Sachen gibt´s…

… die gibt´s gar nicht. Hat zumindest meine Oma immer gesagt. Doch was hat das mit mir zu tun?

Alles begann mit einer spontanen Suche im Internet, am Sonntag Abend um 22 Uhr. Was könnte es wohl auf willhaben.at unter dem Suchbegriff „Pajero“ an Teilen geben? Neben rostigen Felgen und verschlissenen Turboladern auch diese Sitze hier:

Zusatzsitze für einen langen L040, offensichtlich. Sogar in der identen Stoff-Farbe wie sie mein Wagon, bei dem sie fehlen, einst wohl gehabt hat. Und der Verkäufer? „Robert“ aus „Schwechat“? Hmmm… Moooment! Der Sohn des Erstbesitzers heißt so und der Wagen hat fast sein gesamtes Leben in Schwechat verbracht. Verdammt, das sind „meine“ Sitze! Sofort mein Handy her, ich ruf gleich an!

Natürlich hebt niemand mehr ab, so spät abends. Nach einer kurzen Nacht wie auf glühenden Kohlen geht mein erster Griff nach dem Aufstehen Montag früh sofort zum Handy. Es meldet sich eine sympathische Stimme und das Gespräch nimmt seinen Lauf:

„Ich rufe wegen der Pajero-Sitze an. Ich hab das Auto dazu.“

„Ach, sie haben so ein Auto. Aha. Ja, die Sitze sind noch da.“

„Nein, ich hab nicht so ein Auto. Ich hab DAS Auto, in dem sie ab Werk montiert waren.“

Kurz ist es still am anderen Ende der Leitung, bis der Verkäufer weiß, mit wem er es zu tun hat. Dann ist ihm die Freude anzuhören, dass es den Wagen noch gibt. Natürlich wird sofort ein Treffen ausgemacht, ich hab schließlich viele Fragen. Und ich will „meine“ Sitze! 😉 Ein paar Tage später geht es mit einem geborgten Land Cruiser V6 in den Südosten Wiens, um einen Satz Felgen, die Zusatzsitze und viele Erinnerungen und Anekdoten zu holen.

Der Empfang am ehemaligen Heimathaus meines Pajero ist herzlich, der Grund für den Verkauf der Sitze traurig. Doch die Infos, die ich aus erster Hand zur Geschichte des Autos erhalte, sind Gold wert. Wer etwa hätte gedacht, dass der grüne Schönling mit dem Wohnanhänger fast ganz Europa  bereist hat?

Hier ist besagtes Fahrzeug fünfjährig im Sommer 1992 mit der Erstbesitzer-Familie zu sehen, die ihm bis 2012 die Treue hielt:

Nun ist mir auch klar, warum der Wagen immer noch in einem so hervorragenden Zustand ist. Der Erstbesitzer war nicht nur vom Fach (Karosserie-Spengler), sondern auch sehr gewissenhaft. Jeder Hohlraum wurde regelmäßig mit Fett und Wachs geflutet, der Wagen musste im Winter fast nie raus und wenn eines der Kinder während der Fahrt Hunger oder Durst bekam, wurde pausiert und ausschließlich außerhalb des Wagens gegessen und getrunken.

Da verwundert es auch nicht, dass bei der dritten Sitzreihe jede einzelne Schraube, jede noch so kleine Abdeckung und jede Plastikblende dabei war. Unbeschädigt und in Top-Zustand. So macht Autobasteln Spaß. Danke, Herr Zach!

Jetzt sind die Sitze montiert und der Wagen ist nach 5 Jahren in meinem Besitz endlich komplett. War es Zufall oder Schicksal, dass jetzt nicht nur passende, sondern exakt jene Sitze im Auto hängen, die ab Werk verbaut waren? Und das ich durch diese unglaubliche Geschichte endlich Kontakt zum Vorbesitzer habe, obwohl ich jahrelang vergeblich nach Kontaktdaten gesucht habe? Sachen gibt´s…

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Sachen gibt´s…

  1. Seb schreibt:

    Tolle Geschichte!
    Mehr Infos zum Land Cruiser V6 bitte! 🙂

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