Ist der Ruf erst ruiniert

lebt es sich ganz ungeniert.

Wenn diese weise Erkenntnis auf ein Automobil zutrifft, dann auf den W202 von Mercedes-Benz. Die Fußstapfen des übermächtigen „190ers“ von Anfang an viel zu groß, die Rostprobleme auch und als wäre das nicht schon genug, kommt dann noch der soziale Abstieg dazu, der alte Benze besonders hart trifft.

Vor einiger Zeit durfte ich wieder in den 202er reinschnuppern. Meinen eigenen 96er C220 Diesel Elegance hab ich schon vor 11 Jahren wieder verkauft und seither hatte ich keinen Kontakt mehr zur ersten C-Klasse. Jetzt ist es ein „gemopfter“ 98er C220 CDI Classic mit Automatik, den ich beschnuppern und fahren darf. Genauso 744 Brilliantsilber wie mein ehemaliger Sternenkreuzer.

Die erste Erkenntnis: Das Ding soll 20 Jahre alt sein? Nicht nur dank der 17-zölligen AMG-Felgen und dem nachgerüsteten Avantgarde-Grill will die Kiste zumindest optisch nicht altern. Ein zeitloser Entwurf, großes Kompliment an den Designer Murat Günak!

Nein, das ist keine Anspielung auf die heutige W202-Zielgruppe, der Herr heißt wirklich so. 😉 Die ersten Modelljahre des Nachfolgers W203 schauen mit dem typischen 2000er-Biodesign jetzt schon älter und vor allem veralteter aus als der 202er.

Und fahren tut er auch noch richtig gut, der alte Haudegen. Weit jenseits der 200.000km fühlt er sich trotz zahlreicher kleiner Rempler, in Sachen Wartung schlampiger Vorbesitzer und so manchem technischen Mangel immer noch richtig gut an. Das große, zeitlose Lenkrad liegt toll in der Hand, Das Fahrwerk wirkt vertrauenerweckend straff und doch sehr komfortabel, der großzügige Sitz samt Mittelarmlehne sorgt für Gemütlichkeit und mein linker Ellbogen wandert automatisch auf die Türverkleidung. Geht! 😉

Fährt immer noch richtig gut. Bietet großzügig Platz für vier Erwachsene samt Gepäck. Ist komfortabel und haltbar. Und kostet soviel wie ein Komplettradsatz für die neue C-Klasse.

Für den 202er kann es nur noch bergauf gehen. Das Tal der Tränen liegt hinter den guten Exemplaren. Das einzige Problem dieser unterschätzten Baureihe ist sein ruinierter Ruf. Aber der 202er hat ein Glück, das sich wie ein roter Faden durch seine Existenz zieht: Er wird seinem Ruf nicht gerecht. 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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