400 Coronas in der Tschechoslowakei

„Im Ostblock, da gab´s ja nur Trabant, Wartburg, Skoda und ein paar Wolgas.“ So hört man es zumindest immer, wenn die Rede auf den Osten Europas zu Zeiten des Eisernen Vorhangs kommt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Wer hätte etwa gedacht, dass es schon 1971 in Prag einen Toyota Corona – Hochzeitskonvoi gab?

Fotos: Premysl Slezák

Doch wie kam es dazu?

Der tschechische Toyota-Sammler und Marken-Historiker Premysl Slezák klärt auf:

„Im Jahr 1970 wurden 400 Stück des Toyota Corona RT40 in die Tschechoslowakei importiert. Aber nicht auf dem offiziellen Weg über die Toyota Motor Corporation. Sondern als Gegengeschäft für Zetor-Traktoren, die aus der Tschechoslowakei nach Japan gingen. Daher war der offizielle Importeur auch die UNICOOP Japan. Was übersetzt soviel wie „Union der Bauern, Waldbesitzer und Fischereien“ heißt. Und um sich in der damaligen Tschechoslowakei gegenseitig beim Unterhalt der seltenen Fahrzeuge zu unterstützen, wurde schon 1971 der „Toyota Club Czechoslovakia“ gegründet. Wohl der erste und älteste Toyota-Club Europas.“

Foto: Premysl Slezák

Die meisten von euch werden aber gleich noch überraschter sein: Jeder, der die Pichert-Sammlung besucht hat, hat schon einen dieser 400 „tschechischen Corona“ gesehen. Das hellblaue Exemplar mit den unübersehbaren Spuren eines behüteten Ostblock-Alltags in der Sammlung von Toyota Deutschland ist einer davon:

Leider ist diese Fußnote der tschechoslowakischen Geschichte im deutschsprachigen Raum völlig unbekannt. Was sich aber soeben geändert hat. 😉

Lukas

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Finnland. Kein Wintermärchen

Klingt nach Märchen, ist aber Realität: Da kauft ein schrulliger Brite aus Birmingham einen irrsinnig raren 1969er Datsun Cedric 130 Deluxe Kombi vollgeräumt mit Ersatzteilen im äußersten Osten Finnlands und fährt damit, im Dezember, auf eigener Achse heim. 😮

Mehr als 3000 Kilometer durch den winterlichen Norden in einem Auto aus dem Jahr 1969, von dem in ganz Europa noch vier (!) überlebende Exemplare bekannt sind.

Dieser Cedric ist aber bei weitem kein originaler Survivor mehr, sondern wurde vor etwa zehn Jahren komplett restauriert und im Zuge dessen umgebaut. Die Lenkradschaltung musste einer moderneren Automatik mit Wählhebel auf dem Mitteltunnel weichen. Der Motor stammt aus einem Datsun 260Z und bringt deutlich mehr Leistung als der originale 2 Liter. Und weil die auch Kontrolle braucht, stecken rundum Scheibenbremsen unter den originalen Radkappen. Im Zuge des Neuaufbaus gab´s auch verstärkte Stabis vorne und hinten, ein elektrisches Schiebedach aus einem W201er Benz, moderne Einzelsitze mit Kopfstützen vorne statt der durchgehenden Bank und eine nachgerüstete Servolenkung.

Zufällig liegt das Volvo-Museum in Göteborg auf dem Heimweg in die West Midlands, also kann man den Schweden gleich zeigen, wie elegant ein Kombi aussehen kann.

Das Foto hat er wohl mit Stativ gemacht, denn wegen der ganzen Ersatzteile – eh scho wissen – war einfach kein Platz mehr für einen Co-Piloten. Von Sommerreifen über unzählige Zierteile bis hin zu Stoßstangen, Dichtungen, Blechen und Scheiben ist da alles drin, was man hoffentlich nie braucht.

Und weil eine solche Reise noch nicht verrückt genug ist, spukt schon wieder eine neue Idee im Kopf des Neo-Besitzers herum, wie er mir erzählt hat. Man könnte dem Wagen doch seinen Geburtsort zeigen. Nein, nicht den Ort seiner Auferstehung im finnischen Osten namens Kesälahti. Sondern Yokosuka in Japan. NaHimmelHerrGott, der macht das wirklich!

Die spinnen, die Briten! 😉

Lukas

Alle Fotos: James Railton

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Melancholie…

… im Dezember.

Schnee legt sich über heimische Wohnsiedlungen, die Temperatur bleibt unter Null. Einsam und verlassen steht einer, der seine Garage schon länger für einen Jüngeren räumen musste, im Dezember-Nebel und wartet auf Erlösung.

Leere Scheinwerfer-Augen starren auf die Betonklötze rundum. In seinem traurigen Blick liegt die Gewissheit, dass es wohl nie wieder zurück auf die Straße gehen wird. Zahlreiche Rostnarben zeugen von 29 ereignisreichen Jahren. In denen es mehr Streusalz als Handwäschen und mehr Feldwege als trockene Garagenplätze gab.

Und doch – er hat auch gute Zeiten erlebt. Es gab da jemanden, der sich gekümmert hat. Der nach jedem Reifenwechsel die Radkappen wieder montiert und die Reifen gewissenhaft mit „RH“ und „LV“ beschriftet hat.

Ob er öfters an diese noch gar nicht so lange zurückliegenden, behüteten Zeiten denkt? Damit ist es jetzt wohl vorbei, die Zukunft hält für ihn nichts mehr bereit.

Oder doch? 😉

L

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