Die Erben des Megagamma

Der Artikel zum Nissan Prairie hat ordentlich Wellen geschlagen. Das Echo ähnlich gewaltig wie die Zugriffszahlen, der Zuspruch allgemein groß. Und immer wieder ist in den Mails, die ich dazu erhalten habe, eine Frage aufgetaucht: Damals gab´s doch noch ein paar andere skurrile Großraum-PKWs, oder?

Logisch. Etwa den Honda Civic Shuttle:

Man mag es kaum glauben, aber der 1983 präsentierte Civic Shuttle entstand in Zusammenarbeit mit Pininfarina. Seine Party-Tricks hielten sich in engen Grenzen, hatte er doch vier herkömmlich zu öffnende Türen und eine B-Säule. Wie langweilig. Basierend auf dem Civic 3 bot er als legitimer Vorgänger des CR-V aber überraschend viel Platz und war auch als 4WD-Version zu haben. Bei uns in Österreich gab´s die zweite Generation, basierend auf dem Civic 4, sogar als Sondermodell „Beagle“. Mittlerweile wohl alle weggerostet, aber trotzdem cool:

Mitsubishi war mit dem 1983er Mitsubishi Space Wagon auch ganz früh mit von der Partie.

Konzeptionell dem Civic Shuttle ähnlich, war der Space Wagon aber nicht nur optisch eine halbe Nummer größer. Neben einer Allradversion gab´s ihn auch als variablen Siebensitzer oder mit Dieselmotor. Auch der Space Wagon ist mittlerweile so gut wie ausgestorben, die große Gebrauchtwagenplattform mobile.de findet europaweit ganze 2 Stück. In Österreich wurde schon ewig keiner mehr angeboten.

Ein Jahr nach Shuttle und Space Wagon, nämlich 1984, waren auch die Europäer endlich soweit. Der Renault Espace verschreckte die Kundschaft:

Anfangs wollte das Ding, das von Matra entwickelt und gebaut wurde, fast niemand kaufen, die Zeichen standen auf „Flop des Jahrhunderts“. Verständlich, eine klassische Schönheit sieht anders aus und dann war das Ding auch noch aus Plastik. Das großzügige Platzangebot, die konkurrenzlose Variabilität der Sitze und die tolle Übersicht machten ihn dann aber doch noch zu einem Erfolg. Und nebenbei zum ersten modernen Großserien-Minivan aus Europa.

Und die Amis? Die hatten da ja auch noch was rumstehen, oder? Ja, ab 1984 gabs den Plymouth Voyager/Dodge Caravan, der bei uns aber erst mit Modelljahr 1988 auf den Markt kam. Unter dem bekannten Namen Chrysler Voyager:

Mangels Dieselmotor und mit der großen japanischen Konkurrenz blieb der erste Voyager aber eher eine Randerscheinung. Der Erfolg kam erst in den 1990er Jahren mit der zweiten Generation, die auch in Graz gebaut wurde.

Was verwundert: Auch der Automobilgigant und Modellreihen-Kaiser Toyota hatte den Minivans der Konkurrenz nichts entgegenzusetzen. Vielleicht hätten sie sich 1978 den „Lancia Megagamma“ von ItalDesign aus der Feder von Giugiaro genauer ansehen sollen. In Italien fehlte ja bekanntlich der Mut, dieses Konzept auf die Straße zu bringen.

Keine Frage, mit diesem Briefkasten auf Rädern fing alles an. Er darf wohl zurecht als Vater der Prairie/Civic Shuttle/Espace/Voyager/Space Wagon-Idee gelten.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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