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Traumautos aus Gibraltar

Ganz Europa wird von schrecklich vernünftigen Toyota-Importeuren beherrscht, die bevorzugt nur noch politisch korrekte Klein- und Kompaktklassewagen verkaufen möchten. Ganz Europa? Nein, ein kleines Fleckchen Land am Südzipfel der Iberischen Halbinsel leistet tapfer Widerstand und beliefert die Vereinten Nationen genauso wie zahlreiche Hilfsorganisationen mit den wirklich interessanten Produkten des größten Autoherstellers der Welt!

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Foto: Toyota Gibraltar, http://www.toyota-gib.com

Toyota Gibraltar macht Träume wahr. Wobei, so ganz stimmt das leider nicht…

Denn der kleine Geschäftszweig des Toyota-Konzerns ist für Privatleute leider Tabu. Bei Toyota Gibraltar gibt´s unterschiedliche LandCruiser, HiLuxe, HiAce-Busse und so manchen PKW, speziell und ausschließlich für Hilfsorganisationen, die in Entwicklungsländern tätig sind. Und weil die Dinger unter verschärften Bedingungen einfach nur zu funktionieren haben, steckt meist Technik unterm Blech, von der wir Euro-6-Europäer nur träumen können.

Toyota Land Cruiser Prado TX 3.0D

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Foto: Toyota Gibraltar, http://www.toyota-gib.com

Der Komfort des Land Cruiser Prado J15 mit absoluter Einfach-Technik von früher. Unter der Haube kein anfälliger D4D-Commonrail-Diesel (googelt mal “Landcruiser Motorschaden”), sondern ein 3 Liter großer Vierzylinder-Saugdiesel! Zwar nur 95 PS stark, aber ewig haltbar. Gekoppelt an ein Fünfgang-Schaltgetriebe mit permanentem Allradantrieb. Sicherlich nicht die Idealbesetzung für Minibagger-Zieher und Autobahn-Burner. Aber ein unzerstörbarer Geländewagen für ruhige Naturen, die einfache 80er-Jahre-Technik zu schätzen wissen und vor bösen Überraschungen verschont bleiben wollen.

Toyota Land Cruiser 200 GX V6

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Foto: Toyota Gibraltar, http://www.toyota-gib.com

Unser Land Cruiser V8, zumindest optisch. Unterm Blech aber steckt auch bei diesem Luxusschlitten die Heavy-Duty Afrika-Technik. Mit Schraubenfeder-Fahrwerk statt “Aktivem Dämpfungssystem”. Mit Stahlfelgen statt 20-Zoll-Alufelgen. Und mit V6-Benziner samt Fünfgang-Schaltgetriebe für das gewisse Extra an Problemlosigkeit. Fürstliche Platzverhältnisse, ein stattlicher Auftritt und die Gewissheit, dass der große Cruiser seine Insassen nicht nur hin, sondern auch wieder heim bringt, sind im Preis auch mit drin. Gibt´s übrigens auch bei uns, das Ding. Sogar mit extracoolen Flügeltüren am Heck.

Toyota Land Cruiser HZJ76

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Foto: Toyota Gibraltar, http://www.toyota-gib.com

Nach über 30 Jahren, in denen der J7 Heavy Duty nun gebaut wird, muss man ihn wohl nicht mehr erklären. Geländewagen-Freaks schwärmen von seinem fantastischen 4,2 Liter Reihensechszylinder-Saugdiesel, Nostalgiker freuen sich über sein klassisches Äußeres und Fernreisende genießen die absolute Zuverlässigkeit. Das wäre im Prinzip der ideale Geländewagen! Optisch absolut geil (´tschuldigung!) und unterm Blech herrlich nostalgisch. Gibt´s über freie Importeure sogar bei uns zu kaufen. Wer 55.000€ herumliegen hat und sich keinen HZJ76 kauft, ist nicht mehr zu retten…

Lukas

Was ist das momentan wieder für eine Jammerei, die einem von Autohändlern, Importeuren und Autofahrerclubs entgegen schlägt. Im letzten Jahr wurden 4,9 Prozent weniger Neuwagen verkauft als noch 2013 und jetzt “wird gezittert, ob heuer die 300.000er-Marke zu halten sein wird”, schreibt der ARBÖ im aktuellen Clubjournal. Aber schließlich gibt es da ja ein Allheilmittel, um das Konsum-Dilemma zu beheben – laut ARBÖ “sollte man (…) über Verschrottungsprämien für alte Dieselstinker nachdenken”.

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Die fälschlicherweise “Umweltprämie” genannte Abwrack-Aktion von 2009, während der viele perfekt nutzbare, wertvolle Ressourcen bindende Gebrauchte sinnlos zerstört wurden, ist schon lange vergessen. Doch in den letzten 1 1/2 Jahren ist die Stimmung in der Autobranche wieder schlechter, der Ton auch in den Medien schärfer geworden. Wieder einmal gegenüber älteren Fahrzeugen, die wieder einmal als alleinige Vernichter unseres Planeten gebrandmarkt werden. Natürlich sollen alle diese “Stinker” durch Neuwagen ersetzt werden! Äh, weil… ähm, ja… genau, der Umwelt zuliebe! Das ist der alleinige Grund! Ganz sicher. Jaaaaa!

Die Zeichen stehen auf Sturm, eine neue Verschrottungsprämie steht uns wohl sehr bald ins Haus. Woher das Geld dafür kommen soll, welche Autos jetzt genau weg “müssen” und ob das nur unser Operettenlandl oder die ganze EU durchzieht, steht zumindest offiziell noch nicht fest. Doch man wird sich dieses Mal wohl auf ältere Dieselmodelle, wahrscheinlich Euro-IV und früher, einschießen. Aus den Feinstaub-Zonen nach deutschem Vorbild, die genau das selbe Ziel hatten, ist bei uns ja dankenswerterweise nichts geworden. Also wird man uns wieder einmal Geld bieten, unsere funktionstüchtigen Autos zu vernichten, um Neuwagen zu kaufen. Und viele Halbwissende, denen unser aller Umwelt mit Recht am Herzen liegt, werden es wieder einmal befürworten. Ohne zu wissen, dass sie da für etwas sind, gegen das sie eigentlich sein müssten. ;-)

Lukas

Wenn zwei übersiedeln…

… dann freut sich der Dritte. Vor allem, wenn sich dabei die Gelegenheit auftut, in einem sonst (dankenswerterweise) unbekannten Fahrobjekt Zeit hinterm Lenkrad zu verbringen. Vorhang auf für den Hauptakteur Iveco Daily 35S13.

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Na servas, das Ding ist länger als er aussieht! Ganze sieben mal zwei Meter Kastenwagen, die durch Graz chauffiert werden wollen. Mit absolut null Sicht zur Seite oder nach hinten. Die großen Spiegel bemühen sich zwar um einen Rest Rundumsicht,  scheitern aber kläglich. Das kann ja heiter werden. Aber schon nach ein paar Kilometern hat sich der eigene Fahrstil soweit umgestellt, dass es gar kein Problem mehr ist, den hässlichen Italiener durch die Gassen zu pilotieren. Selbst paralleles Einparken ist kein Problem, sofern man auf einen Einweiser vertrauen kann. Denn was sich hinter der Kiste abspielt, ist und bleibt dem Fahrer mangels Rückfahrkamera verborgen. Doch ist die Rätselhaftigkeit des Neuen und Unbekannten dann verflogen, zieht der Alltag ein. Und mit ihm die Beschwerden.

Stichwort Sitzen. Hoch und auf einem gefederten Fahrersitz, also eigentlich angenehm. Aufgrund der kurzen Kabine aber mit mangelhaftem Verstellbereich nach hinten. Was dafür sorgt, dass das rechte Knie ununterbrochen an der Mittelkonsole ansteht und nach spätestens 50 Kilometern anfängt, weg zu tun. Da der Sitz bei ausgewachsenen Fahrern aus diesem Grund immer ganz hinten klemmt, kommt man nicht mehr vernünftig ans Lenkrad. Dadurch ergibt sich meistens eine Zehn-vor-halb-Sieben-Lenkradhaltung. Und eine demütige Verbeugung in jeder engeren Kurve, um nicht dauernd Umgreifen zu müssen. Dem Mitfahrer auf der dünn gepolsterten und hochgradig unbequemen Strafbank, genannt Beifahrersitz, geht es da auch nicht besser.

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Stichwort Schalten und Walten. Ein moderner Dieselmotor mit manuellem Sechsgang-Getriebe ist ja schon prinzipiell nichts für Freunde des entspannten Cruisens. Ständiges Schalten geht vor allem im Stop-and-Go-Stadtverkehr schnell an die Substanz und beginnt ordentlich zu Nerven. Besonders dann, wenn die Kupplung auch noch schwergängig und ruppig ist. Und dass nach längerem Fahren im fünften und sechsten Gang an der nächsten Ampel plötzlich die ersten beiden Gänge blockieren, Schweißausbruch und stinkende Kupplung beim Anfahren im Dritten inklusive, ist auch nicht nett vom Daily. Das klappernde Hartplastik-Interieur, die zwitschernde Lüftung und die kaputte elektrische Spiegelverstellung stören da schon fast nicht mehr.

Was bleibt von einem Tag Iveco Daily an Erfahrungen im Kopf? Primär Mitgefühl mit allen Fahrern, die tagtäglich in solchen Gurken unterwegs sein müssen. Oftmals länger als die Polizei erlaubt (bis 3,5 Tonnen kein Fahrtenschreiber) und für einen Stundenlohn, der in vielen Fällen eine Frechheit ist.

Lukas

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