Gastbeitrag: Das grüne Wunder

Heute hab ich eine spannende Kurzgeschichte eines Lesers für euch. Holt euch Chips und schon kann´s losgehen:

Oktober 2017. Nass, kalt, windig … kein Wetter bei dem man draußen etwas machen will. Schon gar nicht mit seinem Japan-Oldie, der ja keinen schlechten Widrigkeiten ausgesetzt werden soll. Also wird ein wenig auf dem Sofa gesurft, am besten auf einschlägigen Internetseiten, auf denen man eventuell noch den ein oder anderen zusätzlichen Oldie finden könnte. Einer steht ganz oben auf der Wunschliste, seit Jahren: Datsun Sportcoupé in grün. Warum aber genau so eines?

1985 kam der Film heraus „Zurück in die Zukunft“, gespickt mit alten Japanern. Einer davon war ein Datsun B210 Coupé in grün, markant mit seiner muskulösen Seitenlinie und dem elegant sportlich auslaufenden Heck. Welcher Fan will hier nicht „Zurück in die Vergangenheit“ reisen, um so ein Auto für sich zu sichern.

Ich habe gerade alle Daihatsu durch – viele sind es ja nicht mehr – und komme in alphabetischer Reihenfolge zu Honda, als ich von einem Freund einen Link bekomme: „Datsun Coupé in Grün“.

Nach einer kurzen Danksagung per WhatsApp, man will ja keine Zeit verlieren aber trotzdem höflich sein, und Durchsicht der Inseratsbilder, war klar, dass es jetzt um jede Minute geht. Also sofort anrufen mit der Hoffnung, alles dingfest zu machen. Doch nichts außer der Mailbox! Ist es am Ende ein Fake-Inserat, Lug und Trug? Warum passiert mir sowas? Soll ich noch einmal anrufen? Soll ich noch öfter anrufen? Die Minuten vergehen, als wären es Stunden, Tage, Wochen. Die Gefühle fahren Achterbahn.

Nach ungefähr zwei Stunden, gefühlt Tage, plötzlich ein Anruf mit der Telefonnummer aus dem Inserat. Jetzt heißt es Ruhe bewahren, die richtigen Worte finden, die richtige Gesprächsbasis bekommen. Die Stimme am anderen Ende nimmt mir sofort die Aufregung, wirkt sehr beruhigend und wir machen uns für den nächsten Tag ein Treffen aus. Beruhigend war auch, dass ich der erste Anrufer war und somit auch ein wenig ein Vorrecht hatte.

Jetzt musste nur noch das Geld organisiert und der Anhänger startklar gemacht werden. Ein wenig Schlafen wäre zusätzlich auch noch gut, damit man für den eventuellen Autotransport fit ist.

Der Wetterbericht für den wichtigen nächsten Tag war nicht so schlecht, nur Kälte und leichter Wind, von Regen oder Schnee sollten wir verschont bleiben.

Nach knapp drei Stunden Autofahrt waren wir am Ziel. Ein abgelegenes Haus mit großer Scheune, wo wir das Objekt der Begierde vermuteten. Ein kurzer Anruf beim Hausherrn und schon öffnet sich das Scheunentor mit dem Inhalt, den wir erhofften, aber dennoch um einiges positiver überrascht wurden. Da stand nun der Japan-Oldie in seiner Pracht! Ein grünes Datsun Violet Coupé, Baujahr 1977, Typenbezeichnung 160 J SSS, also das absolute Topmodell dieser Baureihe.

Nach einem kurzen Rundgang ums Auto und einer kleinen Inspektion des Innenraumes und auch des Motorraumes war nun eine Probefahrt angesagt. Zuerst als Beifahrer, da man ja nichts falsch machen wollte, bei so einem besonderen Wagen mit links befindlichem Zündschloss und einem Sportgetriebe mit dem ersten Gang hinten links.

In dieser abgeschiedenen Gegend war eine ausgiebige Probefahrt möglich, ohne Sorge haben zu müssen, ungeduldige Autofahrer mit zu gemütlicher Fahrweise zu nerven.

Nach der Ausfahrt hieß es ordentlich zu verhandeln, schließlich ging es für einen alten Japaner ja doch um viel Geld. Uns war aber im Vorhinein klar, dass hier wahrscheinlich nicht ein Cent drinnen ist, daher bohrten wir nicht lange weiter, sondern akzeptierten den im Inserat angeschlagenen Betrag. Für den Verkäufer war es wichtig, dass der Wagen in gute Hände gelangt und mit dieser Bestätigung unsererseits, händigte er uns sogar noch ein dazugehöriges Emaille-Schild der Marke Datsun aus und gab uns noch die originalen Stahlfelgen inklusive Radzierkappen dazu. Diese Geste war uns viel mehr wert, als jeder Nachlass.

Wir verstanden uns alle gleich auf Anhieb und so war die Aufenthaltsdauer nicht nur auf das rein geschäftliche beschränkt, sondern dauerte fast drei Stunden inklusive Plauscherei und Café.

Nachdem der Datsun auf den Anhänger aufgeladen und gesichert wurde, starteten wir wieder unsere drei Stunden heimwärts. Daheim angekommen, wurde das Coupé gleich in der Garage in Sicherheit gebracht und für seinen Winterschlaf vorbereitet. Keine weitere Ausfahrt, kein weiteres Starten des Motors, nichts, damit für den Start im darauffolgenden Frühjahr das heilige Blechle perfekt einsatzbereit ist.

All jene, die jetzt neugierig geworden sind, in welcher Sammlung dieser großartige Violet jetzt steht, muss sich die ab 20. Dezember erhältliche Oldtimer Markt Österreich, Ausgabe 1/2019, besorgen.

Nur soviel: Nein, mir gehört er leider nicht. Auch wenn er mir großartig steht! 😉

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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