Das Underdog-Schicksal

„Kauf immer das beste Exemplar, dass du dir leisten kannst“, erzählen sie dir. „Ein nicht-so-Guter kostet dich auf längere Sicht viel mehr Geld und Nerven“, sagen sie. Stimmt ja auch! Und doch ist es fatal.

Zumindest in meinem Fall. Stammleser wissen, dass ich eine Schwäche für „automobile Underdogs“ habe. Für Autos, die keine Lobby haben, und um die sich keine Szene bemüht. Was auch beim Pajero L040 der Fall ist. Jene, die sich heute, 27 Jahre nach Produktionseinstellung, einen Pajero der ersten Generation ans Bein binden, verfolgen damit nur ein Ziel – Sie wollen möglichst günstig ins Gelände. Da werden große Räder und Seilwinden draufgeschraubt und der Innenraum ausgeräumt. Um der originalen Erhalt und die Pflege guter Exemplare scheint sich niemand zu kümmern.

Mein grüner Wagon, den ich seit genau fünf Jahren besitze, ist heute ohne Frage eines der besten Exemplare Österreichs. Unrestauriert, praktisch rostfrei, unverbastelt, keine 120.000km auf der Uhr. Und mit Produktionsdatum 02. 02. 1987 einer der frühesten Semi-High-Roof-4D56-Pajeros überhaupt. Bei jeder Pickerl-Überprüfung, auf jedem Autotreffen, sogar im Internet – überall hör´ ich immer nur: „Den kannst du nie wieder hergeben.“ und „So einen bekommst du nicht wieder.“

Aber verdammt, ich bin eigentlich gar kein treuer Autosammler, der nichts verkauft, was er einmal besessen hat. Ich bin Autofreak, der gerne unterschiedliche Autos fährt. Das Leben ist zu kurz, um es immer mit dem selben Wagen zu verbringen. Schließlich ist es ein Hobby, keine Lebensgemeinschaft. Auch andere Hersteller haben schöne Kisten und Fahrspaß ist nicht auf ein Modell beschränkt.

Einen Mercedes-Benz SL R107 oder einen VW Bus T1 in Top-Zustand könnte ich schnell und einfach in gute Hände verkaufen und wäre mir sicher, dass er auch in Zukunft genauso penibel gepflegt wird wie bei mir. Weil es dafür Sammler und eine Szene gibt.

 

Einen 31 Jahre alten Pajero im Jahreswagenzustand aber? Den kauft nur entweder ein erfolgloser Gebrauchtwagen-Händler, der einen günstigen Zugwagen für seinen Autoanhänger braucht. Oder ein Jäger, dem moderne SUVs im harten Revier-Einsatz zu filigran sind. Vielleicht auch die Betreiberin eines Gnadenhofs für Tiere, die froh ist über die geringen Unterhaltskosten, die bei mickrigen 84 PS anfallen. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass ihn jemand kauft, der ihn genauso behütet wie ich das mache, geht gegen Null. Also muss ich ihn behalten. Alles andere wäre eine Schande. Vielleicht ist auf dem Unterboden irgendwo „Auf ewig Dein“ eingraviert. Ich mach mich ´mal auf die Suche.

Fazit: Kauft ruhig das beste Exemplar, das ihr euch leisten könnt. Wenn es sich um ein Fahrzeug handelt, um das sich eine Liebhaber-Szene kümmert. Denn dann gibt es gute Hände, die es gerne weiter hätscheln, wenn für euch die Zeit gekommen ist, weiter zu ziehen. Ist es aber ein Underdog, um dessen Erhalt sich sonst niemand kümmert, muss euch eines klar sein -> „Den kannst du nie wieder hergeben.“ und „So einen bekommst du nicht wieder.“

L

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Das Underdog-Schicksal

  1. Kai schreibt:

    „So einen bekommst du nicht wieder.“
    … und ich freue mich, dass ich meinen Wagen schon habe und ihn auf Ewig behalten kann 🙂

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