Herzen gewinnt man. Oder eben nicht!

Der Frühling steht vor der Tür, die umhätschelten Sommerautos erwachen wieder aus ihrem Winterschlaf und in der Japan-Oldie-Szene brodelts.

Ja warum denn das?

Wieder einmal geht´s um das alte Angebot-Nachfrage-Problem, kombiniert mit dem üblichen Preis-Drama. Also eigentlich eh wie immer.

In der letzten Zeit standen in der Szene einige alte Japaner zum Verkauf. Ein Mazda 323 Sedan aus den späten 80ern, ein Honda Civic Sedan/Ballade aus den frühen 80ern und ein Nissan Sentra. Auch aus eben jenem Jahrzehnt, auch sehr ähnlich in Form, Technik und (gutem) Erhaltungszustand. Und auch sehr ähnlich im Preis. Nämlich alle drei für kleine vierstellige Beträge zu haben.

Doch wie sollte es anders sein: Alle drei Kisten erwiesen sich als beinahe unverkäuflich. Sehr zum Frust der Anbieter, die nach einigen Monaten mit ihrer Enttäuschung nicht mehr hinterm Berg halten konnten:

(…) und die noch immer nicht anschaffungswillige japanoldiesfraktion – außer es bleibt im dreistelligen bereich – (…)

Oder auch:

Leider gibt es in Österreich eine zu kleine Gruppe für alte Japsen, habe meinen verschenkt weil ihn keiner wollte. Aber nach Rumänien.

Und so ging der Mazda quasi als fahrbarer Granitblock zum Parkplatz-freihalten und Einfahrt-verparken an einen leidgeprüften Grundstücksbesitzer. Der Honda Ballade nach Rumänien und der Nissan ist immer noch zu haben. Für einen dreistelligen Betrag, trotzdem nimmt ihn niemand. Der Ärger ist groß, es wird fleißig auf die heimische Japan-Szene geschimpft.

Mit Recht?

Ich denke, da machen es sich viele zu einfach. Nicht jedes Auto, das älter als 20 oder 30 Jahre wird, ist begehrenswert. Ein 80er-Jahre-Viertürer mit Frontantrieb, kleinem Reihenvierzylinder-Motor, schwarzen Plastikstoßstangen und volkstümlicher PS-Leistung entspricht einfach nicht dem Beuteschema von Autofreaks. Egal ob die Kiste aus Deutschland (z.B. VW Passat B2), Frankreich (Peugeot 309), den USA (Chevrolet Corsica) oder eben Japan kommt. So traurig das klingt, aber der Markt spricht da eine eindeutige Sprache. Es ist ja auch nicht jede Frau sexy, nur weil sie zwei Brüste hat.

Wie gewinnt man denn jetzt Herzen?

Neben höchst subjektiven persönlichen Erinnerungen sind es besondere Eigenschaften wie Heckantrieb oder Allrad, Chrom- oder Metallstoßstangen, abgefahrene Farbkombinationen, Motoren mit Sound (Boxer, 5/6/8-Zylinder) oder Umpf (Turbo) oder kultige Karosserieversionen (Coupe, Roadster), die ein Auto begehrenswert und damit zu einem guten Preis verkaufbar machen. Sprich ein Mazda MX-5 wird schnell weg sein, ein 323 Sedan nicht.

Worauf ich hinaus will ist folgendes: Nur weil ein Auto alt und aus Japan ist, heißt das noch lange nicht, dass es für Japan-Oldie-Jünger begehrenswert sein muss. Denn gerade alte Autos sind eine Herzensangelegenheit. Und Herzen gewinnt man nicht mit einem 1.3 Liter Vierzylinder. 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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5 Antworten zu Herzen gewinnt man. Oder eben nicht!

  1. Christian Locke schreibt:

    Und, was ist die Essenz ?! Die Kiste gleich in die Presse werfen … Richtig, wer einen Japan-Oldtimer fährt ist schmerzfrei und ein Überzeugungstäter … Null Image, teils Null Ersatzteilversorgung, teils Null Unterstützung durch den Hersteller, teils Null wert … fahre selbst einen der seltensten japanischen Klein-Sportwagen der frühen 70ger …
    Wir schmeißen die Kisten trotzdem nicht weg … 😉 Nicht alles im Leben ist rational …

    Christian Locke, Köln

  2. Michael Tieber schreibt:

    Doch gewinnt man! Auch mit einem 1300er Vierzylinder! Den hat mein Mazda 818 Sedan und auch der 818 Station Wagon, der so Gott will, irgendwann mal wieder auf der Strasse zurück ist. Aber auch mein 323 Van hat den kleinen 1300er im Bug und den Antrieb auf der einzig richtigen Achse. Aber mich kann man da nicht für voll nehmen, das sind Autos die sonst kaum wer will, aber gerade das macht sie so wertvoll für mich.

    Käfer, Bus und die anderen Mainstreamklassiker fahren alle anderen, die coolen Jungs und Mädels. Ich nicht, dafür fahr ich exklusives und dafür steht beim Oldietreffen garantiert kein zweiter vom selben Modell am Platz.

    ….und beiß jedes Mal ins Lenkrad wenn ich Ersatzteile benötige. 😉

    LG Micky
    http://www.alttagsklassiker.at

  3. Lukas schreibt:

    Wisst ihr, was lustig ist, Burschen?

    Dass genau ihr Zwei euch schon fast rechtfertigt, obwohl ihr euch nicht einmal annähernd betroffen fühlen müsstet. 😉

    Denn mit einem Sportwagen der frühen 70er (Sportwagen, Sound, Chrom, RWD) und der Erbse (geile Farbe, cooler 70er-Look, Chrom, RWD) samt Verwandtschaft (ausgefallene Karosserieversionen, RWD) seid Ihr sowas von „auf Schiene“, dass genau eure Autos in diesem Artikel nicht gemeint sind.

    Lukas

  4. Michna-Dohm schreibt:

    Ich schließe mich den vorigen Kommentaren an. Denn ich fahre lieber einen Klassiker aus Japan, als einen deutschen Klassiker die es zu Hauf auf Treffen gibt. Meiner ist jetzt schon mit nur noch ca. 111 Stck. angemeldeten Fahrzeugen recht selten anzutreffen.
    Und somit für mich in dem ganzen Einerlei aus Mercedes und Co. auf den Treffen eine Augenweide!

    Und sie sind sehr alltagstauglich, und das auch nach 30ig Jahren!
    Grüße ein stolzer 626 GC Fahrer😁

  5. KS schreibt:

    Das Rumgeheule, wenn man sein altes Auto nicht zum herbeigeträumten Preis losbekommt, ist schon lustig. Der Wert bemisst sich nicht an irgendwelchen Listen oder Phantasien, sondern am Markt. Wenn keiner zum genannten Preis kaufen will, ist das Auto schlicht nicht soviel wert. Ausserdem stellt sich die Frage, warum so ein „wertvoller Young-/Oldtimer“, der „Wertsteigerungspotential“ hat, überhaupt so dringend verkauft werden muss. Aus meiner Sicht fängt das Problem in dem Moment an, in dem ein Autobesitzer ideelle Werte mit monetärem Wert verwechselt. Entweder man fährt ein altes Ato, weil man das will und daraus eine nichtfinanzielle Befriedigung bezieht, oder man spekuliert auf Kohle. Dann hat man halt Pech und keinen Tropfen Mitleid verdient. Sozusagen die falsche Aktie gekauft, so what… Und sich zu beschweren, dass kein anderer kaufen will was man selbst loswerden will, ist lächerlich.

    VG, KS

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