Das Leben ist ungerecht

Jawohl, ungerecht isses! Die einen rackern sich 30 Jahre ab und niemand nimmt davon Notiz. Und andere sind nur schön, cool oder liegen auf der faulen Haut. Und trotzdem fliegen ihnen die Sympathien zu.

Was auf viele Menschen zutrifft, lässt sich auch in Teilen meines Fuhrparks beobachten.

Seit Anfang 2015 fahre ich meinen treuen 89er Mitsubishi Pajero V6 „Fifty Shades of Brown“ im Alltag. Sommer wie Winter, in Stadt und Land, auf Autobahnen und Bergstraßen.

Ein Gesicht in der Menge, das auffällt. Der Meinung bin zumindest ich. Doch – keine Reaktionen auf den Wagen. Gar nichts. Niemand hat mich außerhalb von Autotreffen je auf dieses Fahrzeug angesprochen. Ist ja auch kein gelber Bentley, daher hab ich mir das auch gar nicht erwartet. Bis…

… ja bis mir ein 89er BMW 730iA in Luxorbeige zugelaufen ist. Den ich zwischenzeitlich auch im Alltag bewege, wenn weitere Strecken anstehen oder ein seriöser Auftritt gefordert ist.

Nichts besonderes eigentlich, nur ein fast wertloser alter BMW. Und doch eine ganz andere Welt. Auf Supermarkt-Parkplätzen sprechen mich ältere Herren mit Skoda-Schlüssel in der Hand an und erzählen mir von ihren längst vergangenen BMW-Fahrer-Tagen. Auf Autobahn-Raststätten umkreisen ihn polnische Urlauber auf dem Weg nach Kroatien. Und beim letzten Tankstopp ruft ein grau melierter Herr im Anzug „Geile Kiste“ zu mir rüber, während er seinen Außendienstler-Passat betankt.

Das hätte ich beim besten Willen nicht gedacht. Gut, der 7er ist im Gegensatz zu fast allen anderen alten BMWs nicht verbastelt, nicht modifiziert oder anderweitig „böser“ gemacht worden. Keine „M“-Embleme verhunzen seinen Heckdeckel, keine weißen Blinker ruinieren sein Image. Und einwandfrei erhalten ist er auch. Aber dass ihn das schon zum Eyecatcher und Sympathieträger macht?

Lukas

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Elektrisierend!

Und wieder ein Blick über den Tellerrand, diesmal von Gastautor Roman, der schon das eine oder andere Mal für Abwechslung gesorgt hat:

Ich hab die Zukunft gesehen! Ich war bei den…

E-Mobility Play Days

Elektroautos also. Sie sollen die Zukunft der Mobilität sein. Neugierig wie ich mal bin, nehme ich die Chance wahr und begebe mich zum „Spielberg“.

Anscheinend hatten diese Idee mehrere und so stand ich schon um 8:45 Uhr in einer langen Warteschlange beim Eingang zum Red-Bull Ring. Um Punkt 9 war dann Einlass und die Masse setzte sich in Bewegung zu den diversen Ausstellern. Ich pilgerte gleich zur Anmeldung für die Probefahrten der Elektro-Autos. Nach dem obligatorischen Anmeldeprocedere und einen 15-minütigen Fußmarsch zum kleinen Nordring, war ich endlich am Ziel meines heutigen Tages: die Zukunft.

Um mich dorthin zu beamen, standen 5 verschiedene Maschinen zur Verfügung: Der BMW i3, der VW E-Golf, der Renault Zoe, der Nissan Leaf und der Hyundai Ioniq. 

Ab in die erste Zeitmaschine namens BMW i3.

Nach dem Entern der Fahrerkabine streichen Auge und Hand über einen Materialmix der den Bogen von Hartplastik über Stoff, Leder und sowas wie Glasfasergewebe (genauer: Kenaf-Fasern in den Türverkleidungen und am Armaturenbrett) spannt. Auch das Design des Interieurs ist extravagant. Lediglich die Steuereinheit für das Getriebe könnten sie bei einem früheren Citroen-Modell abgekupfert haben. Tja, früher war Citroen seinen Konkurrenten noch um Lichtjahre voraus.

Einsteigen, angurten, Bremspedal und Startknopf gleichzeitig betätigen, Wählhebel auf D, Fahrpedal sanft durchdrücken und nach dem automatischen Lösen der elektronischen Handbremse setzt sich der i3 in Bewegung. Da ich schon zweimal das Vergnügen hatte, einen Tesla (Model S & X) zu fahren, war ich von der Geräuschkulisse des i3 nicht überrascht. Zumindest bis 80 Km/h. Darüber vereinen sich Abroll- mit Windgeräusche. Aber es wird nicht unerträglich. Der Golf und vor allem der Leaf sind aber erheblich leiser. Was der i3 von allen am besten kann ist Rekuperieren. Zumindest ist bei ihm die Bremswirkung am höchsten, wenn man vom Fahrpedal geht. Erstaunlicherweise ist das Kurvenverhalten trotz der schmalen Räder (155/70 R19) sehr gut. Auf Wunsch gibt es sogar 20 Zöller! Erinnert mich irgendwie an die Räder von Pferdekutschen.

Leider ist dann auch schon die kleine Runde um und wir müssen zurück in den Stall mit unserer Kutsche. Als nächstes der VW e-Golf.

Beim Einsteigen gibt´s keine Überraschungen, ganz wie bei VW gewohnt. Bis auf das Aktiv-Info-Display, das die herkömmlichen Armaturen ersetzt, sehe ich einen gewöhnlichen Golf-Innenraum. Das kann man jetzt für gut oder schlecht halten. Geschmackssache.

Noch schnell Sitz und Lenkrad auf meine Körpermaße einstellen und los geht´s. Der Instruktor wartet schon direkt vor mir mit dem i3 und setzt sich dann auch sogleich damit in Bewegung. Auf dem Rundkurs, ziemlich am Anfang, kann man bei jeder Zeitmaschine gleich mal die Beschleunigung testen. Und da fällt mir auf, dass der i3 den e-Golf ein wenig abhängen kann. Anfangs dachte ich, es liegt am geringeren Gewicht des i3 und auch daran, dass wir zu zweit im e-Golf unterwegs waren. Im späteren Studium des Prospektmaterials zeigte sich klarer, warum der i3 die etwas besseren Fahrleistungen besitzt: er ist nicht nur um gute 200 Kg leichter, er hat auch noch den stärkeren Motor – 125 Kw (170 PS) zu 100 Kw (136 PS).

Angesichts dessen bin ich dann wieder überrascht, dass der Golf  doch sehr gut mit dem i3 mithalten konnte. Und, wie schon erwähnt, ist der Golf viel komfortabler als der i3. Sei es bei der Sitzposition; beim Sitzkomfort – vor allem hinten; bei den Innengeräuschen und beim Kofferraum. Da loost der i3 ja völlig ab! Die Bremswirkung beim Rekuperieren ist beim Golf wiederum ein schlechter Witz. Selbst in der höchsten Stufe. Diese Bremswirkung habe ich auch bei meinem alten Diesel. Zuhause. In der Gegenwart. Und wenn man das einmal gewohnt ist, und seinen Fahrstil dementsprechend anpasst, kommt man für eine sehr lange Zeit ohne Fußbremse aus und lädt auch noch den Akku so nebenbei wieder ein Stückchen auf. Super!

Die kurze Runde ist schon wieder um und ab geht´s zum nächsten Kandidaten: Den Nissan Leaf.

Auf der Fahrertür begrüßt mich ein Aufkleber: Das meistverkaufte Elektroauto der Welt. Kunststück, die waren ja auch einer der ersten! Na, dann. Auf die Tür und rein mit mir! Als erstes fällt mir gleich der Sitz unangenehm auf. Ich habe sicher nicht den breitesten Hintern, aber die Sitzfläche ist anscheinend für japanische Konkubinen entwickelt worden. Es zwickt ganz schön an den Seiten meines musculus gluteus maximus. Könnte auf längeren Strecken durchaus unangenehm werden. Das Lenkrad ist auch nur in der Höhe justierbar, was einem eine sprichwörtliche Haltung wie der Affe auf dem Schleifstein einnehmen lässt. Nix für mich. Na ja, fahren wir erst mal. Und siehe da: Er ist leiser als seine beiden Vorgänger. Sehr gut. Ich finde, dass macht das Elektro-Auto fahren aus. Wenn schon, denn schon. Da will ich das volle Programm haben. Mit all dem Komfort, den alle versprechen.

Leider kann ich keine Aussage zur Beschleunigung des Leaf machen, da mittlerweile mehr Leute den weiten Weg zum Nordkurs gefunden haben und mich mit ihrer unerhört langsamen Fahrweise zur Weißglut bringen. Es kann doch bitte nicht so schwer sein, mit einem voraus fahrendem Fahrzeug, einigermaßen Schritt zu halten. Zumal der Instruktor über Funk auch noch die Anweisung gibt, genau auf diesem Abschnitt die volle Beschleunigung des Kfz auszutesten und gleich darauf die Rekuperationsphase einzuleiten. Im Klartext: Voll rauf auf Fahrpedal – wieder runter. Das schaffen die Meisten nicht! Warum nur??? Ich verstehe es einfach nicht! So bleibt mir halt nichts anderes übrig, als über das merkwürdig gestylte Hartplastik-Armaturenbrett des Leaf zu staunen und mich über den schlechten Seitenhalt der Sitze zu wundern.

Auch diese Runde geht vorbei und ich stürze mich in die Nächste mit dem Renault Zoe.

Hier wundert es mich nicht, dass er einer der günstigsten ist. Ist das Design außen noch einigermaßen okay, erkennt man im Inneren: Aha, die haben die Großserientechnik vom Clio übernommen. Und dazu noch das ganze Hartplastik, dass die anderen Hersteller wegwerfen. Zumindest kann ich mich auf eine billige Imitation eines günstigen Leder-Imitates setzen. Leider nicht höhenverstellbar. In der heutigen Zeit – und auch in der Zukunft – ein Unding. Selbst mein 34 Jahre alter Oldtimer hat eine Sitzhöhenverstellung!

Dafür gibt die Bedienung des Zoe keine Rätsel auf. Man kennt sich sofort aus und es gibt auch noch einen „normalen“ Handbremshebel. Legen wir los.

Ui. Ist der laut! Unglaublich! Selbst bei Kriechtempo surrt es im Innenraum wie wenn sich alle Streicher eines Orchesters vor einem Konzert warm spielen. Das legt sich aber bei höheren Geschwindigkeiten wieder. Denn dann ist die Zeit für alle anderen Geräusche gekommen, die ein Auto ohne Verbrennungsmotor nur machen kann. Die Fahrleistungen kann ich wieder nicht austesten. Oder bin ich diesmal der Langsame? Egal, ich schau das ich die Runde schnell hinter mich bringe, denn ich möchte mich nicht jedes Mal, selbst bei der geringsten Kurve, fürchten, dass ich vom Sitz rutsche.

Und ich meine jetzt nicht, dass der Zoe so exorbitant hohe Kurvengeschwindigkeiten herausfahren kann…

Nix wie raus aus dem Kacherl, und rein zur letzten Zeitmaschine, den Hyundai Ioniq.

Aussen, wie innen ein gefälliges Design, sowie eine sehr gute Sitzposition kennzeichnen den Europäischen Koreaner. Und da ich noch ein wenig Zeit habe, bevor sich die Kolonne vor mir in Bewegung setzt, nehme ich mir den Innenraum zur Brust. Siehe da, das obere Drittel des Armaturenbretts besteht aus geschäumten Kunststoff. Die Armaturen haben eine schöne Grafik spendiert bekommen und im Fond kann man sogar einigermaßen würdig sitzen. Nur der Kofferraum ist, trotz großer Heckklappe, nicht so gut nutzbar, da eher flach gebaut. Meiner Vermutung nach ist das den darunter liegenden Akkus geschuldet.

Egal, rein und los. Auf den ersten Metern fühlt er sich ganz gut an. Das Fahrwerk verdient diese Bezeichnung auch und die Geräusche halten sich nur dort auf, wo sie hingehören: Dezent im Hintergrund. Fahrleistungsmäßig merke ich, der kann was. Der will mehr. Also pfeif ich auf die Etikette und überhole die Schnecke vor mir. Mit lautem Fluchen in Richtung Vordermann zieh ich an Ihm vorbei und bin obschon meines Ärgers verwundert, wie sich der Ioniq ins Zeug legt. Ich wähne eine ähnliche Leistung wie im i3. Oder kommt es mir nur so vor, weil die 2 vorherigen e-Mobile eher mau denn wow anzogen. Nach meinen späteren Recherchen fand ich leider nur heraus, dass der Ioniq 88 Kw (120 Ps) an Leistung abgibt. Klingt nicht nach viel, geht aber gefühlt sehr gut. Bin angenehm überrascht von dem Ding.

 

Und das Fazit?

Kaufen würde ich mir keinen von den 5. Dafür sind sie viel zu teuer und machen, ganz im Gegensatz zu einem Tesla, kaum bis gar keinen Spaß. Viel mehr Spaß hatte ich an diesem Tag jedoch mit einer ganz anderen Zeitmaschine. Einem Haibike Xduro AllMtn 10.0. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…

Roman

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Über den Wolken…

Unsere Straßen werden immer ungemütlicher. Der Verkehr nimmt zu, der Psychokrieg hinterm Lenkrad auch. Genervte Pendler drängeln sich zu den Hauptverkehrszeiten mit dem Messer zwischen den Zähnen durch die Lande. Trotz immer schärferer Kontrollen scheint die Zahl an Alkolenkern und Handytelefonierern, oft mit den entsprechenden Unfallfolgen, nicht weniger zu werden. Gerade in der warmen Jahreszeit finden sich kaum noch ruhige Landstraßen, um das Fahren an sich in Ruhe zu genießen.

Und da kommt die Fliegerei ins Spiel.

Ein kleines Flugzeug ist ja einem Auto nicht ganz unähnlich. An der Front dröhnt ein Motor, man sitzt hinter unzähligen Armaturen und bewegt sich lenkend bzw. steuernd vorwärts. Mit einem großen Vorteil: Der Luftraum über Österreich ist groß, auf Hobbyflughöhe relativ leer und die Freiheit muss dort oben wohl wirklich grenzenlos sein. Wäre das eine Alternative zur Autospinnerei, die einem nicht nur aus obigen Gründen zunehmend verleidet wird? Hinzu kommt die Tatsache, dass die Autofahrt zum Flugplatz und vom Flugplatz heimwärts das Gefährlichste am Fliegen ist. 😉

Da hilft nur eines: Es auszuprobieren!

Also rein in den Motorsegler der Type „SF-25 C Falke“ der Firma Scheibe Aircraft aus dem Jahr 1983 und ab in die Lüfte! Der kleine „Limbach“-Boxer, der übrigens auf dem Motor des VW Käfer basiert, macht mächtig Radau, sorgt aber schon auf dem Rollfeld für Ernüchterung. Ganz schön lahm, das Ding. Und verdammt eng. Kaum Platz für Arme und Beine, mit meinen Einssechsundachtzig bin ich schon an der Grenze. Aber macht ja nichts, ein Toyota 2000GT ist noch viel enger.

Hebt das kleine Ding nach langem Anlauf dann endlich ab, tut sich eine andere Welt auf. Schnell wird einem klar, dass der Flug mit einem Airbus in den Urlaub nichts mit „echtem Fliegen“ zu tun hat. Es dröhnt, es schüttelt, es vibriert. Und zwar alles um einen herum. Gerade für einen Anfänger ist es schwer, die Instrumente und den Horizont im Blick zu behalten und gleichzeitig eine saubere Linie zu fliegen. Und als ob das nicht schon genug der Aufregung wäre, gibt´s da ja noch den Fluglehrer am Nebensitz. Der plötzlich das Bedürfnis hat, einem zu zeigen, wie ein Motorsegler reagiert, wenn es zu einem plötzlichen Ströhmungsabriss kommt…

Oh Gott, das ist nicht lustig! Auch wenn sich das Ding nach einem kurzen Abkippen der Front sofort wieder fängt, bleibt als Erinnerung an dieses Manöver doch eine blasse Gesichtsfarbe zurück. Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, ist es laut Fluglehrer gleich darauf Zeit, mit heftigen Kurven und anderen Manövern G-Kräfte auf den Körper wirken zu lassen, die man im Auto hoffentlich nie erleben muss. Boah, da drückt´s dich in den Sitz. Jetzt stellt sich auch die schon länger erwartete Übelkeit ein. Also am besten stur nach vorne schauen und sich mit der Überwachung der Motordrehzahl ablenken…

Ich befürchte, es ist kein gutes Zeichen für eigene Flugschein-Ambitionen, wenn man mit Erleichterung feststellt, dass die Flugstunde vorbei ist und der Landeanflug bevorsteht… Und wenn dann nach geglückter Landung die Räder wieder den Boden berühren, ist es wohl Zeit. Zeit, sich einzugestehen, dass man nicht zum Fliegerass geboren ist.

Und eines steht auch fest: An diese Freiheit, die da über den Wolken herrscht, muss man sich gewöhnen. Denn woher soll man überhaupt wissen, wohin man fliegen soll, wenn es keine Bodenmarkierungen gibt? 😉

Lukas

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