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Wolf im Schafspelz

Aufgepasst, der Geschichten-Onkel hat etwas zu erzählen: Vor einiger Zeit, ich cruise gerade recht zügig übers Alpl, holt mich ein alter W123er Benz mit Wiener Nummer ein. Ochsenaugen, 70er-Jahre-Erbengrün. Pensis auf Sommerfrische. Süß. Dann ein kurzer Blick auf den Tacho und plötzlich ist meine Verwunderung groß. Es geht ordentlich bergauf, ich fahr fast 100, viel schneller geht es trotz 150 PS nicht mehr. Weil -> steil. Bei der ersten Geraden, immer noch steil, setzt der W123 zum Überholen an und zieht mühelos vorbei. Am Heck steht 220D. Hmmm… “Das kanns aber nicht sein!” war mein erster Gedanke, daher geht´s hier und heute um Wölfe im Schafspelz. Autos, die nicht schnell aussehen, aber ordentlich marschieren.

Mazda 6 MPS 4

Och, ein Mazda 6 Stufenheck. Wahrscheinlich ein 121 PS Diesel oder der 120 Ps “starke” 1.8i. Opa on Tour. Blinker setzen, ausscheren und… Nichts und! Der unscheinbare Mazda 6 verschwindet gen Horizont, an ein Überholen ist nicht zu denken. So oder so ähnlich ist es wohl schon zahlreichen Audi- und BMW-Fahrern ergangen, die noch nie etwas vom Mazda 6 MPS gehört haben. Mit serienmäßig 260 PS und permanentem Allrad unterm unscheinbar eleganten Blech ist er das Paradebeispiel für einen Wolf im Schafspelz. Vom Tuner gibts für relativ wenig Geld über 300 Pferde und wer dann noch “1.8i” auf den Heckdeckel klebt, ist wirklich ein cooler Hund.

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Grauer Pensionisten-Sedan, schwarzer Familienkombi. So richtig bieder, der Saab 9³. Für Marken-Freaks aufgrund der GM-Basis keine Option, für Vertreter zu ausgefallen, für Angeber zu unscheinbar. Aber als 2.8 Turbo V6 Aero eine Kampfansage an alle Drängler und Möchtegern-Überholspurkönige. Denn mit serienmäßigen 280 PS auf der Vorderachse müsste ganz schön was weitergehen. Zumindest gradeaus und bei trockenem Asphalt. ;-) Nullaufhundert in 6,2 Sekunden, abgeregelte 250 km/h. Und an Durchzug fehlt es ihm bestimmt auch nicht. Wenn sich im Innenraum nicht so viele Opel-Bedienelemente wiederfinden würden, wäre so ein 9³ ja eine Überlegung wert. Eventuell auch als 2.0T mit 210 PS. Nicht so eine Granate wie der 2.8 Turbo, aber flott genug. Für verwunderte Blicke bei verblasenen Premium-Piloten reicht der auch.

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Prof. Dr. S. auf Sonntagsausflug im Volvo S70. Der vermeintliche Zweiliter mit 126 PS brummelt gemütlich über die Landstraße. Der Fahrer trägt Sakko und Hut, der Volvo ein “Komm gut heim”-Polsterl auf der Hutablage und den “Lions”-Aufkleber. Zwoliter mit 126 Pferden? Denkste! Der Volvo S70R schaut nur aus wie Oberstudienrats Liebling. Dank 2,3 Liter Fünfzylinder-Turbo mit 250 PS und Sperrdifferential an der Vorderachse geht das Ding deutlich besser als man denkt. Der standfeste Motor streut angeblich deutlich nach oben, mit einigen kleinen Tricks ist die 300 PS Schallmauer schnell geknackt.

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Noch so ein Mazda? Klar, aus einem ganz einfachen Grund. Es kennt hierzulande einfach niemand die MPS-Modelle. Gab es ja nicht lang, mittlerweile schon wieder gar nicht mehr. Daher verwundert es auch nicht, dass dieser Mazda3 so verwundert. ;-) Was aussieht wie der klassische Zweitwagen, mit dem Mama die Kinder zur Schule bringt, hat 260 PS und ein Sperrdifferential zu bieten. Damals war der Mazda3 MPS einer der stärksten Serien-Fronttriebler der Welt. Diese Technik jetzt im grauen Mazda3 mit Stufenheck. Das wär´s… ;-)

Und was war das jetzt für ein W123? Ein 60 PS “starker” 220D ganz sicher nicht. Nach dem Klang zu urteilen ein Benziner. Vielleicht ein 280E? Oder ein Umbau mit einer modernen Maschine unter der Haube? Ich weiß es bis heute nicht!

Lukas

Bei einem weltweit so beliebten und omnipräsenten Auto wie dem Toyota Land Cruiser bleiben Eigenbauten und strange Karosserieversionen einfach nicht aus. Drei Stück hab ich kürzlich entdeckt und möchte sie euch nicht vorenthalten.

Der Feuerwehrler

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Dieser Land Cruiser J4 aus den 1970er Jahren, im Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr der kleinen Gemeinde Tobadill im Bezirk Landeck in Tirol, ist vor einiger Zeit bei Ebay aufgetaucht. Zumindest nehme ich aufgrund der Frontmaske an, dass ein J4 darunter steckt. Radstandsmäßig könnte es auch ein J5-Eisenschwein sein. Wenn jemand nähere Infos zu diesem Wagen, zum Aufbau und zum Hersteller hat, würde ich mich freuen, wenn ihr mir eine Mail auf themenvorschlag@gmx.at schreibt.

Der Australier

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Dieser Offroad-Bus ist mindestens gleich individuell, es gibt ihn nur ein Mal. Auf dem Rahmen eines FJ55 entstand in Handarbeit ein hochgeländegängiger Campingbus. Mit der Kabine eines frühen Toyota Dyna, dem Heck eines J4 Buschtaxis und die dritte Türe links stammt von einem… Na, wer hat es gleich erkannt? … Suzuki LJ80. Coole Sache und bis auf die etwas unförmige Front eine schöne Idee.

Der Möchtegern-Oldie


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Täuschend echt und doch nicht original. Die Front des Klassikers Land Cruiser J6 an die Nachfolge-Karosserie gepappt. Klingt schrecklich, sieht aber überraschend gut aus. Sehr gut sogar! In Kombination mit der Chromstoßstange, den Stahlfelgen samt Nabenkappen und der Zweifarblackierung entsteht so der Eindruck eines modernen Klassikers. Schön irgendwie. Auch wenn 99% der anderen Verkehrsteilnehmer gar nicht auffällt, dass da was nicht stimmt.

Kennt ihr noch andere Eigenbauten/Umbauten oder maßgeschneiderte Karosserien auf Cruiser-Fahrgestellen? Dann her damit!

Lukas

Einfach wäre fad

Da draußen gibt es Menschen, die ganz bewusst alte Geländewagen kaufen und ihnen dann aus Überzeugung die Treue halten. Nicht, weil es finanziell notwendig ist. Es ist vielmehr eine Lebenseinstellung. Aber was tun, wenn sich die Lebenssituation ändert oder das Auto sich dafür entscheidet, den Dienst einzustellen?

So geschehen bei einem treuen Leser dieses Blogs, der nun um meine Hilfe bittet.

Sein altbewährter Geländegänger aus den 1990er Jahren, bekannt für seine Zuverlässigkeit, ist nach nicht gerade einfachen 350.000km einfach müde. In der vorhandenen Elektronik ist der Wurm drin, längere Standzeiten quittiert er auch mit mechanischen Defekten. Wer rastet, der rostet. Wer sich aber nur abgerackert hat, ist auch irgendwann am Ende. Also soll was Neues her. Bloß: Was kaufen? Vor allem dann, wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind, das perfekte Auto namens Toyota HZJ7 also nicht erreichbar ist?

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Der alten Kiste weiterhin die Treue halten?

  • Schwierig. Klar sind in den letzten Jahren viel Geld und Neuteile in den treuen Begleiter geflossen, die gemeinsam erlebten Kilometer haben Mensch und Maschine zusammen geschweißt. Da wäre es die logische Konsequenz, den Wagen noch einmal durch zu reparieren. Das Problem dabei: Die Zahl der Baustellen nimmt mit dem Alter und dem Kilometerstand zu, da kann es sich um ein noch so gutes Auto handeln. Verschleißerscheinungen an Mechanik und Elektronik fallen immer schwerer ins Gewicht und wenn man sich auf sein Auto nicht mehr verlassen kann, ist das suboptimal. Gerade in Anbetracht des “Baby fährt mit”-Aufklebers am Heck. Bei den Dakota-Indianern gibt es ein treffendes Sprichwort: “Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!”

Oder doch einen neuen Alten kaufen?

  • Um bis zu 15.000€ müsste es schon nette Kandidaten geben, oder? Ein kurzer Blick in die hiesigen Gebrauchtwagenbörsen fällt aber ernüchternd aus. Einige Pajero V60 gibt es ja. Aber alle über 10 Jahre alt und alle von mehr oder weniger (“Tacho getauscht”, “Motor neu aber ohne Rechnung”, “Fahrzeug aus Rumänien”) seriösen Anbietern. Kann man sowas kaufen? Können schon… Das Problem dabei: Der Pajero V60 ist ein technisch komplexes Luxusauto. Neu teuer, im Unterhalt immer noch was für Besserverdiener. Reparaturkosten von einigen Tausend Euro jährlich sind normal, dürfen nicht schrecken. Und natürlich gibt´s auch im V60 schon ein CAN-Bus-System und damit eine recht komplexe Elektronik. Mit allen damit verbundenen Problemchen, die das Leben im höheren Fahrzeugalter nicht gerade vereinfachen. V60
  • Ein paar Land Cruiser Prado J12 gibts natürlich auch. Schon schöne Autos, sicherlich eine Überlegung wert. Aber leider gilt auch hier genau das Gleiche wie beim V60. Ein teures Auto mit teurem Unterhalt, teuren Reparaturen und komplexer Elektronik, die mit zunehmendem Alter nicht frei von Problemen ist. Dazu kommt, dass es um unter 15.000€ leider nur mindestens 12 Jahre alte Cruiser mit entsprechend ereignisreicher Vorgeschichte gibt. Prado

Daher gilt meiner Ansicht nach für den LC J12 genau wie für den Pajero V60: Klar sind die Dinger kaufbar! Für Leute wie mich etwa, die ihr Alltagsauto zwei Jahre fahren und dann wechseln. Puristen aber, die möglichst lange ohne Probleme damit fahren wollen, würde ich davon abraten. Zuviel drin, zuviel dran. Bei der Option, sich einen alternden Luxusliner hinzustellen und die nächsten paar Jahre zu genießen, sind teure Reparaturen als Kollateralschäden im Paket mit drin. Denn die Verkäufer, die ihre Autos jetzt inserieren, waren die, die damit jahrelang problemlos gefahren sind. Und jetzt wird verkauft, weil sich Defekte zu häufen beginnen. Niemand verkauft seinen Geländewagen, weil er so grandios läuft und nie was kaputt ist! Will man auch einer von denen sein, sollte man jetzt einen 2 oder 3 Jahre alten Wagen kaufen.

Zwei Alternativen gibt es noch, die man zumindest andenken sollte.

  • Downgrading: Wer möglichst lange halbwegs sorgenfrei Offroader fahren will, muss zum Alten zurück kehren. Weg vom 20 Jahre geltenden Standard der elektronischen Motorsteuerung, der CAN-Bus-Systeme, der Bordcomputer und dem Sensor-Overload. Hin zum wirklich analogen Fahren. Sich verbessern durch den Griff zum noch Älteren. Das werden Neuwagenkäufer jetzt nicht verstehen. ;-) Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein mit neuen Verschleißteilen durchreparierter und rostmäßig schöner Toyota HiLux LN65 aus Mitte der 1980er Jahre ist mit Sicherheit die bessere Wahl für Enthusiasten, die selbst schrauben können und ihrem Auto möglichst lange die Treue halten wollen als ein 10 Jahre alter LC J12 D4D Executive. Gerade dann, wenn ein PKW als Option für Langstrecken mit Zeitdruck zur Verfügung steht. toyota_hilux_double_cab_srKlar ist so ein 80er-Jahre-Geländewagen lahmer, lauter, unbequemer, unsicherer und auch sonst einfach mehr Traktor als PKW, aber unter dem Gesichtspunkt des einfachen Über-die-Jahre-bringens und der allgemeinen Schrauberfreundlichkeit sicherlich erste Wahl.
  • Neukaufing: Womit wir wieder beim Toyota HZJ7 wären. Garantiert das richtige Auto für all jene, die ihrem Auto so lange wie nur möglich die Treue halten wollen. Weil Elektrik und Technik auf dem Stand der 1980er Jahre sind. Die gerade als das Jahrzehnt der unproblematischsten Fahrzeugtechnik in die Geschichte eingehen. Das Problem beim HZJ7 ist immer der Preis. Neu muss er einem hierzulande 55.000€ wert sein, gute Gebraucht-Exemplare kommen immer noch auf über 30.000€. toyota_land_cruiser_70_1Oder einfach zum Mitsubishi-Händler gehen und dort bei einem neuen Pajero Wagon Austria Edition 35 zuschlagen. Ist neu, ist lang, ist günstig. Wo bekommt man sonst einen neuen Full-Size-Geländewagen für weniger als 35.000€? Aber schnell sein, die Fünftürer sind schneller ausverkauft als die Dreitürer.

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Conclusio:

Die Idealvorstellung, günstig einen in die Jahre gekommenen Geländewagen zu kaufen und dann problemlos ohne nennenswerte Reparaturen viele Jahre zu fahren, erfüllt sich meist nicht. Gerade Geländewagen werden aus gutem Grund verkauft. Schließlich hat bei einem Nutzgegenstand niemand etwas zu verschenken. Der Kauf eines Gebraucht-Offroaders ist immer wie der Kauf einer Wundertüte, mit zahlreichen Rechnungen inside. Wer wirklich lange Ruhe haben will, muss entweder neu kaufen oder ein möglichst einfaches (d.h. Steuergeräte-freies) Fahrzeug einmal komplett durchreparieren. Beides nicht gerade billig. Aber am ehesten zielführend.

Lukas

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