Oldtimermesse Tulln 2018 – Der Perspektivenwechsel

Seit 2012 bin ich jedes Jahr auf der Oldtimermesse in Tulln zugegen. Als Besucher. Aber einfach so durch die Hallen wandern kann jeder. Daher war es an der Zeit, die Perspektive zu wechseln. Und zu erleben, wie sich die größte heimischen Oldtimermesse aus Sicht eines Ausstellers anfühlt.

Die Bühne dafür bildet der Stand der „IG Japan Oldies„, einer locker zusammen gewürfelten Facebook-Gruppe, in der sich die einschlägigen Freaks an Autos delektieren, die außerhalb der kleinen Szene schon so gut wie niemand mehr kennt.

So war zumindest bisher unser Eindruck. Der sich in zwei Tagen Messe aber deutlich gewandelt hat. Vor allem der selfgelbe Toyota 1000 und der rote Datsun-Nissan Cherry lockten die ehemaligen Erstbesitzer an. „Genau so an hob I domois ghob“ und „Ma schau, des Auto vom Rudi-Onkel“ waren die meistgehörten Kommentare. Die Erinnerung an die Japaner der 70er und frühen 80er ist also nach wie vor in den Köpfen verankert. Nur die Autos, tja, die hat man halt zu leichtfertig weggeworfen.

Aber Moment! Was macht denn „50 Shades of Brown“, der viel geschundene Alltags-Pajero, neben den ganzen Hochglanz-Geräten?

Diesen Überraschungsauftritt hat er dem Nissan-Connaisseur und Japaner-Flüsterer Helmut Winkelbauer zu verdanken. Und einem glücklichen Zufall. Ist doch beim benachbarten Stand einfach niemand aufgetaucht. So konnte sich die „IG Japan Oldies“ um 1 1/2 Autos weiter als gedacht ausbreiten und plötzlich hatten sechs Autos und ein Moped locker Platz. Gut, jetzt hätte die grüne Schönheit auch kommen können.

Aber da man nicht vorhersehbare Dinge einfach nicht vorhersehen kann und ich knapp 400km lieber mit Tacho 135 als mit Tacho 95 abspule, war ich „nur“ mit meinem Alltagsbomber vor Ort. Und da kommt der Helmut ins Spiel. Der plötzlich darauf besteht, dass gerade der abgekämpfte V6 auch auf den Stand muss. Einfach, weil er es verdient hätte.

Und so rollt die Kiste Samstag früh, 10 Minuten vor Publikumseinlass, unter deutlichem Protest der Ordner als das allerletzte Auto in die Halle 4 und verstört dort für zwei Messetage erfolgreich die Besucher.

Jetzt aber schnell zurück zum Perspektivenwechsel. Zwei Punkte, von denen ich vor der Messe als sicher ausgegangen bin, haben sich als Vorurteil erwiesen. Zum einen habe ich angenommen, dass die Zeit von 9 bis 18 Uhr nur sehr zach vergeht, wenn man die meiste Zeit am Messestand verbringt. Was aber nicht stimmt. Es ergeben sich permanent unterschiedliche, spannende Gespräche und zum Schauen gibt´s sowieso viel. Was da alles für Leute vorbeigehen… 😉 Zum Anderen habe ich mir die zwei Messetage viel anstrengender vorgestellt. Es gibt eindeutig schlauchendere Tätigkeiten als den ganzen Tag mit Gleichgesinnten über sein Lieblingsthema zu sprechen.

Aber auch die Zeit vor und nach dem Publikumsansturm hat ihren Reiz. Der geschäftige Aufbau Freitag vor der Messe gibt nicht ganz so eingespannten Ausstellern wie mir die Chance, ganz in Ruhe und ungestört durch die Hallen zu flanieren und Fotos zu machen, ohne ständig mindestens sieben andere Besucher im Hintergrund mit drauf zu haben.

Besonders der Abend nach dem langen Messe-Samstag war in Sachen Atmosphäre großartig. Die Besucher werden weniger und sind irgendwann ganz weg. In den Hallen kehrt wieder Ruhe ein. Und plötzlich ist Zeit, sich mit der Besatzung anderer Clubstände über die Ausstellungsstücke auszutauschen, ein Glas Wein zu trinken oder einfach nur den Tag zu besprechen.

Da ging´s am Sonntag schon hektischer zu. Eine halbe Stunde vor Messe-Ende beginnt der Rückzug. Stände werden abgebaut, Autos eingeräumt. Und Punkt 17 Uhr fahren die ersten Aussteller auch schon ab. Schade eigentlich. Ein bisschen genießen und „Nachlaufen lassen“ hätte schon noch sein dürfen.

Nichtsdestotrotz – Schön wars. Interessant auch. Und teilweise sogar überraschend. Ich denke, das schreit nach einer Wiederholung. Dann aber etwas professioneller, weil schon mit Anfangs-Erfahrung gesegnet. Ich freu mich.

Lukas

P.S.: Bleibt dran, es folgt der dritte Teil „Oldtimermesse Tulln 2018 – Die stillen Helden“.

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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