Blick über den Tellerrand – Gaudi im Audi

Der Audi 80 B2. Stinklangweilige Spießerkiste mit Designanklängen beim Wartburg und einem Faszinationslevel hart am Stützstrumpf. Und dann kam er…

Ein 83er Audi 80 quattro. Fünf Zylinder, permanenter Allradantrieb, zwei manuelle Differentialsperren. Keine 120.000km auf der Uhr, beinahe in Jahreswagenzustand. Für einen Blick über den Tellerrand zur Verfügung gestellt von einem echten Enthusiasten. Der mich gerne mit seiner Faszination für die Kiste anstecken würde. Soll er´s nur probieren… 😉

Wobei… Sooo übel schaut das Ding ja gar nicht aus. Mit ein paar dezenten Spoilern, anthrazitfarbenen Alufelgen, anderen Scheinwerfern und vor allem mit dieser Farbe ist es den Ingolstädtern gelungen, das fade Design der Einsteigsmodelle ins Positive zu drehen. Kein Vergleich mehr zum einschläfernden Valium-Look eines Audi 80 1.3 CL.

Doch trotz der zusätzlichen Anbauteile, einem aufwendigen Allradantrieb und dem großem Motor bringt das Ding laut dem Besitzer nur knapp 1200 Kilo auf die Waage. Wie das gelingt? Mit konsequentem und überall spürbarem Leichtbau. Die Abdeckung von Gebläse- und Scheibenwischermotor? Hauchdünnes Plastik, Marke Jausensackerl. Keine aufwendigen Verkleidungen, keine großartige Geräuschdämmung im, in diesem Fall penibel gepflegten, Motorraum. Nein, der Kühler wurde nicht weggelassen, der hatte einfach keinen Platz mehr vor dem Fünfzylinder. Daher liegt er seitlich hinterm linken Scheinwerfer.

Und innen drinnen? Biedere Einheits-VAG-Ware, wie es der Golf-Türgriff mit dem filigranen Schnapperl beim Einsteigen vermuten lässt?

Logisch. Aber im Innenraum fällt schnell etwas anderes ins Auge. Der Leichtbau holt dich hier so richtig ein. Die Blinker- und Scheibenwischerhebel sind so robust wie zwei Soletti-Stangerl. Jedes Blinken wird von der Angst begleitet, die hohlen Hartplastik-Staberln zwischen den Fingern zu zerbröseln oder einfach abzureißen. Auch die zerbrechlichen Kippschalter um die Armaturen, die fragilen Fensterkurbeln und die auffallend schmale, filigrane Mittelkonsole atmen den Geist des konsequenten Leichtbaus. Dieses Auto erzieht Grobmotoriker zur Zärtlichkeit.

Also rein mit dem kleinen Schlüsserl in das Zündschloss, gaaanz sachte und vorsichtig drehen und ab geht die Post!

Plötzlich macht es Sinn. Der Leichtbau, vorhin noch Grund für eine gerunzelte Stirn, sorgt jetzt für spritzige Fahrleistungen, der katlose Fünfzylinder brabbelt, bollert und brüllt spektakulär aus seinem Doppelrohrauspuff. Man erwischt sich dabei, insbesondere in Unterführungen und Tunneln immer ein Eitzerl zu viel Gas zu geben. Nur um dem Motor seine hypnotischen Klänge zu entlocken. Und dem Fahrwerk ist´s Gott sei Dank auch wurscht, wenn der rechte Fuß schwer wird.

Für mich die größte Überraschung: Das Ding ist von 1983! Und pickt in der Kurve wie ein Kaugummi an der Fußsohle. Die Lenkung sehr exakt, nicht zu leichtgängig, mit tollem Gefühl für die Beschaffenheit der Straße. Keine Spur von Antriebseinflüssen oder gar Untersteuern. Dieser 34 Jahre alte 80er quattro mit Serienfahrwerk (!) ist unfassbar gut ausbalanciert, fährt unter allen legalen Bedingungen neutral und wie auf Schienen. Ein vergleichbar alter Subaru 1800 4WD Sedan mit Zuschaltallrad ist Welten von diesem Fahrverhalten entfernt.

Was bleibt vom Blick über den Tellerrand hängen? Im Audi 80 2.1 quattro ist von der Spießergurke nicht mehr viel übrig. Damals war der so gerne propagierte „Vorsprung durch Technik“ offenbar wirklich vorhanden. Spürt man ihn doch spätestens in der ersten Siebzig-Links-Zwei-Plus-Kuppe.

Lukas

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Oldtimer-Messe Tulln 2017 – Also doch wieder!

Die jährliche Oldtimer-Messe in Tulln ist und bleibt einfach ein Pflichttermin. Da können die Zweifel am Faszinationsgehalt so mancher „Sonderschau“ noch so groß sein. 😉 Also rein in den Youngtimer, Tempomat auf Tacho 135 und ab…

Alle Jahre wieder!

Die eigentliche Sensation am Messegelände ist auch heuer wieder das Oldtimertreffen im Freigelände. Eine solche Vielfalt an unterschiedlichsten Gurken und Traumwagen, Straßenkreuzern und Gasslhatzern findest du maximal noch bei einem Treffen der Alltagsklassiker-Community. Sonst aber sicherlich nirgends. Kostprobe?

Tatra 613-2

Pontiac Sunbird

Mercedes-Benz 190D T-Modell (?) 😉

Toyota Corona Mark II Hardtop-Coupe

Datsun-Nissan Cherry Turbo

Alfa Romeo 2600 Sprint

Von Concours-Zustand bis Alltagsflieger alles da. Schon allein deshalb zahlt sich die Anreise aus.

Und entgegen allen Befürchtungen im Vorfeld, es könnte in den Hallen ordentlich Langeweile aufkommen, finden sich heuer auch dort wirklich sehenswerte Kisten.

Opel Rekord E

Toyota Crown 2600 Super Saloon + Toyota Corolla KE35

Packard

Mercedes-Benz 280SE alias „Die coolste Fehlfarbe“

Morris Commercial

VW Karmann Ghia TC

Den Teilemarkt und die Automobilia-Händler „kaust spritzen“, wie man unter den Einheimischen sagt. Völlig überteuerte Preisvorstellungen, jedes Jahr die gleichen Leichenteile. „Owa des wiss´ma eh, heast!“. 😉

Die heurige Vorschau zur Messe schließt mit der Frage:

Warum ich eigentlich hinfahre? Fragt mich was leichteres…

Jetzt war ich dort und kann es euch beantworten.

Weil es primär ein großes Oldtimertreffen ist, auf dem du nicht nur unterschiedlichste Marken und Modelle, sondern auch alte Freunde und Bekannte triffst. Weil es quasi der offizielle Saisonauftakt der heimischen Szene ist. Und weil es einfach schön ist, einen Tag unter Spinnern zu verbringen, die ähnlich ticken wie der Autor.

Lukas

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Oldtimermesse Tulln 2017 – -Warum eigentlich?

Kommendes Wochenende ist es soweit. Der Countdown läuft, die diesjährige Oldtimermesse in Tulln steht vor der Tür. Und natürlich werd ich wieder vor Ort sein. Wie schon 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016 auch…

Wie man oben nachlesen kann, insbesondere beim Jahr 2015, war mein Fazit nicht immer so rosig wie erwartet. Überteuerte Automobilia, langweilige Mainstream-Clubstände, viel zu viele „Klassiker„. 😉

Und heuer? Wahrscheinlich wirds wieder genauso werden. Die Liste der Sonderausstellungen lässt das vermuten:

  • 70 Jahre Steyr Traktoren
  • 60 Jahre PUCH 500
  • 60 Jahre NSU Prinz 3
  • 50 Jahre NSU RO 80
  • 50 Jahre Citroen Dyane
  • 50 Jahre Rover V8 Motor
  • 40 Jahre Porsche 928
  • 40 Jahre Opel Rekord E – Commodore C – Senator – Monza A
  • SM Citroen -Maserati
  • Puch DS 50
  • Luftgekühlte Volkswagen
  • ÖGHK -„Wir bewegen Tradition“
  • 55 Jahre ÖMVC

Klingt nicht nach einer Veranstaltung, die ich besuchen würde. Viel Mainstream, Kleinbürgertum, Club-Spießerei. Schon allein der Name „Österreichische Gesellschaft für historisches Kraftfahrwesen“ ist abschreckend genug.

Dabei gäbe es heuer neben Steyr-Traktoren, Puch 500 und Porsche 928 (*Gääähn*) noch einige andere interessante Jubiläen zu feiern. Etwa 100 Jahre Mitsubishi. Oder 35 Jahre Pajero. Oder 100 Jahre Fuji Heavy (alias Subaru).

Warum es dazu keine Sonderausstellungen gibt?

Weil die heimische Japan-Oldies-Szene für solche Messen einfach nicht dicht genug aufgestellt ist. Da gibt´s keine strammen Clubstrukturen, keine g´schaftigen Freiwilligen, keine Macher mit Sendungsbedürfnis.

Der einzige Nachteil dabei: Die etablierte Club-Szene glaubt weiterhin, sie ist der Nabel der heimischen Oldtimer-Welt, weil es ja keinerlei „Konkurrenz“ aus dem Nachwuchs-Lager gibt.

Natürlich gibt´s auch heuer wieder einen ausführlichen Bericht zur Oldtimermesse in Tulln. Warum ich eigentlich hinfahre? Fragt mich was leichteres… 😉

Lukas

 

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