Die Leidenschaft und das liebe Geld

Unter normalen Menschen gilt ja bekanntlich, dass ein Auto weg muss, „wenn die Reparaturen losgehen“. Für so manchen Zeitgenossen heißt das: Sobald die ersten Bremsbeläge zu Staub gefahren wurden, ist es Zeit, die Kiste wieder zum Händler zu bringen und gegen einen Neuwagen zu tauschen.

Wir Youngtimer-Freaks sind da aus anderem Holz geschnitzt. Denn wenn ein durchgerosteter Endtopf einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt, braucht es echte Enthusiasten, um die alten Kiste nicht augenblicklich in den Schrott zu schieben. Da wandern dann hohe vierstellige Beträge für Restaurationen über den Tisch, nur weil die Farbkombination genau dieses Exemplars so verführerisch oder die Historie so lückenlos ist. Been there, done that. Fragt nicht…

Und doch haben sich im Fahrwasser der zahlreichen, großteils überflüssigen Reportagen und Artikel zum Thema „Garagengold“ und „Alte Autos statt Aktien“ fiese Gedanken ins Unterbewusstsein eingeschlichen, die eine andere Sprache sprechen. Es macht schon auch Spaß, wenn man das Geld, das man in einen Youngtimer investiert hat, beim Verkauf zumindest größtenteils wieder sieht.

Wer einen 1988er Toyota Camry in Zustand 3- für 1900€ kauft, im Laufe von vier Jahren mehr als 6000€ in Optimierungen steckt und ihn dann in Zustand 2 um 1800€ verkauft, wird sich ganz genau überlegen, ob er das noch einmal macht. Wer für 4000€ einen W124er-Benz kauft, 6000€ investiert und der Wagen nach Jahren der Freude dann 12.000€ bringt, weil es ein E400 war, wird das bestimmt wieder tun.

Das erklärt auch, warum so viele gängige Mainstream-Youngtimer aufgehoben, restauriert, gehandelt und gesammelt werden. Scheinbar wertlose Außenseiter aber höchstens in Garagen von einsamen Enthusiasten verschwinden und in den meisten Fällen nie wieder am Markt auftauchen.

Womit wir bei der Krux dieser Geschichte angekommen wären: Soll man beim Kauf eines Youngtimers so banale Dinge wie Wertentwicklung und „lohnenswerte Investitionen“ im Hinterkopf haben oder einfach nur seiner Leidenschaft folgen, egal wie groß das Minus wird, das letzten Endes dabei rauskommt?

Lukas

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Herzen gewinnt man. Oder eben nicht!

Der Frühling steht vor der Tür, die umhätschelten Sommerautos erwachen wieder aus ihrem Winterschlaf und in der Japan-Oldie-Szene brodelts.

Ja warum denn das?

Wieder einmal geht´s um das alte Angebot-Nachfrage-Problem, kombiniert mit dem üblichen Preis-Drama. Also eigentlich eh wie immer.

In der letzten Zeit standen in der Szene einige alte Japaner zum Verkauf. Ein Mazda 323 Sedan aus den späten 80ern, ein Honda Civic Sedan/Ballade aus den frühen 80ern und ein Nissan Sentra. Auch aus eben jenem Jahrzehnt, auch sehr ähnlich in Form, Technik und (gutem) Erhaltungszustand. Und auch sehr ähnlich im Preis. Nämlich alle drei für kleine vierstellige Beträge zu haben.

Doch wie sollte es anders sein: Alle drei Kisten erwiesen sich als beinahe unverkäuflich. Sehr zum Frust der Anbieter, die nach einigen Monaten mit ihrer Enttäuschung nicht mehr hinterm Berg halten konnten:

(…) und die noch immer nicht anschaffungswillige japanoldiesfraktion – außer es bleibt im dreistelligen bereich – (…)

Oder auch:

Leider gibt es in Österreich eine zu kleine Gruppe für alte Japsen, habe meinen verschenkt weil ihn keiner wollte. Aber nach Rumänien.

Und so ging der Mazda quasi als fahrbarer Granitblock zum Parkplatz-freihalten und Einfahrt-verparken an einen leidgeprüften Grundstücksbesitzer. Der Honda Ballade nach Rumänien und der Nissan ist immer noch zu haben. Für einen dreistelligen Betrag, trotzdem nimmt ihn niemand. Der Ärger ist groß, es wird fleißig auf die heimische Japan-Szene geschimpft.

Mit Recht?

Ich denke, da machen es sich viele zu einfach. Nicht jedes Auto, das älter als 20 oder 30 Jahre wird, ist begehrenswert. Ein 80er-Jahre-Viertürer mit Frontantrieb, kleinem Reihenvierzylinder-Motor, schwarzen Plastikstoßstangen und volkstümlicher PS-Leistung entspricht einfach nicht dem Beuteschema von Autofreaks. Egal ob die Kiste aus Deutschland (z.B. VW Passat B2), Frankreich (Peugeot 309), den USA (Chevrolet Corsica) oder eben Japan kommt. So traurig das klingt, aber der Markt spricht da eine eindeutige Sprache. Es ist ja auch nicht jede Frau sexy, nur weil sie zwei Brüste hat.

Wie gewinnt man denn jetzt Herzen?

Neben höchst subjektiven persönlichen Erinnerungen sind es besondere Eigenschaften wie Heckantrieb oder Allrad, Chrom- oder Metallstoßstangen, abgefahrene Farbkombinationen, Motoren mit Sound (Boxer, 5/6/8-Zylinder) oder Umpf (Turbo) oder kultige Karosserieversionen (Coupe, Roadster), die ein Auto begehrenswert und damit zu einem guten Preis verkaufbar machen. Sprich ein Mazda MX-5 wird schnell weg sein, ein 323 Sedan nicht.

Worauf ich hinaus will ist folgendes: Nur weil ein Auto alt und aus Japan ist, heißt das noch lange nicht, dass es für Japan-Oldie-Jünger begehrenswert sein muss. Denn gerade alte Autos sind eine Herzensangelegenheit. Und Herzen gewinnt man nicht mit einem 1.3 Liter Vierzylinder. 😉

Lukas

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„Die DS5 im Real-Life-Check“ oder „Der etwas andere Leserbrief“

Mein Seelenstrip (<- Klick mich!), insgeheim etwas für den Citroen DS5 zu empfinden, hat für zahlreiche überraschte, schockierte, aber auch zustimmende Reaktionen gesorgt. Danke dafür, so habe ich mir das vorgestellt. 😉

ds5-artikel

Der etwas andere Leserbrief erreichte mich aber von meinem Freunden von http://www.youngtimer-blog.de, dem Magazin für subjektive Autokultur. Die haben sich den DS5 schon intensiv vorgeknöpft. Auf welche Erkenntnisse sie dabei gestoßen sind? Lest selbst:

„Immer wieder hören wir nach Posts zum Thema Citroen, dass uns Leute ans Herz legen, uns mal so einen dieser neuen Citroen DS anzusehen – speziell der DS5, der sei doch richtig cool. Und da reden wir teilweise von wirklich vertrauenswürdigen Leuten, die seit Jahren Saab 9000 fahren oder W124.

Was ist dran am Citroen DS DS5? (oder wie auch immer der wirklich heißen mag)

Erst mal widerstrebt uns die Namensgebung, mit der Citroen das große Andenken irgendwie zu entweihen scheint. Dann finden wir die „Marke“ DS bislang eher ohne Mut positioniert. Wenn Du das machen willst, machst Du es entweder wie Lexus – oder Du lässt es. Was Citroen da abzieht, wirkt ungar, unentschlossen. Un-… eben! Die Vorsilbe UN steht selten für etwas Cooles in der Deutsche Sprache.

Und so funktioniert das eben auch nicht – die Diskussion mit deinen Nachbarn verläuft immer in etwa so:

„Ich fahre gerade den DS Probe.“

„Citroen DS?“

„Genau“

„Das alte Ding aus den 50ern?“

„Nein – einen neuen DS“

„Die bauen den wieder? Dieses Ding aus den 50ern….?“

😦

Aber gut – versuchen wir es mal: Was ist dran am neuen DS in Form des DS5? (oder Citroen DS DS5 oder so oder wie auch immer…)

ds-range

Warum Citroen die DS Range auch auf der Citroen WebSite anbietet, ist unklar – es gibt eine eigene WebSite für die neue Marke. Beide bieten schlimme Konfiguratoren, die praktisch nicht logisch bedienbar sind und an diversen mobilen Endgeräten scheitern. Hier hat Design die Funktionalität vollständig besiegt und nieder gerungen.

Erst einmal sieht der DS5 immerhin nicht so arg mainstreamig aus – hier hat Citroen in Teilen ja schon mal wieder eine gute Hand in den vergangenen Jahren gehabt – und der DS5 ist da zweifelsfrei auch schon cool auf den ersten Blick. Der sieht eben nicht golfig aus, äfft keinen Passat nach – Citroen hat genug eigenen Stil, Basta.

Oder?

Der Wagen ist in jedem Falle irgendwie eigenartig unförmig – im Guten wie im Schlechten Sinne. Das ist ein BMW 3er GT auch, weil er nicht 100%ig der erwarteten Linie entspricht – ein Audi A5 ist da gefälliger, aber dabei eben auch beliebiger. Beliebig ist der Citroen DS5 von außen nun wirklich so gar nicht – das aber geht so weit, dass man sich stets fragen muss: Wie fotografiere ich den, damit er cool aussieht?
Die lässige Grandezza eines CX, XM oder C6 fehlt dem Citroen, der den Namen DS tragen darf, leider vollkommen…

Selbst Citroen tut sich schwer damit, den Wagen recht in Szene zu setzen, auch in den Showräumen.

ds5-profil

Aus manchen Perspektiven begrenzt schön, aber in jedem Falle ANDERS – DS5 – Quelle: Citroen

Na gut – dann also mal einsteigen. Irgendeine Coolness umweht den Wagen innen durchaus – aber eben nur irgend eine. Setzt Du Dich in den C6, sitzt Du in einem coolen ungewöhnlichen Auto, vom CX oder XM mal gar nicht zu reden. Die halten das durch, das folgt einer Linie.

Der DS5 ist mehr so… Hm… Der wirkt, als hätte man jemanden beauftragt, einen Wagen zu bauen, der irgendwie wie ein Citroen wirkt. Ganz gelungen ist das nicht – das ist bemüht anders, bemüht schrullig, ist aber am Ende nicht so ganz echt. Ein Haufen irrer Schalter machen keinen Citroen – die haben Porsche und Opel auch. Der Wagen ist einfach nicht echt, was das anbelangt. Früher war Citroen schrullig, weil die bretonischen Ingenieure glaubten, sie wüssten alles besser als der Rest der Welt – heute wirkt schrullig, dass man so tut, als wäre man anders – aber eben ohne guten Grund. Schon die beknackte Uhr nervt. Das ist auf den ersten Blick alles so wie in diesen Restaurants, in denen winzige Portionen auf Designer-Tellern serviert werden.

Funktioniert nicht.

Immerhin mal ganz praktisch: Der Wagen hat wahnsinnig viele Ablagen – hier sind die Franzosen einfach die besten.

Cool: Der Leder-Innenraum – der Softtouch-Quatsch ist üblich in dem Segment, die ganzen Design-Intarsien aus verzweifelter Metall-Imitation müssen scheinbar sein. Aber das Leder ist einfach schön, geht doch.

ds5-interieur

Poah – das ist schon sexy – bissel eng sicherlich – aber cool. Der Wagen ist um dich rum gebaut – das ist nicht so übel

Losfahren – wie ist der DS5 so on the road?

ds5-armaturenbrett

Hm… Wir fahren das Flaggschiff-Modell der Avantgarde-Marke des Avantgarde-Hersteller von Citroen – und das Gefühl ist…. eher so naja.

Irgendwie normalig.

Der Wagen ist schon cool und die Sitze wirklich ausnehmend gut – der Magic Carpet Fahr-Flor fehlt leider. Der Diesel ist geil – aber hey, ja – das konnten die schon beim Citroen BX. Der Wagen ist nicht so schlecht, weil die Leute dir immerhin hinterherschauen – vielleicht aber auch nur, weil der Wagen so schrullig aussieht. Immerhin reden wir hier von einem Wagen, der so um die Paarunddreissigtausend Euro anfängt und nach oben Luft bietet.

Der Wagen fährt sich gut, ist leise und gut abgestimmt. Tatsächlich fängt der Wagen an, dich für sich einzunehmen, wenn Du erst mal eine Zeit mit ihm fährst – aber das gilt für viele Autos. Am Ende des Tages nerven dennoch Details wie die bizarre Unübersichtlichkeit, die viel zu früh absteigende Dachlinie, die Erwachsene hinten total annervt. Das einzige schöne ist dann am Ende, dass der Wagen so anders ist. Der Rest ist auf Dauer doch sehr gewöhnlich, nur teurer und schlechter zu bedienen.

[———]

Und das reicht nicht – schon gar nicht um einen großen Namen zu tragen.“

Hmmm, sehr interessant. Bloß bin ich jetzt gleich ratlos wie vorher. Soll ich die Kiste  wieder vergessen oder mir aus Trotz erst recht einen holen? Nächster Punkt auf der to-do-Liste: Die Probefahrt. Denn nichts schlägt den eigenen Eindruck. 

Lukas

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