Eine Reise durch zwei Jahreszeiten

Österreich ist spannend. Zahlreiche unterschiedliche Landschaften und Klimazonen auf kleinstem Raum in einem Land, deren Bundesländer unterschiedlicher nicht sein könnten. Durch ein schönes Beispiel dieser unterschiedlichen Klimazonen auf kleinstem Raum bin ich gegen Ende Jänner gecruist.

Los gings an der Mündung der Mürz in die Mur, in der alten Handelsstadt Bruck an der Mur. Bei warmen 8 Grad, weil wärmster Jänner seit ewig – eh scho wissen. Schon bei der Auffahrt auf die Schnellstraße mit Ziel Ebreichsdorf im Süden Wiens ist klar, dass es wohl eine Salzschlacht werden wird. Denn im Schatten ist die S6 salznass, trotz des schönen Wetters.

Na herrlich, wie fast jeden Tag. Das ganze Mürztal in Richtung Semmering strahlender Sonnenschein, aber salznasse Straße mit ordentlich Gischt. So kriecht das Salz erst so richtig in jede Lücke. Über den Semmering kommt noch Schmelzwasser dazu. Auch schon wurscht. Bis Gloggnitz in Niederösterreich das gleiche Spiel. Salznasse Straße, grauslig. Aber der Schnee verschwindet aus der Landschaft, braune Wiesen machen sich breit.

Und ab dem Knoten Seebenstein ändert sich plötzlich alles. Die Südautobahn in Ermangelung von Hügeln durchgehend von der Sonne getrocknet. Aber noch weiß vom Salz. Das ab Wiener Neustadt dann auch verschwindet. Und plötzlich bist du auf salzfreien Straßen von zahlreichen sauberen und salzfreien Autos umgeben. Ich glaub ich spinn´….

Vor einer Stunde noch bin ich in der steirischen Salzmine losgefahren und plötzlich komm ich im Frühling an. Autobahn Abfahrt Baden, rechts raus Richtung Ebreichsdorf und schon steht der erste Mustang aus dem 60ern an der Ampel vor mir. Willkommen in der anderen Welt. Hier würd ich das Ding auch nicht einwintern sondern ganzjährig fahren. An den wenigen Tagen mit salznassen Straßen bleibt er halt daheim. In der Obersteiermark, im Salzburgischen oder in Tirol wäre das undenkbar. Da kannst einen sogenannten „Ganzjahres-Klassiker“ nach einem Winter aus der Garage kehren. Nur die Scheiben und die Sitze bleiben übrig.

Nach einem Nachmittag im pannonischen Klima des Steinfelds im Süden von Wien geht es Abends wieder retour über den Semmering. Zurück in den Winter. Dass ich dem Drang, meinen Wagen in Baden ordentlich mittels Hochdruckreiniger zu baden ;-), widerstehen konnte, war auch gut. Denn ab Gloggnitz in Richtung Styria wieder das gleiche Spiel – Pökeln, bis das Schweißgerät kommt.

Und die Moral von der Geschicht?

Es tauchen, besonders auf Facebook, immer wieder Sprüche auf, in denen die ganzjährige Nutzung von Old- und Youngtimern propagiert wird. Meist von Leuten, die in Wien oder Eisenstadt, in Korneuburg oder Traiskirchen leben und gerne groß reden. In diesen Regionen mag es auch funktionieren, ein gut gepflegtes Auto ganzjährig zu fahren, ohne mit dem zügigen Verfall konfrontiert zu werden.

In den meisten anderen Regionen Österreichs aber, sieht die Welt ganz anders aus. Wer sich einmal die Mühe macht, Gebrauchtwagen in Saalfelden am Steinernen Meer im schönen Pinzgau nach zehn Wintern mit Gebrauchten aus Baden zu vergleichen, wird den Unterschied sofort erkennen. Daher: Nicht so schnell verallgemeinern, sondern besser einmal mehr das Hirn einschalten, bevor groß geredet wird. Damit ist uns allen geholen.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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