Der übermütige Bastard

Wie bitte? Auf eurem Lieblings-Motor-Blog herrscht jetzt schon die gleiche Schmuddel-sprache wie beim letzten Porno-Tatort? 😮

Keine Sorge. Wer den Begriff Hybrid googelt, landet beim Altgriechischen hybris für „Übermut“ bzw. „Hochmut“ und beim Lateinischen hybrida, was so viel wie „Bastard“ oder „Mischling“ heißt. Und im Endeffekt trifft die provokante Überschrift auf den Toyota RAV4 Hybrid auch zu.

Denn wer sich die Leistungsdaten vom ersten Toyota Hybrid-SUV anschaut, könnte schon den Eindruck bekommen, dass er es mit einem übermütigen Gefährt zu tun hat. Soll ja ein Öko-Mobil sein, quasi. Geht aber in 8,6 Sekunden von 0 auf 100. Noch viel imposanter sind da aber die 6,3 Sekunden für den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h. Da müsste das Überholen auf der Landstraße ja sehr leicht von der Hand gehen.

Tut es auch, davon konnte ich mich heute während eines ausgiebigen Tests überzeugen.

Auch das hysterische CVT-Gejaule, das bei älteren Hybrid-Generationen noch reichlich genervt hat, ist im RAV deutlich besser zu ertragen. Denn das Ding ist ausgesprochen gut gedämmt und durch den 2,5 Liter-Motor muss sich der Wagen nicht immer mit Höchstdrehzahl durch die Lande bewegen, um gut vorwärts zu gehen. Und wer das CVT gar nicht mag, kann sich selbst durch sechs Gänge im manuellen S-Modus schalten, wenns unbedingt sein muss. Muss es aber nicht. 😉

Und sonst so?

Gewohnte Toyota-Tugenden halt. Sprich keine überschwänglichen Emotionen, aber gediegene Verarbeitung, sehr solide Anmutung aller Details, erstklassige Sitze, komfortables Fahrwerk und umfangreiche Ausstattung inkl. Abstandsregel-Tempomat, Rückfahrkamera usw. …

Im Gegensatz zum Mitsubishi Outlander PHEV fällt die deutlich bessere Schlechtwege-tauglichkeit des RAV4 auf. Die Batterien sitzen geschützt im Innenraum unter der Rücksitzbank, nicht wie beim PHEV exponiert am Wagenboden. Das ergibt eine bessere Bodenfreiheit und einen deutlich unempfindlicheren Unterboden.

Noch ein paar Worte zum Hybrid-Antrieb, weil der ja der Partytrick des RAV4 ist: Hybrid ist schon lustig, aber irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch. Ein Bastard halt. 😉 Rein elektrisch fahren gelingt leider nur kurz, meistens arbeitet der Benziner mit. Das ist aber gewollt. Denn die Toyota-Techniker betonen immer wieder, dass es ihnen beim RAV4 Hybrid nicht um das rein elektrische Fahren geht. Sondern um ein möglichst effektives Zusammenspiel von Verbrenner und Elektroantrieb. Bitte nicht vergessen -> Du fährst kein Elektroauto. Sondern einen Benziner, der durch den Elektromotor mehr Kraft, sprich Drehmoment, hat und sich dadurch weniger anstrengen muss.

Und diese Rechnung geht auch auf. Der RAV4 Hybrid geht gut, kein Wunder bei 197 PS Systemleistung, und verbraucht im Alltag so zwischen 6 und 8 Litern Benzin. Das haben mir mehrere zufriedene Besitzer bestätigt. Ein herkömmliches Allrad-Benzin-SUV schafft das nicht und selbst der Diesel muss sich wohl anstrengen, um bei gleichen Fahrleistungen ähnlich wenig zu zerstäuben.

Der größte Vorteil der Hybridversion aber ist die Kurzstreckentauglichkeit! Was man von modernen Dieseln (Stichwort Partikelfilter, Ölverdünnung usw.) nicht behaupten kann.

Alles in allem also ein durchaus gelungenes Auto. Würd ich es mir kaufen? Nein. Denn der Outlander PHEV muss zwar an die Steckdose, ist teurer und hat den kleineren Kofferraum, fährt aber über 40km rein elektrisch, wenn der Gasfuß leicht und das Steuergerät willig ist. Und wenn es schon ein alternativer Antrieb sein soll, dann doch lieber etwas mehr Elektro.

Lukas

P.S.: Ja, ich verspreche es euch! Ab sofort gibt´s wieder deutlich mehr Oldschool-Content auf eurem Lieblings-Blog! Ehrenwort!

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Der übermütige Bastard

  1. spr-IT schreibt:

    Schöner Beitrag … der Hybrid-RAV käme bei mir in die engere Auswahl, falls ich nochmal einen Neuwagen kaufen sollte … mit meinem jetzt 13 Jahre alten RAV4.2 bin ich ja hochzufrieden…

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