Hightech ohne Zukunft?

Juli 2017. Produktpräsentation der facegelifteten Mercedes-Benz S-Klasse W222 MoPf. Inklusive Vorstellung der neue Reihensechser-Motorenfamilie, Präsentation des 48Volt-Bordnetzes, des ISG (Integrierter Starter-Generator)-Systems und der absolut riemenlosen Motorarchitektur des M256-Reihensechsers. Für alle, die es interessiert: W222 Facelift Video

Ein faszinierendes Stück Hightech, keine Frage. Der neue Reihensechser mit 3 Liter Hubraum heißt jetzt irreführend S450 (367 PS) oder S500 (435 PS), das tut aber nichts zur Sache.

Viel interessanter: Diese Maschine wurde komplett ohne Riemen konstruiert. Es gibt keinen Starter und keine Lichtmaschine mehr, diese Komponenten sitzen integriert zwischen Motor und Getriebe und nennen sich „ISG“. Die Wasserpumpe, der Klimakompressor und ein zusätzlicher Verdichter der Ansaugluft (quasi ein Kompressor gegen das Turboloch) werden rein elektrisch betrieben. Dazu braucht´s das 48Volt-Bordnetz, das natürlich eine spezielle Batterie benötigt, die Energie speichert und im Bedarfsfall an den ISG abgeben kann. Diese Batterie muss zusätzlich wassergekühlt werden, da sie beim Bremsen auch rekuperieren kann. Und das herkömmliche 12V-Bordnetz bleibt nebenbei ja auch noch bestehen und muss mit dem 48V-Bordnetz mit Hilfe eines Spannungswandlers kommunizieren.

Im Innenraum gibt´s nun eine durchgehende Optik der zwei riesigen Bildschirme, die individuell auf die Vorlieben des Fahrers abgestimmt werden können. Neu ist auch die Energizing-Komfortsteuerung, die verschiedene Komfortsysteme im Interieur miteinander vernetzt. Sie nutzt Funktionen der Klimaanlage und der Innenraum-Beduftung, der Sitze (Heizung, Belüftung, Massage), der Flächenheizung sowie Ambientebeleuchtung- und Musikstimmungen und gestaltet je nach Lust und Laune des Kunden ein spezielles Wellness-Programm.

Ja sapperlot, seit wann ist das denn hier ein Neuwagen-Blog? 

Keine Sorge, ich komm schon zur Sache.

Die AutoBild Klassik eröffnet ihre aktuelle Ausgabe mit einem 8 Seiten starken Artikel zum Thema Youngtimer und warum man sie nicht mehr restaurieren kann. Offenbar haben wir hier ein Thema vorgegeben. 😉

Die Grundaussage dieses Artikels?

Halbwegs aktuelle Autos (ca. ab Baujahr 2000) seien nur noch sehr schwer über die Jahre zu retten. Die Qualität der Kabelummantelungen beispielsweise wäre mittlerweile so schlecht, dass sie nach 15 Jahren brüchig werden. Kabelbrand ahoi. Die Karosseriestruktur moderner Autos bestehe nicht nur aus festen, hochfesten und ultrahochfesten Stählen, sondern auch aus Aluminium- und Verbundwerkstoffen. In Längsträgern etwa würden dreidimensional gepresste Alu-Strangprofile verwendet, die nicht selten mit der übrigen Karosseriestruktur verklebt würden. Originalgetreu und fachgerecht ließe sich so etwas nicht mehr reparieren. Komponenten wie das einteilige Armaturenbrett oder ein Fensterheber-Mechanismus würden in die Rohkarosse eingepasst, wären ohne Beschädigungen nicht mehr demontier- und kaum noch reparierbar.

Und jetzt kommt der Punkt:

Es wird in Zukunft nicht mehr jedem Menschen möglich sein, die Autos zu fahren, die er sich neu gar nicht leisten kann. Bisher ging das noch. Einen 7er BMW hätte ich mir Ende der 1980er Jahre als Sechsjähriger wohl niemals leisten können. 😉 Wahrscheinlich nicht einmal als Erwachsener. Heute aber, 28 Jahre später, kann ich das. Zum Preis eines Radsatzes eines neuen 7ers.

Aber werd ich mir auch einmal einen S450 W222 mit dem riemenlosen Reihensechser kaufen können?

Die Chance, dass ich ihn mir in den nächsten Jahren leisten kann, ist nicht existent. Leistungsträger, das sind die Anderen.

Und die Chance, dass er noch kauf- und fahrbar ist, wenn er mit 25 Jahren auf dem Buckel in meine Preisklasse vorrückt, geht genauso gegen Null, siehe oben.

Ein 89er 730i in Buchhalter-Ausstattung mit dem legendären M30-Reihensechser lässt sich leicht am Leben erhalten. Da ist nicht viel dran, was kaputt gehen könnte. Und wenn, ist es einfach reparabel. Bei einem 2017er S450 mit Magic-Body-Control inklusive Curve-Funktion, 48V-Bordnetz, volldigitalen Armaturen und deutlich über 100 Steuergeräten dürfte das schwierig und vor allem sehr teuer werden.

Schwarzmalerei? Wir werden sehen.

L

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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