Schön war sie, die Prairie…

So startet ein Schlager von Gus Backus aus dem Jahr 1960. Und etwas mehr als 20 Jahre später erblickt eine gleichnamige Kiste das Licht der Welt. Nur schön, tja, schön war er schon 1982 nicht, der Nissan-Datsun Prairie.

Und gerade das macht ihn jetzt, fast 30 Jahre nach Produktionseinstellung, so interessant. Wenn auch nur für eine kleine Gruppe von Enthusiasten japanischer Klassiker. Ja doch, richtig gelesen: Klassiker. Im Gegensatz zu unzähligen 80er-Jahre-PKWs aus Japan, an die sich niemand mehr erinnern kann und will, ist der Prairie etwas Besonderes. Warum? Wegen dieses Party-Tricks:

Da flippen sie alle aus!

Ja genau, keine B-Säule. Was Ford beim aktuellen Ford B-Max als „einzigartiges, revolutionäres Türkonzept“ anpreist, gab´s beim Nissan Prairie schon 1982. Zusätzlich erleichterte er das Leben mit einer extrem niedrigen Ladekante, die ihn nicht nur für Rollstuhlfahrer zum idealen Auto gemacht hat. Da dürften unzählige Bandscheiben betagter Besitzer vor Erleichterung jubiliert haben. Zusätzlich sind die Sitze so konstruiert, dass sich lange Ladung einfach drunter durchschieben lässt und wenn es romantisch wird, entsteht aus dem Mobiliar eine Liegewiese. Dass der Boden komplett flach ist und selbst die Schweller so konstruiert sind, dass sie nicht im Weg herumstehen, verwundert da schon nicht mehr.

Noch einmal? Du Angeber!

Die Idee hinter dem Prairie war so einfach wie genial und die Entwicklung für Nissan relativ risikolos, weil günstig. Die Technik samt Teilen der Bodengruppe konnte großteils von den bereits vorhandenen Modellen Stanza, Sunny und Cherry übernommen werden, bloß das Häusl wurde neu entwickelt. Und geriet zum ersten Großserien-Van, der sich auch in Europa in nennenswerter Zahl verkaufte. Kein Wunder. War er doch nur 10 cm länger als ein Golf 2, dabei aber so geräumig wie ein großer Kombi. Mit Platz für Fünf samt ordentlich Gepäck.

Vollends zum Meister aller Klassen wurde er mit dem Facelift von 1985. Denn nun gab´s ihn auch mit Push-Button-4WD, ganz nach Subaru-Manier:

Optisch im Gegensatz zum Urentwurf zwar verwässert, aber ein Traum für Praktiker, denen die Funktion ihres Autos über dessen Form geht. Wenn der Subaru Leone Kombi zu niedrig und der Toyota Tercel 4WD zu klein sind, ist der Prairie 4WD erste Wahl. Hohe Sitzposition, bequemer Einstieg, einfaches Ein- und Ausladen und vor allem – nie mehr Schneeketten. Diese Argumente haben nicht nur den Grunsky Willi überzeugt. Und so wurde der Versuchsballon Prairie für Nissan zum Erfolg, 1988 lief er aus.

Mittlerweile scheint der Nissan Prairie beinahe ausgestorben. Zur Zeit sind europaweit genau 2 fahrbereite Exemplare inseriert, einer in Deutschland und einer in Estland. Doch immer wieder tauchen auf Facebook Sichtungen von Prairies in der Wildnis auf, meist gefahren und gehätschelt von ihren hochbetagten Besitzern, die sich gerade im Alter kein praktischeres Auto wünschen könnten.

Aber nicht nur Opa und Oma huldigen dem Prairie. Seit kurzer Zeit rücken skurrile Hochdach-Kombis der 1980er wie der Prairie oder der Honda Civic Shuttle in den Fokus junger Japan-Oldie-Enthusiasten. Primär wegen ihrer Skurrilität und ihrer Seltenheit. Und nicht, weil sie so schön wären. 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Schön war sie, die Prairie…

  1. KS schreibt:

    Hi Lukas,
    vom Konzept – und ja, auch dem Design – war das schon ein grosser Wurf, aber wohl 10 Jahre zu früh. Aber wenn ich an einen Seitenaufprall, Vorfahrtsunfall, Auffahrunfall oder gar Überschlag denke – die Kiste faltet sich doch zusammen wie ein Tetrapack. Gruselig. Und bevor wieder das altbekannte Argument kommt – es gibt auch Unfälle, die von anderen verursacht werden.
    VG, KS

  2. Pingback: Die Erben des Megagamma | The way of drive…

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