Die Latte wandert höher…

Bei einem hochgeistigen Getränk und guter Musik kommt so manche Erkenntnis an´s Licht, die schon lange im Unterbewusstsein geschlummert hat.

Etwa jede, dass es früher leichter war, ein Auto zu fahren, dass den Autofreak in uns anspricht. Das Seele hat, das Charakter ausstrahlt, das spannend ist. Moderne Autos legen die Latte immer höher, wenn es ein Modell zum Liebhaben sein soll.

Früher, zu Zeiten des BMW 3er E30, reichte der 320i mit zahmen 129 PS Leistung schon aus, um in den Genuss eines Sechszylinders zu kommen. Ein 320er in Buchhalter-Austattung war quer durch fast alle Berufsgruppen erschwinglich. Ja, verbrauchsstark und leistungsarm, aber ein Sechszylinder mit legendärer Laufruhe und Drehfreude. Um im heutigen 3er-BMW einen Sechszylinder-Motor unter die Haube gepflanzt zu bekommen, musst du zum 330d mit 258 PS oder zum 335i mit 306 PS greifen. Für den Arbeiter von nebenan nicht mehr leistbar. Dessen 3er hat mittlerweile entweder nur drei Häferln im 318i oder rumpelt wie ein Traktor (318/320d).

Auch mein treuer Alltags-Kamerad namens Pajero V6 3000 erfreut das Herz mit bassig-bärigem Sound, hängt toll am Gas, zieht ab Leerlaufdrehzahl schön durch und macht einfach Spaß. Mit harmlosen 139 PS Leistung. Ein Motor für´s Herz, der trotzdem volkstümlich ist. Einfach gebaut, billig zu reparieren, günstig in Steuer & Versicherung. Und doch mit dem Timbre und der Aura des Sechszylinders. Im gesamten aktuellen Mitsubishi-Programm gibt es kein Auto mehr, das dir einen solchen Grinser ins Gesicht hämmert wie der alte Pajero V6 3000. Allein diese Modellbezeichnung ist doch schon geil! 🙂

Beim Sorgenkind Subaru sieht es auch traurig aus. Früher hatte jeder echte Subaru (Sorry, Justy-Fans 😉 ) einen Boxermotor im Bug. Der sorgte für charakteristischen Sound, der sich nicht nur bei mir ins Gehirn gebrannt hat. Unzählige Youtube-Videos sprechen eine deutliche Sprache. Beim Aussteigen gab´s dank rahmenloser Seitenscheiben für alle vier Insassen den berühmten Don-Johnson-Moment. Und bei unbedarften Mitfahrern konnte man mit den zehn Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen dank voll synchronisierter Untersetzung stets Eindruck schinden. Und heute? Alle coolen Sachen eliminiert und selbst dem Boxer haben sie den Sound genommen. Kein Wunder, dass der Marktanteil schon fast bei Null liegt.

Ein Lichtblick für Genießer: Die neue Alfa-Romeo Giulia. Back to the Roots mit Heckantrieb, asymmetrischer Nummerntafel vorne und betörendem Design. Das wäre ein neues Auto zum Liebhaben. Der Schock kommt dann leider beim Konfigurieren: Neben dem 2.9 V6 QV mit Ferrari-Motor und 510 PS (!) gibt´s nur Reihenvierzylinder-Motoren, die Benziner sind ausschließlich (!) mit Automatik zu haben. Beim Diesel gibt´s neun mögliche Versionen (auch mit Schaltgetriebe), beim Benziner nur Drei. Und nur Automatik! Chance vertan. Ein weiterentwickelter 2.5 Liter Busso-V6 mit Schaltgetriebe wäre immer noch erste Wahl für Genießer und Freunde des gehobenen Antriebskomforts.

Es soll ja Leute geben, die ein neues Auto fahren wollen oder sogar müssen. Ja wirklich, Ehrenwort, ich kenn selbst welche! 😉 Und die sind gar nicht zu beneiden. Denn leistbare Autos werden technisch immer langweiliger und gleichförmiger, ein „besonderes“ Auto zu besitzen ist heute deutlich schwieriger als noch vor 10 oder 20 Jahren. Das Downsizing hat Motoren mit mehr als 4 Zylindern in die Oberklasse gedrängt, markentypische Charakteristika verschwinden, elektronische Gaspedale killen den Rest vom verbliebenen Fahrspaß. Wer rumpelige Vierzylinder-Diesel und Euro-6-geknebelte Downsizing-Schwachmaten vermeiden will, muss mittlerweile sehr weit oben ins Regal greifen.

Oder, noch besser: Einfach Youngtimer fahren. Wea ko, dea ko! 😉

Lukas

Nachtrag:

Soeben wurde mir die Info zugespielt, dass der nächste Audi A4, bisher der kleinste „echte“ Audi (sprich Längsmotor), nach dem Modellwechsel 2014 auf Quermotor umgestellt werden soll, da sich die traditionelle Längsmotorbauweise nicht mehr rechnet.

Der schwächste Sechszylinder im A4 ist aktuell übrigens der 3.0 TDI mit 218 PS, als Benziner gibt´s nur noch den 354 PS starken S4 als Sechszylinder. Zum Facelift 2019 geht der kleinste Sechszylinder gar erst bei 300 PS los.

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Ein auffälliges Auto – Segen oder gar Fluch?

Der Straßenkampf geht in die nächste Runde: Fahrer A parkt aus, ohne auf den Verkehr zu achten. Fahrer B hupt, Fahrer A zeigt den Stinkefinger, Fahrer B versucht Fahrer A zu schneiden…

Solche Situationen passieren tagtäglich auch auf heimischen Straßen, jeder Autofahrer hat solche Erfahrungen schon selbst gemacht. Im englischsprachigen Raum beschreibt der Begriff „Road Rage“ die Aggression im Straßenverkehr. Wenn euch mal fad ist: Dazu gibt´s unzählige Videos auf Youtube.

Heute wurde ich Zeuge einer ähnlichen Aktion. Und dabei kam mir folgender Gedanke:

Eigentlich ist es nicht immer von Vorteil, ein auffälliges, in der jeweiligen Gegend vielleicht sogar einmaliges Auto zu fahren.

Denn wenn du dir, insbesondere in deinem Wohnort, Feinde im Straßenverkehr machst, dann bist du mit einem auffälligen Auto eine Zielscheibe für Rachegelüste aller Art.

Einen silbernen Audi A4 oder einen schwarzen Opel Astra wird man schon nach 5 Minuten nicht mehr wiedererkennen. Es sei denn, das Kennzeichen „GU-STL55“ oder „W-APLA1“ pickt drauf. 😉 Einer der letzten überlebenden Pajero L040 in 37 verschiedenen Beige-Tönen ist aber ähnlich auffällig wie ein knalloranger Lamborghini Gallardo mit türkisen Felgen. Den erkennt man auch Wochen nach dem Zwischenfall überall wieder. Das Risiko, von einem gekränkten Road-Rage-Ego die Reifen aufgestochen oder die Scheiben zerkratzt zu bekommen, ist da deutlich höher als beim dunkelgrauen Ford Focus.

Was also tun? Am besten wird sein, sich aus solchen lächerlichen Ego-Streitigkeiten raus zu halten. Auch wenn das leider nicht immer so einfach funktioniert. Auch eine blickdichte Garage ist kein Fehler. Denn in der kann die Kiste solange verschwinden, bis der Ärger verraucht und Gras über die Sache gewachsen ist. 😉

Lukas

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Carfreitag 2017 in Graz

Der wichtigste Tag der Osterfeiertage? Natürlich der Carfreitag. Seit Jahren zieht es an diesem besonderen Feiertag Autofreaks aller Couleur nach Graz-Puntigam. Primär um dort auf einem Parkplatz herumzustehen und dem Abend beim Finster-werden zuzuschauen. Ach ja, Autos gibt´s dort ja auch.

Ich kenne kein Treffen, das mit einer solchen Vielfalt an unterschiedlichsten Kisten aufwarten kann. Echte, etablierte Oldtimer in Traumzustand genauso wie leidenschaftlich am Leben erhaltene Fetzenflieger, die niemand auch nur als Youngtimer bezeichnen würde. Bei den Alltagsklassikern ist alles vertreten, fad wird´s bestimmt nicht. Und das wichtigste: Niemand muss sich schämen, keiner wird ausgelacht. Nicht einmal für 37 verschiedene Brauntöne an einem Auto. 😉

Gut, das Wetter war wirklich bescheiden und das Grätzl dort, so zwischen Industriegebiet, Bahnhof und Triesterstrasse, ist wohl eines der schiachsten in Graz. Und doch schafft des Mr. Alltagsklassiker Micky Tieber offenbar regelmäßig, den Parkplatz pumpvoll zu bekommen.

Mich wundert´s nicht. Und ja, ich komme definitiv wieder.

Ach ja: Am 12. Mai ist dort wieder Carfreitag! 😉

Lukas

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