Retro Korean

Fast 50 Jahre hat es gedauert, bis sich japanische Autos in der Liebhaber-Szene durchsetzen konnten. Dass sich die Vorzeichen nachhaltig geändert haben, beweist nicht nur die wachsende Zahl an Webseiten und Magazinen zum Thema Japanische Klassiker. Auch auf Messen und Treffen tauchen die alten Japaner zunehmend auf.

Im Fahrwasser dieses zart aufkeimenden Booms wäre es nun wohl an der Zeit, zumindest einmal anzudenken, auch „die Koreaner“ mitzuschleifen. SchockschwereNot!

Schließlich ist es mittlerweile schon 26 Jahre her, dass 1992 mit Hyundai der erste koreanische Hersteller auf dem heimischen Markt vorstellig wurde. Dann ging´s Schlag auf Schlag. Nach Daewoo folgten 1995 auch SsangYong und KIA. Und obwohl scheinbar niemand auf diese unbekannten und teils schwer aussprechlichen Marken gewartet hatte, war zumindest für Hyundai und KIA der Weg zum Erfolg a gmade Wiesn.

Gut, die aktuellen Modellpaletten von Hyundai und KIA sind schon sehr auf den europäischen Geschmack getrimmt und damit stinkfad. Daewoo gibt´s schon lang nimmer und SsangYong rangiert nach anfänglichen Erfolgen seit vielen Jahren unter ferner liefen. In den Anfangsjahren und während des ersten Verkaufsbooms rund ums Millenium aber, da war so manch koreanischer Charakterkopf auch bei uns zu haben, den es sich heute zu retten lohnt.

Die Parallelen zum Schicksal der japanischen Hersteller sind nicht weg zu diskutieren. Anfangs kannte sie niemand, die Autos waren billig und einfach. Und wurden von der gleichen Zielgruppe gekauft wie die Toyotas und Datsuns 10 bis 20 Jahre vorher. Menschen, denen Status oder Image nichts bedeuten. Die einfach nur mit einem neuen Auto günstig und zuverlässig von A nach B wollten.

Optisch etwas angestaubt, technisch langweilige Hausmannskost, nach 10 Jahren Alltagsbetrieb ohne Pflege exportiert und vergessen. Klingt bekannt? So erging es Datsun Violet, Toyota Cressida und Daihatsu Charmant. So ergeht es auch Kia Sephia, Hyundai Lantra und Daewoo Nexia. Wobei es wohl zu viel verlangt wäre, genau diese Kisten jetzt wegzustellen oder gar zu verehren. 😉

Und doch kann es im Fahrwasser des Japan-Oldie-Booms gelingen, den Fokus einiger weniger Idealisten auf genau diese Fahrzeuge zu lenken. Wenn es Sammler gibt, die Nissan Sunny und Cherry hätscheln, als wären es 300SL Flügeltürer und wenn es Einzelkämpfer gibt, die einen Daihatsu Charade aufwendigst in Concours-Zustand versetzen, dann muss es auch jemanden geben, der einen KIA Shuma über die Jahre rettet. 😉

Ich bin gespannt, ob sich in den nächsten Jahren eine kleine (kleinste?, miniwutzige? kaum sichtbare?) Szene rund um „die Koreaner“ bildet, wie es sie im Dunstkreis der Japaner mittlerweile gibt. Und wie lange es dauert, bis sich die „etablierte“ Szene daran gewöhnt hat, dass auch „die gelbe Gefahr aus Fernost“, die „uns unsere Arbeitsplätze wegnimmt“, ein kleines Stück des Liebhaberauto-Kuchens in Anspruch nimmt. Schließlich haben die Mainstream-Jungs jetzt ja immer noch ordentlich daran zu knabbern, dass sich auch im Oldtimer-Sektor eine Japan-Szene etabliert.

Na endlich ist auch der Opirus untergebracht. Mir wär´ schon fast nichts mehr ein-gefallen. 😉

 

Jetzt ist aber wirklich Schluss hier. Sonst fang ich noch an, über die Kontinente-übergreifende Geschichte des Daewoo Espero oder über den ganz ehrlich, wirklich und todernst verliehenen Designpreis des SsangYong Musso zu philosophieren.

Lukas

Über Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.
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Eine Antwort zu Retro Korean

  1. KS schreibt:

    Hach, hätte ich mal meinen Daewoo Nexia aufgehoben… Aber mit den Sitzen war ich nach 190tkm sowas von durch, 2 Wochen Extra-Rückenschmerzen nach 2 Wochen Urlaub. Gehalten hat der, und bei Lichte betrachtet sah der auch nicht soooo schlimm aus.

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