Feeds:
Beiträge
Kommentare

Ach wie oft wurde schon gepredigt, dass “wir Autofreaks” doch alle im selben Boot sitzen und daher an einem Strang ziehen sollten. Originalos könnten die Tuner zumindest akzeptieren. und umgekehrt. Euro-Car-Fans auch ein wenig über den Tellerrand in Richtung Japan und Korea schauen. Und Ami-Liebhaber einsehen, dass man auch Autos mit weniger als 8 Zylindern lieb haben kann. Alles nett gemeint, die Realität sieht aber fast immer anders aus!

DSCN1159

Schon beim Trockentraining in Auto-Foren beginnt der Konflikt unter Gleichgesinnten. In dem etwa keine Gelegenheit ausgelassen wird, zu betonen, dass man ja eigentlich gar kein Fan von Japanern/BMW/Franzosen/Vorkriegsautos etc. sei. Unnötig, aber üblich. Damit fängt es im Kleinen an. Und es endet damit, dass beispielsweise VAG-fremde Fahrzeuge in der Nähe von VW-Treffen zerkratzt werden. Traurig. Und auch draußen auf der Straße ist der Konflikt unter Gleichgesinnten stets spürbar. Tuning-Freaks mit modernen Autos drängeln Oldtimer-Fahrer fast von der Straße, weil sie in Kurven halt etwas langsamer fahren müssen. Statt sie als Gleichgesinnte zu akzeptieren. Überholen kann man sie dann ja trotzdem. Sportwagen-Fahrer mustern die Renault 12*-Besatzung beim zufälligen Treffen an der Tankstelle nur mit abfällig-arroganten Blicken, anstatt sie als “Kollegen”, sprich Autofans, zu erkennen. Daher bleibt man lieber unter sich. Schade eigentlich.

Lukas

* Der Renault 12 wurde nur als Beispiel genannt. An dieselbe Stelle kann jedes Old- und Youngtimermodell fernab des Mainstreams gesetzt werden.

Gustieren im Frühstadium

Der letzte Autokauf liegt schon unfassbare 13 Monate zurück und natürlich startet mit den Frühlingsgefühlen und dem schönen Wetter auch die Gustiererei.

Was darf es denn diesmal sein? Das übliche Modell der üblichen Marke, nur in anderer Ausstattung? Oder etwas ganz anderes, der Abwechslung willen? Alt, jung oder fast neu? Ein paar Gedankengänge wären ja vorhanden, wenn auch noch ganz im Frühstadium.

  • Wie wäre es etwa mit der absoluten automobilen Unvernunft? Stichwort viel Hubraum, viele Zylinder, viele PS, viel Komfort, viel Blech, viel Risiko.

Luxus

Ein seriöser früher Audi A8 ohne peinliche S8-Embleme und Sportauspuff-Töpfe müsste doch für relativ kleines Geld zu bekommen sein. Die Lexus GS300 sind zwar selten, aber wenn einer auftaucht, dann meistens unverbastelt. Was man vom BMW 7er E38 nicht häufig sagen kann. Zu viele Idioten, zu viele billige Tuningteile. Die Mercedes-Benz S-Klasse W140 zieht da weniger fragwürdige Möchtegern-Tuner an. Aber wehe, es geht etwas kaputt. Ein defekter Kabelbaum im Motorraum, ein spinnendes Steuergerät oder eine defekte Automatik bedeuten den wirtschaftlichen Totalschaden für Fahrzeug und Bankkonto. Egal welche große Limousine man sich anschafft. Aber die Souveränität beim Cruisen, der herrliche Komfort, die edlen Materialien, die anspruchsvollen technischen Lösungen… Eine Überlegung ist so ein Schlachtschiff durchaus wert.

  • Oder doch lieber robuster Einfach-Technik vertrauen? Etwa in einem Schlachtschiff ganz anderer Couleur?

amis

Auch mit viel Hubraum, vielen Zylindern, viel Komfort und viel Blech gesegnet, und doch ganz anders. So ein alter Ami aus den 1980ern wäre schon kultig. Wer mit Knight Rider und dem A-Team aufgewachsen ist, wird mich verstehen. Vielleicht wird es ein typischer US-Volkswagen, der Chevrolet Caprice Classic? Gemütlich, kultig, zuverlässig und hoffentlich unverbastelt. Oder der Buick Park Avenue. Der Traum gut situierter Pensionisten und das richtige Auto für den Country Club. Ein AMC Eagle 4WD, quasi der Subaru Leone aus den USA, sollte hierzulande auch aufzutreiben sein. Sooo selten war der nämlich gar nicht. Den lange gehegten Kindheitstraum wahr machen und im Pontiac Firebird in den Sonnenuntergang cruisen wie David Hasselhoff in seinen besten Jahren wäre aber auch nicht verkehrt…

  • Ein chinesisches Sprichwort sagt: “Bohre den Brunnen, ehe du Durst hast.”. Also lieber zugreifen, solange es sie noch gibt?

DSCN1655

Die Rede ist von Mitsubishi Pajero V20 Classic (2002 – 2004), Mitsubishi L200 K60T (1996 – 2005) und Mitsubishi Pajero Sport K90 (1998 – 2006). Noch gibt es gute Restexemplare unter 150.000km in halbwegs gepflegtem Zustand mit halbwegs wenig Rost. In einigen Jahren sieht das mit Sicherheit schon ganz anders aus. Dann werden sie alle zusammen geritten und weggerostet sein. Weil sie sind zwar noch nicht alt, aber leider so furchtbar praktisch für Bauern, Holzschlägerer, Erdbewegungsfirmen und Viehhändler. Und die pflegen zwar ihre Sonntagsautos, aber der Arbeitswagen bekommt nur auf den Deckel. Und wer pflegt schon sein Werkzeug so wie seine goldene Taschenuhr? So ein gepflegter, seriöser L200 kann auch als Familienauto glänzen, wenn kein Minibagger am Haken hängt. Und was gibt es für Kinder schöneres, als mit einem klassischen Pajero aufzuwachsen, egal ob Classic oder Sport? Und dann gibt´s da ja auch noch den HDPIC Galloper II (1998 – 2002), der gerade dabei ist, auszusterben. Ob ich dagegen was unternehmen sollte…?

  • Oder einmal was riskieren, aus der eigenen Komfortzone ausbrechen und ein Auto holen, das älter ist als alle vorher?

DSCN5796

Das wäre dann der erste richtige Oldtimer in meinem Youngtimer-Fuhrpark. So ein Toyota Corolla KE25 etwa wäre was schönes. Nicht so übertrieben selten, mit brauchbarer Ersatzteilsituation und einfacher wie zuverlässiger Technik. Oder ein Citroen 2CV, weil sie einfach cool ist mit ihrem Zweizylinder-Geschnatter und den Fahrwerk, das selbst bei Kapitänen für Übelkeit sorgt. Als Dyane sogar noch bezahlbar. Oder ein alter Opel Rekord D, weil er einer der letzten wirklich formschönen Opel war und ist. Und der Tempo Matador muss als Beispiel herhalten für all die unbekannten und ungebliebten Oldies, die fernab des Mainstreams um die Herzen der Underdog-Liebhaber rittern. Das einzige Problem bei dem Plan: Fürs Selberschrauben am Oldtimer bin ich zu wenig Mechaniker und find einmal eine Werkstatt, die sowas gut und bezahlbar macht. Keine Restauration, sondern einfach nur die regelmäßigen Wartungs- und Reparaturarbeiten.

  • Und dann gibt´s da ja noch das eine Modell, dass schon seit Jahren auf der Wunschliste steht. Könnte es dieses Mal was werden mit uns beiden?

autowp.ru_volvo_960_4

Volvo 960/S90, die allerletzte Ausbaustufe der heckgetriebenen Trutzburgen aus Schweden. Mit Reihensechser mit 2,5 oder 3 Liter Hubraum, überarbeitet von Porsche. Mit den bequemsten und sichersten Sitzen der Automobilgeschichte. Formvollendet kantig, entspannend souverän.

Der Kopf brummt, die Gedanken kreisen, der Frühling sorgt für Kauflaune. Bleibt dran, das Gustieren geht vom momentanen Frühstadium bald in die nächste Runde über.

Lukas

“Seid´s es deppad…?”

Wenn einer ein Auto verkauft, dann kann er was erzählen. Momentan mach ich grad auf Autoverkäufer und wie zu erwarten bleiben die skurrilen Momente nicht aus.

Eine liebe Bekannte möchte ihren Kleinwagen loswerden und hat mich geben, den Verkauf in die Hand zu nehmen. Da der Wagen einwandfrei in Ordnung ist und sie keinen Verkaufs-Stress hat, ist der Preis am oberen Rand des Marktes angesiedelt. Selbstbewusst, aber nicht unrealistisch, wie ich finde. Also schnell ein paar schöne Fotos gemacht, Inserate geschalten und gewartet, was passiert. Und da fängt die “Freak-Show Gebrauchtwagenmarkt” auch schon an.

Autohaendler_23

Es vergeht keine Stunde, schon der erste Anruf. Der mit der Frage anfängt, was denn jetzt gekauft wird, denn als Händler könne mir der Anrufer zahlreiche Fahrzeuge anbieten. Hallo, ich möchte was VERkaufen! Aber als Profi müsse er natürlich schauen, dass er so günstig wie möglich einkauft, weil er ja Gewährleistung geben muss und es soll ja auch was hängenbleiben beim Verkauf. Also muss der Preis um ein paar tausend Euro runter. Mindestens! Nach einem elendslangen und ermüdenden Gespräch mit viel BlaBla wird dann auch dem Anrufer klar, dass der Preis nicht tief genug geht, um was zu verdienen. Also legt er einfach auf…

Dann starten die Anfrage-Mails. Die sich in etwa so lesen: “Hallo! Erstens ist eine Ankaufsüberprüfung sowieso einmal Pflicht und zweitens ist der Preis viel zu hoch. Und eine Standheizung hat er auch nicht? Bitte um sofortige Kontaktaufnahme!” Oder auch so: “Hat der Wagen Standheizung, Sitzheizung, fixverbautes Navi und Tempomat?” Zur Erinnerung: Es ist ein einfacher Kleinwagen und die Ausstattung genau angeführt. Und natürlich gibt´s auch die: “Wolle verkaufa? is Pikel? Gebe 1000 eiro. anrufa!”

Der übliche Wahnsinn im Gebrauchtwagengeschäft. Faszinierend, dass offenbar zahlreiche Leute glauben, sie könnten sofort unverschämte Forderungen per Mail stellen und alles würde nach ihrem Kopf laufen, nur weil sie eventuell vielleicht unter Umständen zartes Interesse an einem inserierten Fahrzeug haben könnten. Lächerlich. Der Kunde ist nicht immer automatisch König!

Den Vogel hat heute aber ein Niederösterreicher abgeschossen, der wegen dem Wagen angerufen hat. Nach einem anfangs recht netten Gespräch hat die Wirkung seiner Tabletten offenbar nachgelassen. Plötzlich steigert er sich hinein und glaubt, mich wegen dem grundsätzlichen Preisniveau am heimischen Markt zusammen putzen zu müssen. Denn um 5000 Euro mehr gäbe es das Fahrzeug ja schon neu und warum sollte er dann 10.000 Euro für einen 5 Jahre alten Gebrauchten ausgeben. Und von Privat schon gar nicht! Und sowieso würde der Wagen um den Preis niemals nicht weggehen. Weil das wäre ja schlichtweg unverschämt, so einen Preis aufzurufen. “Seid´s es denn deppad, so vü zan valaunga? Den kriagts es nia weg. Nia!”

Nachdem ich den Zeitgenossen aus der Leitung geworfen habe, stelle ich mir als zurechnungsfähiger Mensch dann doch die Frage, ob alle Verrückten da draußen rund um die Uhr im Internet vor den Gebrauchtwagenbörsen hängen. Dürfte so sein.

Lukas

P.S. Viel hat sich nicht geändert seit 2012: Die andere Seite der Macht

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 25 Followern an