Der Plattfisch ist wieder da!

Dank guter Kontakte und einem engagierten Hobby-Schreiber dürfen wir bei der Händler-Premiere der neuen Alpine dabei sein. Viel Spaß!

„Eines Tages kam man in Frankreich auf die Idee, zwei liegende Männer mit Kunststoff zu überziehen und auf Räder zu stellen.“ So beschrieb Herbert Völker die erste Alpine. „Le Turbot“ (französisch für Plattfisch) war der Spitzname der alten Alpine A 110. Renault hat sich über eine Neuauflage getraut. Die 1.955 Exemplare der Premiere-Edition sind schon verkauft. Jetzt gehen die Modelle „Pure“ und „Legende“ in Serie.

Flach, schnell, wendig, leicht waren die Attribute der ersten Alpine.

Der extrem auf Minimalismus getrimmte Wagen wurde 1962 präsentiert. 1977 war nach 7.489 Exemplaren Schluss. Von Beginn an werkelten im Heck getunte Motoren von Renault.

Begonnen hat alles mit einem Liter Hubraum und 52 PS, die 170 km/h-Spitze ermöglichten. Nur 1,13 Meter hoch (Plattfisch eben), 3,85 Meter lang und anfangs nur 575 Kilo schwer war der von Jean Redele konstruierte und in Dieppe gebaute Wagen. Eine ideale Ausgangsbasis für den Motorsport. Die Kooperation mit Renault war die Grundlage für die wirklich großen Erfolge im Rallyesport zu Beginn der 1970er Jahre. Mit 1,9-Litern Hubraum und um die 200 PS hat man die Gegner geradezu pulverisiert: Seriensiege bei der Monte Carlo, der Gewinn der internationalen Markenmeisterschaft 1971 und der ersten Rallye-Weltmeisterschaft 1973 zum Beispiel.

Jetzt zur Neuen: Mittig arbeitet ein neu entwickelter 1,8-Liter Turbomotor mit 252 PS. Spitze ist bei elektronisch abgeriegelten 250 km/h. Von 0 auf 100 geht‘ s in 4,5 Sekunden. Das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen kann über Schaltwippen bedient werden, die drei Fahrmodi machen die Alpine je nach Fahrer-Vorliebe zahm oder wild. Leider ist sie etwas dicker geworden: Mit der Verwendung von Alu (96% bei Chassis und Karosserie!) bleibt die Waage bei 1.155 Kilo stehen. Sie auf 4,18 Meter Länge und 1,25 Meter Höhe angewachsen. Also nicht mehr ganz so schlank und flach wie der alte Plattfisch. Etwas Luxus ist im Vergleich zur Alten auch an Bord gekommen. Das wollen heute die Käufer eines 60.000 Euro Wagens.

Insgesamt wirkt die Alpine im Vergleich zu preis- und leistungsmäßig ähnlichen Fahrzeugen wie Alfa 4C oder Lotus Elise weniger wie ein Spielzeug. Die Spaltmaße passen, die Alutüren schließen mit sattem Klang. Im Innenraum sind überall Verkleidungen oder Teppiche, wo man diese in einem Auto auch erwartet. Also kein blankes Carbon- bzw. Alu-Monocoque wie beim Alfa oder dem Lotus. Und auch die Sitze bieten allerhand Verstellmöglichkeiten mehr.

Und was kostet der Spaß? Die längst ausverkaufte Premiere-Edition gab es für 62.600 Euro. Die in Österreich jetzt dem Publikum präsentierten Versionen Pure und Legende werden je nach Ausstattung zwischen 59.000 und 66.000 Euro kosten. Bestellt wird über eine App. Nach der Anzahlung von 2.000 Euro steht man auf der Warteliste, und die ist schon lang. Weltweit gibt es über 5.000 Bestellungen. Derzeit werden pro Tag zehn Autos produziert, Ende 2018 sollen es täglich 24 Stück sein. Wer jetzt bestellt, kann von einer Lieferung 2019 ausgehen.

Die erste Alpine A 110 war nie ein Schönwetter-Auto oder ein Boulevard-Cruiser für g‘stopfte Schnösel, sondern immer für Hardcore-Typen mit Motorsport-Ambitionen. Und die Neue hätte eigentlich nichts von der ursprünglichen Faszination eingebüßt. Ob sie aber wie die alte Alpine A 110 den Col de Turini rauf und runter geprügelt oder nur als Cafe-Racer zum Posen eingesetzt wird, werden ihre Besitzer entscheiden. Ich tippe eher auf zweiteres.

CF

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Der Plattfisch ist wieder da!

  1. turboseize schreibt:

    Ein wunderbares Auto! Genauer gesagt, einer der ganz wenigen Neuwagen, die mich, wäre ich finanziell unabhängig genug, durchaus reizen würden.

    Darf ich Dich auch auf den Artikel bei der Blenheim Gang hinweisen? Die sind den Bock schon gefahren…
    https://www.blenheimgang.com/nostalgia-ultra/

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