Also doch eine Preisblase?

Wir alle wissen: Bei gängigen Mainstream-Oldtimern gelten Preisnotierungen als Anhaltspunkt zur Wertermittlung, vergleichbar mit der Eurotax-Liste bei jungen Gebrauchten. Auf diesen Preisen, basierend auf Marktbeobachtungen, fußt dann der Marktwert. Soweit die Theorie.

Und doch gibt´s immer wieder Ausreißer nach oben, die die Szene ratlos zurück lassen.

Als Beispiel muss ein Mercedes-Benz 230TE aus dem Jahr 1981 herhalten. Classic Analytics führt das Modell in gepflegtem Zustand zwischen 9.400€ und 12.600€. Verkauft wurde genau so ein Exemplar vor einigen Monaten von All Time Stars, der Youngtimer-Verkaufsabteilung des Mercedes-Benz-Museums, um 52.900€. Zwar mit nur etwas mehr als 40.000 Kilometern auf der Uhr und in wirklich tollem Zustand, aber 52.900€?!?!?

alltimestars

Wer hat wohl dieses Auto gekauft? War das auch einer dieser „Garagengold-Investoren“, der sich dachte, mit einem „Klassiker in Topzustand“ könne man als Wertanlage nichts falsch machen, die Wertsteigerung stehe quasi schon vor der Tür? Ich zerstöre diese Erwartungen nur ungern, aber so alt werden wir alle nicht mehr, bis der 230TE auch nur annähernd 52.900€ wert ist.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Wie wäre es mit diesem 86er 300E W124:

alltimestars2

Mit knapp über 100.000km auf der Uhr bietet er laut Beschreibung „noch Potenzial für Restaurierungsarbeiten“. Preis? 19.950€. Als Anhaltspunkt die Preisnotierung bei Classic Analytics: 8.000€ in gepflegtem Zustand.

Klar, in Krisenzeiten wendet man sich alternativen Formen der Geldanlage zu. Seien es Immobilien, Gold, Grundstücke oder eben alte Autos. Die knapp 20.000€ für einen mittelprächtigen W124er oder über 50.000€ für einen wirklich tollen S123 sind aber nicht besonders gut angelegt.

Gibt es entgegen aller gegenteiliger Beteuerungen vielleicht doch eine Preisblase am Old- und Youngtimer-Markt, die bald platzen könnte? Oder rechtfertigen Zustand oder Herkunft wirklich so extreme Ausreißer nach oben?

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Also doch eine Preisblase?

  1. KS schreibt:

    Hi Lukas,

    für manche sind 50k nicht zu viel für was Schönes in der Garage, gerade wenn noch Emotionen dran hängen. Bevor man sich dann ein Restaurationsobjekt hinstellt…. Für die anderen gilt, dass jeden Tag ein Dummer aufsteht.

    Außerdem ist das doch entgegen aller Taxportale ein vollkommen inhomogener Markt. Zeig mir 2 Klassiker, die objektiv vergleichbar wären. Rost vs km? Ausstattung vs Motorisierung? Und noch viel schlimmer: es ist ein absolut illiquider Markt mit enormen Transaktionskosten. Wenn mam verkaufen will, muss gerade ein noch Dümmerer aufgestanden sein.

    Manche Modelle erreichen natürlich nachhaltig exorbitante Preise, aber da fragt sich ob das an dem Fahrzeug liegt oder einfach daran, dass schon so hohe Preise gezahlt wurden. Dieser Promillebereich der Fahrzeuge wird dann von gewitzten Verkäufern zum Maßstab für den Massenmarkt gemacht. Spannend wäre mal, wieviele Klassiker-Investoren eine Rendite von >2% p.a. REALISIERT haben, wieviele mit Verlust raus sind und wer alles auf zum Wunschpreis unverkäuflichem Blech sitzt. NACH den Transaktionskosten und cost of ownership.

    Viele Grüße, KS

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