Über den Wolken…

Unsere Straßen werden immer ungemütlicher. Der Verkehr nimmt zu, der Psychokrieg hinterm Lenkrad auch. Genervte Pendler drängeln sich zu den Hauptverkehrszeiten mit dem Messer zwischen den Zähnen durch die Lande. Trotz immer schärferer Kontrollen scheint die Zahl an Alkolenkern und Handytelefonierern, oft mit den entsprechenden Unfallfolgen, nicht weniger zu werden. Gerade in der warmen Jahreszeit finden sich kaum noch ruhige Landstraßen, um das Fahren an sich in Ruhe zu genießen.

Und da kommt die Fliegerei ins Spiel.

Ein kleines Flugzeug ist ja einem Auto nicht ganz unähnlich. An der Front dröhnt ein Motor, man sitzt hinter unzähligen Armaturen und bewegt sich lenkend bzw. steuernd vorwärts. Mit einem großen Vorteil: Der Luftraum über Österreich ist groß, auf Hobbyflughöhe relativ leer und die Freiheit muss dort oben wohl wirklich grenzenlos sein. Wäre das eine Alternative zur Autospinnerei, die einem nicht nur aus obigen Gründen zunehmend verleidet wird? Hinzu kommt die Tatsache, dass die Autofahrt zum Flugplatz und vom Flugplatz heimwärts das Gefährlichste am Fliegen ist. 😉

Da hilft nur eines: Es auszuprobieren!

Also rein in den Motorsegler der Type „SF-25 C Falke“ der Firma Scheibe Aircraft aus dem Jahr 1983 und ab in die Lüfte! Der kleine „Limbach“-Boxer, der übrigens auf dem Motor des VW Käfer basiert, macht mächtig Radau, sorgt aber schon auf dem Rollfeld für Ernüchterung. Ganz schön lahm, das Ding. Und verdammt eng. Kaum Platz für Arme und Beine, mit meinen Einssechsundachtzig bin ich schon an der Grenze. Aber macht ja nichts, ein Toyota 2000GT ist noch viel enger.

Hebt das kleine Ding nach langem Anlauf dann endlich ab, tut sich eine andere Welt auf. Schnell wird einem klar, dass der Flug mit einem Airbus in den Urlaub nichts mit „echtem Fliegen“ zu tun hat. Es dröhnt, es schüttelt, es vibriert. Und zwar alles um einen herum. Gerade für einen Anfänger ist es schwer, die Instrumente und den Horizont im Blick zu behalten und gleichzeitig eine saubere Linie zu fliegen. Und als ob das nicht schon genug der Aufregung wäre, gibt´s da ja noch den Fluglehrer am Nebensitz. Der plötzlich das Bedürfnis hat, einem zu zeigen, wie ein Motorsegler reagiert, wenn es zu einem plötzlichen Ströhmungsabriss kommt…

Oh Gott, das ist nicht lustig! Auch wenn sich das Ding nach einem kurzen Abkippen der Front sofort wieder fängt, bleibt als Erinnerung an dieses Manöver doch eine blasse Gesichtsfarbe zurück. Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, ist es laut Fluglehrer gleich darauf Zeit, mit heftigen Kurven und anderen Manövern G-Kräfte auf den Körper wirken zu lassen, die man im Auto hoffentlich nie erleben muss. Boah, da drückt´s dich in den Sitz. Jetzt stellt sich auch die schon länger erwartete Übelkeit ein. Also am besten stur nach vorne schauen und sich mit der Überwachung der Motordrehzahl ablenken…

Ich befürchte, es ist kein gutes Zeichen für eigene Flugschein-Ambitionen, wenn man mit Erleichterung feststellt, dass die Flugstunde vorbei ist und der Landeanflug bevorsteht… Und wenn dann nach geglückter Landung die Räder wieder den Boden berühren, ist es wohl Zeit. Zeit, sich einzugestehen, dass man nicht zum Fliegerass geboren ist.

Und eines steht auch fest: An diese Freiheit, die da über den Wolken herrscht, muss man sich gewöhnen. Denn woher soll man überhaupt wissen, wohin man fliegen soll, wenn es keine Bodenmarkierungen gibt? 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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