Elektro-Power – Fluch oder Segen?

Ich bin´s, der alte Spielverderber. Diesmal möchte ich mitten in die Elektroauto-Euphorie, die dank Tesla auch unter Autofreaks zunehmend um sich greift, reingrätschen.

Denn mir treibt da eine Tatsache Sorgenfalten ins Gesicht:

Jeder, der schon einmal ein modernes Elektroauto (Nein, Zoe und Leaf gehören da nicht dazu! 😉 ) gefahren hat oder auch nur mitgefahren ist, kennt die brachiale Beschleunigung dieser Dinger. Insbesondere ein Tesla zieht dir die Falten aus dem Gesicht und beschert sämtlichen Beifahrern bei überraschendem Vollgas ein Schleudertrauma.

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Das momentane Topmodell, das Tesla Model S P100D, braucht für den Standardsprint von Null auf 100 km/h nur 2,7 (!) Sekunden. Was es zum schnellsten Serien-Automobil der Welt mit vier Türen  macht. Und selbst das aktuell langsamste Modell von Tesla, das Model X60D SUV, ist in 6,2 Sekunden auf 100. Tesla selbst nennt diese Beschleunigungswerte „ludicrous“, was soviel wie „haarsträubend“ oder „grotesk“ bedeutet.

Ausnahmewerte einer elitären Marke? Keineswegs. Der Ampera-e, Elektro-Kleinwagen von Opel, beschleunigt in 7,3 Sekunden auf 100. Der BMW i3 braucht mit 7,2 Sekunden auch nicht länger.

Der Grund für die Sorgenfalten?

Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos  wird die Geschwindigkeit des Fließverkehrs und damit die Überforderung vieler Verkehrsteilnehmer noch einmal zunehmen. Elektroautos beschleunigen deutlich flotter als ihre Verbrenner-Pendants und vor allem kann damit sofort jeder schnell sein, egal ob er Fahren kann oder nicht.

Um in einem Golf 1.6 TDI mit 110 PS die Werksangabe von 11 Sekunden auf Hundert zu schaffen, muss der Start optimal gelingen und jeder Schaltvorgang perfekt sitzen. Beim BMW i3 musst du nur Vollgas geben und 7 Sekunden warten, bis „100 km/h“ am Tacho steht. Das gelingt immer.

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Hinzu kommt die psychologische Komponente. In einem Verbrenner spielt es sich bei voller Beschleunigung mächtig ab. Der Motor heult auf, der Auspuff macht Radau, durch mehrmaliges Schalten wird die Geschwindigkeitszunahme erlebbar. Mit einem Elektroauto aber beschleunigst du auch in der Stadt beinahe lautlos, völlig unaufgeregt und wie auf Knopfdruck so irrsinnig schnell, dass der Führerschein sofort futsch ist.

Sehr schnell sehr schnell sein, das ist mit einem Elektroauto schon jetzt viel einfacher und viel diskreter möglich als mit den bisher bekannten Verbrennern.

Ich bin gespannt, ob es eine kollektive Eingewöhnungszeit mit deutlich gestiegenen Unfallzahlen braucht, bis sich die Allgemeinheit an Beschleunigungswerte gewöhnt hat, die früher nur reinrassige Sportwagen gestemmt haben. Oder ob vorher schon der Ruf nach einer Drosselung der Leistung, etwa für Fahranfänger, laut wird. Denn wenn die Entwicklung auf dem Elektro-Sektor so schnell weitergeht wie bisher, wird es nicht mehr lange dauern, bis sämtliche E-Autos so pervers schnell und doch völlig mühelos auf 100 hüpfen können wie ein Tesla.

Lukas

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„Du entschuldige, i kenn di…“ – Letzter Akt

Auf geht´s zum letzten Akt der scheinbar doch nicht endlosen Geschichte rund um einen Salzburger Opa, den es nach Holland verschlagen hat.

Zum Einstieg und zur Auffrischung eurer Kenntnisse möcht ich euch bitten, die Geschichte hier noch einmal nachzulesen: Du entschuldige, i kenn di…

unbenannt

Kurz zusammengefasst: Im Jänner 2010 taucht bei Ebay einer der letzten in Österreich überlebenden Pajero der allerersten Serie (Modelljahr 1983/84) auf. Ich werde überboten, der alte Haudegen geht an jemand anderes. Ende 2013, also fast vier Jahre später, taucht er wieder auf. Inseriert bei einem großen Oldtimer-Händler in Holland. Schaut noch komplett gleich aus wie damals in der Ebay-Auktion, ich erkenne ihn nach drei Jahren sofort wieder.

Der Anruf in meinem besten Oxford-English („Would you please be so kind as to…“) war dann nur noch Formsache, mein faires Angebot wurde aber sofort abgelehnt. Blöd gelaufen, war wohl nichts. Soweit, so bekannt.

Doch die Geschichte geht noch weiter. Vorhang auf für den letzten Akt:

Anfang 2015. Der alte Salzburger ist immer noch inseriert, mittlerweile schon über ein Jahr. Ich schreib dem Verkäufer, mit dem ich Ende 2013 schon einmal gesprochen habe, eine Mail. Bin immer noch interessiert, mein Angebot steht. Zurück kommt folgende Mail:

Hello Mr. Wieringer!

At this moment we have no carpapers at all, because of a robbery

It is hard to get them back

We will take it out of the internet right now

Na super, angeblich wurde der Typenschein gestohlen. Und kurz darauf verschwindet auch das Inserat. Fünf Jahre nach der Ebay-Auktion wird die Chance, den Wagen doch noch in meine Obhut zu bekommen, immer geringer. Ein paar Monate später, mittlerweile ist es Spätsommer 2015, erlaube ich mir noch einmal, wegen dem Pajero nachzufragen. Ob denn schon eine Lösung für die fehlenden Papiere gefunden wurde und was jetzt mit dem Fahrzeug passieren soll. Weil ich immer noch ernsthaftes Kaufinteresse habe. Man glaubt es kaum…

Als Antwort kommt nur noch ein kurzes, knappes

NO Papers!

Das war´s dann wohl. In Leek im Nordosten Hollands verlaufen die Spuren des Salzburger Erstserien-Pajeros im Sand. Schade eigentlich. Wenn ich ihn damals, vor mittlerweile sieben Jahren, ersteigert hätte, wäre es ihm wohl deutlich besser ergangen. Schade.

Doch manchmal, da denk ich an die Kiste und frage mich, was damit wohl passiert ist.

Lukas

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Also doch eine Preisblase?

Wir alle wissen: Bei gängigen Mainstream-Oldtimern gelten Preisnotierungen als Anhaltspunkt zur Wertermittlung, vergleichbar mit der Eurotax-Liste bei jungen Gebrauchten. Auf diesen Preisen, basierend auf Marktbeobachtungen, fußt dann der Marktwert. Soweit die Theorie.

Und doch gibt´s immer wieder Ausreißer nach oben, die die Szene ratlos zurück lassen.

Als Beispiel muss ein Mercedes-Benz 230TE aus dem Jahr 1981 herhalten. Classic Analytics führt das Modell in gepflegtem Zustand zwischen 9.400€ und 12.600€. Verkauft wurde genau so ein Exemplar vor einigen Monaten von All Time Stars, der Youngtimer-Verkaufsabteilung des Mercedes-Benz-Museums, um 52.900€. Zwar mit nur etwas mehr als 40.000 Kilometern auf der Uhr und in wirklich tollem Zustand, aber 52.900€?!?!?

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Wer hat wohl dieses Auto gekauft? War das auch einer dieser „Garagengold-Investoren“, der sich dachte, mit einem „Klassiker in Topzustand“ könne man als Wertanlage nichts falsch machen, die Wertsteigerung stehe quasi schon vor der Tür? Ich zerstöre diese Erwartungen nur ungern, aber so alt werden wir alle nicht mehr, bis der 230TE auch nur annähernd 52.900€ wert ist.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Wie wäre es mit diesem 86er 300E W124:

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Mit knapp über 100.000km auf der Uhr bietet er laut Beschreibung „noch Potenzial für Restaurierungsarbeiten“. Preis? 19.950€. Als Anhaltspunkt die Preisnotierung bei Classic Analytics: 8.000€ in gepflegtem Zustand.

Klar, in Krisenzeiten wendet man sich alternativen Formen der Geldanlage zu. Seien es Immobilien, Gold, Grundstücke oder eben alte Autos. Die knapp 20.000€ für einen mittelprächtigen W124er oder über 50.000€ für einen wirklich tollen S123 sind aber nicht besonders gut angelegt.

Gibt es entgegen aller gegenteiliger Beteuerungen vielleicht doch eine Preisblase am Old- und Youngtimer-Markt, die bald platzen könnte? Oder rechtfertigen Zustand oder Herkunft wirklich so extreme Ausreißer nach oben?

Lukas

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