„Du entschuldige, i kenn di…“ – Letzter Akt

Auf geht´s zum letzten Akt der scheinbar doch nicht endlosen Geschichte rund um einen Salzburger Opa, den es nach Holland verschlagen hat.

Zum Einstieg und zur Auffrischung eurer Kenntnisse möcht ich euch bitten, die Geschichte hier noch einmal nachzulesen: Du entschuldige, i kenn di…

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Kurz zusammengefasst: Im Jänner 2010 taucht bei Ebay einer der letzten in Österreich überlebenden Pajero der allerersten Serie (Modelljahr 1983/84) auf. Ich werde überboten, der alte Haudegen geht an jemand anderes. Ende 2013, also fast vier Jahre später, taucht er wieder auf. Inseriert bei einem großen Oldtimer-Händler in Holland. Schaut noch komplett gleich aus wie damals in der Ebay-Auktion, ich erkenne ihn nach drei Jahren sofort wieder.

Der Anruf in meinem besten Oxford-English („Would you please be so kind as to…“) war dann nur noch Formsache, mein faires Angebot wurde aber sofort abgelehnt. Blöd gelaufen, war wohl nichts. Soweit, so bekannt.

Doch die Geschichte geht noch weiter. Vorhang auf für den letzten Akt:

Anfang 2015. Der alte Salzburger ist immer noch inseriert, mittlerweile schon über ein Jahr. Ich schreib dem Verkäufer, mit dem ich Ende 2013 schon einmal gesprochen habe, eine Mail. Bin immer noch interessiert, mein Angebot steht. Zurück kommt folgende Mail:

Hello Mr. Wieringer!

At this moment we have no carpapers at all, because of a robbery

It is hard to get them back

We will take it out of the internet right now

Na super, angeblich wurde der Typenschein gestohlen. Und kurz darauf verschwindet auch das Inserat. Fünf Jahre nach der Ebay-Auktion wird die Chance, den Wagen doch noch in meine Obhut zu bekommen, immer geringer. Ein paar Monate später, mittlerweile ist es Spätsommer 2015, erlaube ich mir noch einmal, wegen dem Pajero nachzufragen. Ob denn schon eine Lösung für die fehlenden Papiere gefunden wurde und was jetzt mit dem Fahrzeug passieren soll. Weil ich immer noch ernsthaftes Kaufinteresse habe. Man glaubt es kaum…

Als Antwort kommt nur noch ein kurzes, knappes

NO Papers!

Das war´s dann wohl. In Leek im Nordosten Hollands verlaufen die Spuren des Salzburger Erstserien-Pajeros im Sand. Schade eigentlich. Wenn ich ihn damals, vor mittlerweile sieben Jahren, ersteigert hätte, wäre es ihm wohl deutlich besser ergangen. Schade.

Doch manchmal, da denk ich an die Kiste und frage mich, was damit wohl passiert ist.

Lukas

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Also doch eine Preisblase?

Wir alle wissen: Bei gängigen Mainstream-Oldtimern gelten Preisnotierungen als Anhaltspunkt zur Wertermittlung, vergleichbar mit der Eurotax-Liste bei jungen Gebrauchten. Auf diesen Preisen, basierend auf Marktbeobachtungen, fußt dann der Marktwert. Soweit die Theorie.

Und doch gibt´s immer wieder Ausreißer nach oben, die die Szene ratlos zurück lassen.

Als Beispiel muss ein Mercedes-Benz 230TE aus dem Jahr 1981 herhalten. Classic Analytics führt das Modell in gepflegtem Zustand zwischen 9.400€ und 12.600€. Verkauft wurde genau so ein Exemplar vor einigen Monaten von All Time Stars, der Youngtimer-Verkaufsabteilung des Mercedes-Benz-Museums, um 52.900€. Zwar mit nur etwas mehr als 40.000 Kilometern auf der Uhr und in wirklich tollem Zustand, aber 52.900€?!?!?

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Wer hat wohl dieses Auto gekauft? War das auch einer dieser „Garagengold-Investoren“, der sich dachte, mit einem „Klassiker in Topzustand“ könne man als Wertanlage nichts falsch machen, die Wertsteigerung stehe quasi schon vor der Tür? Ich zerstöre diese Erwartungen nur ungern, aber so alt werden wir alle nicht mehr, bis der 230TE auch nur annähernd 52.900€ wert ist.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Wie wäre es mit diesem 86er 300E W124:

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Mit knapp über 100.000km auf der Uhr bietet er laut Beschreibung „noch Potenzial für Restaurierungsarbeiten“. Preis? 19.950€. Als Anhaltspunkt die Preisnotierung bei Classic Analytics: 8.000€ in gepflegtem Zustand.

Klar, in Krisenzeiten wendet man sich alternativen Formen der Geldanlage zu. Seien es Immobilien, Gold, Grundstücke oder eben alte Autos. Die knapp 20.000€ für einen mittelprächtigen W124er oder über 50.000€ für einen wirklich tollen S123 sind aber nicht besonders gut angelegt.

Gibt es entgegen aller gegenteiliger Beteuerungen vielleicht doch eine Preisblase am Old- und Youngtimer-Markt, die bald platzen könnte? Oder rechtfertigen Zustand oder Herkunft wirklich so extreme Ausreißer nach oben?

Lukas

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100 Jahre Mitsubishi & 35 Jahre Pajero

Heuer steht gleich ein doppeltes Drei-Diamanten-Jubiläum an.

Vor 100 Jahren lief in Japan der erste Serien-PKW vom Band und es war ein Mitsubishi. Das Mitsubishi Model A war jetzt nicht der große Erfolg, insgesamt wurden nur 22 Stück in Handarbeit hergestellt, aber es gilt trotzdem als Kick-Off für die japanische Autoproduktion im Allgemeinen und für Mitsubishi als Autohersteller im Speziellen.

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Danach war mit PKWs aber wieder schnell Schluss, man konzentrierte sich auf Nutzfahrzeuge und LKWs, die viel dringender gebraucht wurden. Ein weiterer Meilenstein für Mitsubishi auf dem Weg zur Allradmarke war dann der Mitsubishi PX33, der 1934 als Prototyp präsentiert wurde und leider auch einer blieb.

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Letztlich hat es finanziell für eine Serienproduktion nicht gereicht. Und doch war der PX33 der erste japanische Allrad-PKW, ausgestattet mit dem ersten selbst entwickelten Direkteinspritzer-Dieselmotor Japans. Der wurde dann mit seinen 6.7 Liter Hubraum und 70 PS primär in den Mitsubishi-LKWs eingesetzt.

Als die Massenmotorisierung Ende der 1950er Jahre auch in Japan so richtig ins Rollen kam, stellte Mitsubishi einen echten Volkswagen vor, den Mitsubishi 500. Der Urahn aller PKWs mit den drei Diamanten, angetrieben von einem luftgekühlten Zweizylinder im Heck.

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Ab den 1960er Jahren ging es dann Schlag auf Schlag. Legendäre Baureihen wie der Galant, der Lancer oder der Sapporo machten Mitsubishi groß und ab den 1970er Jahren auch in Europa bekannt.

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Einen großen Teil zur Beliebtheit der Marke trugen sicherlich auch die Motorsporterfolge bei. Der Lancer 1600 GSR , mit dem Joginder „The Flying Sikh“ Singh zwei Siege bei der Safari Rally errang, ist ebenso legendär wie die Lancer Evolution-Reihe, die unter anderem mit Tommi Mäkinen in den Rallyeolymp einziehen konnte.

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Doch was wäre die Geschichte Mitsubishis ohne den Pajero, der heuer 35 Jahre wird. Und der nicht nur als weltweit erster Großserien-Geländewagen mit Turbodiesel-Motor und innenbelüfteten Scheibenbremsen vorne, sondern auch als Seriensieger der Rally Paris-Dakar und mehrmaliger Teilnehmer der Camel-Trophy  in die Geschichte einging.

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In den 1990er Jahren gelang es Mitsubishi sogar, als Vollsortimenter zu reüssieren. Von der Kompaktklasse (Colt samt Lancer) über Mittel- und Oberklasse-Limousinen (Carisma, Galant, Sigma), einer Flotte an Minivans (Space Star, Space Runner, Space Wagon, Space Gear) und zahlreichen Gelände- bzw. Nutzfahrzeugen (Pajero, L200, L300, L400, Canter) reichte die Palette bis zu den Sportwagen Eclipse und 3000GT.

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Davon ist heute nur noch ein trauriger Rest übrig. Ob Managementfehler, finanzielle Probleme oder einfach der Zeitgeist daran Schuld waren, dass Mitsubishi heute wieder zum kleinen Nischenhersteller geworden ist, sei dahingestellt.

Was wirklich wichtig ist: 100 Jahre Mitsubishi, 35 Jahre Pajero. Herzlichen Glückwunsch!

Lukas

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