pflicht-Gewährleistung schon nimmer. Außer man ist Großverdiener und schließt gerne Freundschaften mit Pannenhelfern.

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Das Ding ist nicht klassisch schön, nicht besonders praktisch, nicht übertrieben gut gemacht, wahrscheinlich keine Ausgeburt an Zuverlässigkeit und finanziell ein Desaster. Warum nur, warum will ich so eine DS5 dann trotzdem haben? Sagen Sie es mir, Sie sind der Psychiater! Was stimmt nicht mit mir?

„Es ist ganz einfach, Herr Wieringer. Der DS5 ist ein rollender Stinkefinger, gerichtet an den VW/Audi/Seat/Skoda-Einheitsbrei auf heimischen Straßen.“

Danke Herr Doktor, keine weiteren Fragen.

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Herr Doktor, mit mir stimmt was nicht…

  1. Rainer schreibt:

    Hahahahaha, jaaaa, Citroen war immer schon „irgendwie ganz anders“ das war immer so und ist hoffentlich auch immer so! Schaut in die Vergangenheit. Eine Göttin DS DAS war was und da hat sich auch keiner gefragt wie einfach die zu reparieren sind. Kurvenlicht in den 60er Jahren, der Absolute Hammer war aber die Hydro-pneumatische Federung, bis heute schwärmen alle davon die mal damit gefahren sind….

    Unvernunft kann so schön sein… 🙂

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