Das „Wunsch“-Auto

Sie sind selten, aber es gibt sie. Diese Tage, an denen man ausschließlich sinnvolle Taten vollbringt. Etwa, einen alten Subaru in den sicheren Hafen der größten heimischen Sammlung zu geleiten.

Unterwegs zum „Wunsch“-Auto

Doch es ist nicht irgend ein alter Subaru, der da „heim geholt“ werden will. Es ist wohl der einzige 1800 Hatchback Österreichs im Impreza-Tuning-Look. Der eine ganze Reihe an Umbauten über sich ergehen lassen musste. Applaus für das „Wunsch“-Auto:

Schaut ja auf den ersten Blick gar nicht sooo verkehrt aus, oder? Blick Zwo und Blick Drei offenbaren aber schon die ersten Umbauten. Die Seitenschweller etwa. Bestehen aus massiven Vierkantrohren und wurden zum hinteren Radhaus verbreitert. Ein Semi-Widebody. Quasi.

Am Heck offenbart sich der Enthusiasmus des Vorbesitzers noch deutlicher. Neben dem Doppelrohrauspuff, der soundmäßig übrigens vollends überzeugt, gibt´s eine ordentlich tiefe Heckschürze aus 1,2 Millimeter dickem Blech zu bestaunen. Natürlich mit Aussparung für die AHK.

Die Front schmückt eine optisch sehr stimmige, selbstgebaute Frontschürze mit Nebelscheinwerfern. Doch damit nicht genug. Der bastel-wütige Vorbesitzer hat die Kotflügel knapp oberhalb des Schmutztackerls und hinter der Frontstoßstange einfach abgeschnitten. Damit lässt sich der ganze obere Kotflügel-Teil durch das Lösen von vier leicht zugänglichen Schrauben abheben. Ideal, um… äh… ja… vielleicht um dahinter möglichst unkompliziert und regelmäßig Rostschutz zu betreiben?

Denn technisch und in Sachen Rost ist dieser 82er Hatchback in einem unerwartet tollen Zustand. Der enthusiastische Vorbesitzer hat beispielsweise bei jeder sich bietenden Gelegenheit sämtliche Achs- und Gelenkmanschetten mit Silikonspray eingesprüht. Der Unterboden ist rostfrei und strotzt nur so vor Fett. Scheinbar jedes Verschleißteil wurde regelmäßig zerlegt, gereinigt, geölt, gefettet und wieder zusammengebaut. Da hat jemand richtig viel Zeit und Mühe investiert, um den alten Boxer am Laufen zu halten.

Dass der Wagen ursprünglich Weiß, dann Dunkelblau war und jetzt Hellblau ist, ist da bloß Nebensache. Dass sämtliche Hohlräume vor vielen Jahren erst mit Fett geflutet und dann mit Bauschaum ausgeschäumt wurden, sämtliche Zierleisten mit dem darunter liegenden Blech zu einem großen Ganzen verspachtelt sind und an vielen Stellen alle übereinander liegenden Lackschichten spektakulär abplatzen? Egal.

Sicherlich kein Sammlerauto. Nichts für eine Historische Eintragung. Und selbst auf einem Oldtimertreffen wird er wohl kontroverse Reaktionen hervorrufen.  Aber Eisrennen? Schotterstraßen-Rallye? Verschneite Passstraße? Bring it on!

Und die Erkenntnis aus einem absolut sinnvoll verbrachten Tag? Ein paar meiner Kisten müssen wohl demnächst weichen, ich brauch wieder einen Subaru! So einen:

Lukas

P.S.: Der Namen Wunsch-Auto geht übrigens auf den höchst sympathischen Vorbesitzer zurück, der dem Wagen 25 Jahre lang die Treue hielt und „Wunsch“ heißt.

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Der Image-Faktor

Da ist mir heute etwas aufgefallen… Schaut euch einmal diese beiden Heckpartien an. Beides große Familien-SUVs:

Einer der beiden muss von Motor-Journalisten genauso wie von selbsternannten Designkritikern Spott und Häme über sich ergehen lassen. Und beim zweiten ist es der Marketing-Mannschaft des Herstellers gelungen, sein ebenso missglücktes Design unangreifbar zu machen.

Hässlich sind in meinen Augen beide.

Lukas

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Der Club der Vergessenen

Tagtäglich beschäftigen wir uns mit Autos. Mit alten Autos. Mit neuen Autos. Mit kleinen und großen, starken und schwachen, billigen und teuren, gewöhnlichen und ungewöhnlichen.

Und doch verschwindet so manches Modell in der Versenkung. Völlig unbeachtet von normalen Autonutzern. Aber auch von Enthusiasten. Unerwähnt in Auto-Foren und Autofreak-Facebookgruppen. Vorhang auf für eine kleine Auswahl aus dem großen Club der Vergessenen:

Daewoo Espero

Der Prototyp eines Weltautos. Der Daewoo Espero basiert auf GMs J-Plattform, auf der schon der Opel Ascona C aufbaut. Das durchaus gefällige Design des Hoffnungsträgers („Esperanza“ – spanisch für „Hoffnung“) kommt direkt von Bertone. Und auch der Motor im Espero 1.5 DOHC 16V hat es in sich. Sein Block stammt von Holden aus Australien, den Zylinderkopf steuerte Lotus bei. Zusammengeschraubt wurde die Kiste in Korea. Um Mitte der 1990er auch bei uns einen Achtungserfolg hinzulegen. Und heute? Da gibt es nicht einmal mehr die Marke.

Alfa Romeo 146

Der eigenartige Stummelheck-Kleinwagen mit dem grantigen Blick im Bürzel sollte den Alfa 33 ersetzen. Vorteil: Anfangs gabs ihn, trotz der Tipo-Basis, mit den Boxermotoren des 33. Auch mit dem 129 PS starken 1.7 16V. Macht euch bitte die Mühe und sucht auf Youtube nach Soundvideos von dem Motor. Una spettacolo! Aber bleibt der Boxer im Bug der einzige Pluspunkt des 146? Sieht ganz so aus. Nach 20 Jahren ist er ausgestorben und vergessen. Selbst die Alfa-Jungs scheinen ihn zu meiden. Peccato!

Honda Logo

Wer an kleine Hondas denkt, sagt Jazz. Egal ob der aktuelle Microvan oder der alte Glubsch-Kleinwagen aus den 1980ern gemeint ist. Nur an den Logo, der von 2000 bis 2001 bei uns verkauft wurde, denkt schon lange niemand mehr. Kein Wunder, das Ding war zwar robust und zuverlässig. Aber vor allem im Innenraum so trostlos wie ein nebliger Herbsttag im Weinviertel. Vielleicht heißt er aber auch Logo, weil man aufs Logo schauen muss, um ihn zu erkennen.

Mazda MPV

Oh ja, das Ding war nicht nur Mazdas erster klassischer Van, sondern auch bei uns zu haben. Als Turbodiesel mit Heckantrieb und sogar als benzingetriebene Allradvariante. Wann habt ihr den letzten Mazda MPV aus den 1990ern gesehen? Ich wette, die meisten von euch wussten gar nicht, dass es dieses Modell überhaupt je gab.

Diese vier traurigen Gestalten stehen stellvertretend für all jene Kisten, die nach nicht einmal 20 Jahren völlig aus dem Gedächtnis und dem Straßenbild verschwunden sind. Und ich sag es nur ungern, aber – die meisten völlig zu recht.

Lukas

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