Am rollenden Lagerfeuer

Dezember ist´s, und das ist keine gute Nachricht. Denn jetzt sind die Straßen reichlich gesalzen, das Tageslicht ist sparsam auf ein paar wenige Stunden des Tages verteilt, für Spiel und Spaß mit netten Autos hat vor Weihnachten sowieso keiner Zeit und das Schlimmste – es dauert immer noch mindestens 4 Monate bis zum Frühling.

Also Kopf unter die Decke und den Depressionen freien Lauf lassen?

Kann man machen, muss man aber nicht. Selbst mir als bekennendem Winter-Hasser gelingt es manchmal, dieser Jahreszeit schöne Momente zu entlocken. Etwa dann, wenn ich am rollenden Lagerfeuer sitze…

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Dazu braucht es nur Dunkelheit, eine einsame Landstraße mit möglichst wenig Verkehr, zwei trübe Funzeln als Abblendlicht und einen Wagen, in dem man sich geborgen fühlt. In dem der Geruch der Heizung einen an die eigene Kindheit erinnert.

Und dann geht´s gemütlich durch die Nacht. Der Motor brummt sein monotones Lied und die H4-Scheinwerfer tauchen die Fahrbahn ins schummrige Licht der Vergangenheit. Dass der Wald neben der Straße um diese Jahreszeit dunkler ist als sonst, passt da gut ins Bild. Wenn dann noch Schneeregen einsetzt und alte Hadern im Radio für eine Überdosis G´fühl sorgen, ist sie da. Diese Geborgenheit, die man nur am Lagerfeuer erleben kann. Oder in einem alten Pajero im Advent in den Fischbacher Alpen.

Lukas

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Bescheidenheit ist keine Zier…

Bescheidenheit gilt gemeinhin als edle Tugend. Die allseits vorherrschende Bescheidenheit in der Japan-Youngtimerszene aber, die nervt mich zunehmend.

Zwei Beispiele zur Illustration meiner Frustration:

In Holland ist gerade ein 1983er Mitsubishi Cordia aufgetaucht. Mit ganzen 7447 Kilometern auf der Uhr.

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Auf den Fotos sieht das Coupe aus wie neu. Innen wie außen beinahe ohne Gebrauchsspuren, gleich nach der Auslieferung ordentlich rostgeschützt und konserviert. Das Vinyldach und die Sonnenblende am Heck gehören zwar in die 70er, machen den Retrocharme aber auch für Außenstehende erst so richtig erlebbar. Ein cooles Coupe in Topzustand für verhandelbare 10.000€.

Als zweites Beispiel muss dieser 1978er Mitsubishi Lancer herhalten.

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Ein wunderschön erhaltenes Exemplar aus der Frühzeit von Mitsubishi Motors in Deutschland und Österreich. Mit 58.000 Kilometer. Auf den Fotos sieht er aus wie neu. Zweitürer in Rot, viel Chrom, scheinbar makellos und ausgesprochen selten. Für 9.950€, die wahrscheinlich auch nicht in Stein gemeißelt sind.

Und schon geht´s los in der Szene: „Hahaha, das kriegt der nie!“, „Ist ja völlig überteuert, die Kiste.“, „So ein gesalzener Preis.“. Merke: Nicht die VW oder die Ami-Szene jammert, sondern die Japan-Youngtimerfreaks selbst. Ja Herrschaften, sagt´s einmal: Geht´s noch?

Gut, es wird sich so schnell niemand finden, der die beiden Exemplare kauft. Einfach, weil der Markt für japanische Young- und Oldtimer im deutschsprachigen Raum sehr klein ist. Aber 10.000€ drücken wenigstens eine gewisse Wertschätzung für die Fahrzeuge aus. Und davon profitieren wir alle, die wir ja auch vergleichbare Fahrzeuge besitzen. Denn Autos, die einen Wert haben, laufen weniger Gefahr, als billige Schleudern im Winter vernichtet oder in den Export verkauft zu werden. Daher wundert mich das krampfhafte Niedrighalten der Werte in der Japan-Szene schon sehr.

Stellt euch vor, der Cordia wäre ein VW Scirocco oder ein Audi Coupe mit diesem Kilometerstand in diesem Zustand zu diesem Preis. Der wäre sofort weg. Ohne Gejammer.

Also ruhig etwas weniger Bescheidenheit und etwas mehr Selbstvertrauen, was das Preisniveau angeht. Das wäre mal eine edle Tugend!

Lukas

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Erwachet!

Keine Sorge, ich möcht´ mit euch nicht über die Bibel reden. Denn die lest ihr ja gerade.😉

Vielmehr geht es mir um einen Denkanstoß, der in sehr vielen Hirnen schon viel zu lange gefehlt hat: Es macht durchaus Sinn, in eine alte Kiste Geld zu investieren! Denken wir mal gemeinsam drüber nach:

Der Galloper ist wohl der Idealfall eines Anschauungsobjekts. Die Kisten kosten mittlerweile nur noch ein Zehntel ihres Neupreises. Und der war selbst vor 15 Jahren schon niedrig. Und doch gehen fast alle in den Export, weil der Zahnriemen fällig ist oder weil ein paar Schweißarbeiten zu machen sind oder weil ein paar Verschleißteile die Pickerlüberprüfung erschweren. „Kostet zu viel.“ „Rechnet sich nimmer.“ „Ist einfach zu teuer.“ „Steck in die Kiste bloß nichts mehr rein.“

Herrschaften, geht´s eigentlich noch? Wisst ihr, von welchen Summen wir da reden? Von so gut wie keinem Geld für ein Auto! Was sind denn schon 2000€ Reparaturkosten bei einem Offroader für 2500€? Lächerlich wenig, denn danach hat man für 4500€ einen halbwegs durchreparierten Geländewagen mit Klimaanlage, Airbag und Youngtimer-Flair. Für 4500€!!!

Sieben Nächte Halbpension auf den Seychellen für zwei Personen kommen auf 4000€. Mit Essen gehen (weil Halbpension), ein paar Staubfänger als Mitbringsel für die Verwandten und dem Taxi von und zum Flughafen hast du mehr ausgegeben als für einen durchreparierten Geländewagen. Mit dem du in der Regel länger als 7 Nächte Spaß hast.

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Und selbst wenn er dich einmal endgültig verlässt, gibt´s vom Exportaufkäufer immer noch eine kleine vierstellige Summe. Der Urlaub aber ist nach einer Woche für immer vorbei und bis auf Fotos und die Erinnerung bleibt dir gar nichts. Nada. Njente. Denkt da mal drüber nach!

Oder vergleicht mal die Preise, die für andere Modelle aufgerufen werden. Toyota Land Cruiser J9? Für weniger als 8000€ gibt´s nur Kummer und Tränen und selbst bei Exemplaren über 10.000€ gehen noch einige Tausender für Wartung und Reparaturen rein. Brauchbare Puch G? Gibt´s für weniger als 15.000€ auch nur als untermotorisierte W460-Hütte, völlig ohne Ausstattung. Dafür mit biblischem Alter. Und dass selbst junge Gs im Zeitraffer rosten wie nigerianische Fischkutter, ist auch kein Geheimnis.

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Foto: Göckens Classic Car Concepts, http://www.goeckens.com

Da kommst du dir dann plötzlich als ziemlicher Schnorrer vor, wenn du bei einem 3000€-Geländewagen mit guter Substanz überlegst, ob du 2000€ investieren sollst oder nicht.

Für all jene, die noch tiefer in die Materie eintauchen wollen: Vor einigen Monaten ist bei meinen Freunden von allrader.de ein grandioser Artikel erschienen. Darin wurde gründlich mit der Mär aufgeräumt, dass ein Auto ein Totalschaden ist, sobald die Reparaturkosten höher sind als der Fahrzeugwert.

Und darüber lohnt es sich durchaus, mal genauer nachzudenken.

In diesem Sinne!

Lukas

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