Youngtimer-Marktbericht IV: Mitsubishi Pajero V20

Die Serie “Youngtimer-Marktbericht” soll euch in losen Abständen aktuelle Geschehnisse und/oder Veränderungen am heimischen Markt für Liebhaberautos aufzeigen und Interessenten über die momentane Marktlage informieren.

Im vierten Teil dreht sich alles um einen Typ, der mir besonders am Herzen liegt, weil es mein erstes Auto war. Der Mitsubishi Pajero V20 bis zum großen Facelift (1991 – 1997).

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Den Pajero der zweiten Generation ereilt jetzt, 25 Jahre nach Produktionsstart, ein hartes Schicksal. Als Youngtimer wird er nicht wahrgenommen, weil er einfach nicht alt aussieht. Hinzu kommt die ehemals große Verbreitung und die dadurch niedrigen Gebrauchtpreise. Das alles führt dazu, dass jetzt die letzten brauchbaren V20 vom Markt verschwinden. Wenn man zur Zeit einen frühen V20 in freier Wildbahn sieht, ist er in der Regel ziemlich fertig…

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Und der Großteil der inserierten V20 bis 1997 entspricht genau dieser Zustandsklasse. Dabei bewegen sich die Preise zwischen 990 € für rettungslos verlorene Almautos bis knapp 3000 € für halbwegs brauchbare Exemplare mit einigen Monaten Rest-Pickerl. Oder mit bulgarischen Papieren. Vom “schönen Zustand” sind wir da aber weit entfernt. Solche Autos eigenen sich nur für Exporteure, als Waldauto ohne Nummerntafel oder für Bastler zum Schlachten.

Bad Ones

Der Bestand an frühen V20 bis 1997 dünnt sich so recht schnell aus, zur Zeit verschwinden die schlechten Exemplare zügig von den Straßen. Hinzu kommt ein Trend, der schon länger den Bestand alter Pajeros weiter schrumpfen lässt – Der Umbau zu Trophy- und Rallyefahrzeugen.

Trophy

Wenn dann fast alle frühen V20 verschwunden sind, bleiben nur noch die wirklich Guten übrig. Und davon gibts durchaus noch einige. Exemplare unter 200.000km, die vom Rost und von sorglosen Besitzern so halbwegs verschont wurden, kosten stabil zwischen 4500 und 7500 Euro, egal ob es eine Erstzulassung 1991 oder 1996 ist. Da zählt der Zustand, nicht das Alter. Wobei besonders die lange Version zwar gefragter, aber auch sehr viel seltener ist als der kurze Dreitürer.

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Momentan verschwinden frühe V20 zügig von den Straßen. Die wenigen guten Exemplare sollten besser heute als morgen gekauft und so quasi “gesichert” werden, bevor auch sie als Almauto oder Trophyracer niedergeritten werden. Eines steht aber fest: Bis der V20 als Youngtimer durchgeht, vergehen wohl noch viele Jahre.

Mitsubishi Pajero V20 (-97): Verfügbarkeit **°°°; Preisentwicklung **°°°; Bekanntheitsgrad *****

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Blick in die Zukunft II – Die Veränderungen

Im ersten Teil, “Blick in die Zukunft I – Die Innovationen” haben wir schon viel über die Zukunft des autonomen Fahrens gelesen. Im zweiten Teil “Blick in die Zukunft II – Die Veränderungen” geht es um den automobilen und gesellschaftlichen Umbruch, den uns die autonome Mobilität bescheren wird.

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Foto: Mercedes-Benz via http://www.sueddeutsche.de

Wenn moderne Fahrzeuge, egal ob PKWs oder LKWs, miteinander vernetzt sind, untereinander kommunizieren und entweder voll- oder zumindest teilautomatisiert fahren, wird ein Auto ohne Connectivity zur unberechenbaren Waffe. Weil hinter dem Steuer die größte Schwachstelle im System den Ton angibt – der Mensch.

Ich lehne mich, mit Rückenwind von Brancheninsidern, mal weit aus dem Fenster: Spätestens in 15 Jahren werden zwischen 25 und 50 Prozent der Autos auf den Straßen vollautomatisiert fahren. Der Rest über weitere Strecken zumindest teilautomatisiert. Dann werden alte Autos quasi asozial. Denn sie teilen keine Informationen über Gefahrenstellen oder Staus mit anderen Fahrzeugen. Und sie halten sich – weil ja der Mensch fährt – nur bedingt an Verkehrsregeln. Somit sind sie gefährlich, passen einfach “nicht mehr dazu”.

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Foto: http://www.morgenpost.de

Und damit wird auch die noch relativ frische “Youngtimer“-Bewegung ihr Ende finden. Gut, für etablierte Oldtimer (über 30 Jahre, in Österreich als “historisch” typisiert, in Deutschland mit “H”-Kennzeichen) wird es wohl Ausnahmen geben, die das Fahren unter bestimmten Bedingungen erlauben. Beispielsweise eine ausdrückliche Fahrerlaubnis im Rahmen einer Veranstaltung oder an zwei Tagen die Woche außerhalb des Berufsverkehrs von April bis Oktober, überwacht durch eine Blackbox.

Aber Autos, die einfach nur alt sind ( 10 bis 30 Jahre), wird man sehr bald sehr rigoros von der Straße nehmen. Etwa durch immer strengere Umweltzonen (z.B. keine Fahrerlaubnis mehr bei Abgaswerten schlechter als Euro 6) und/oder mit einer KFZ-Steuer, die mit dem Fahrzeugalter drastisch steigt und so Autos über 5 oder 7 Jahren empfindlich teuer macht. Und den Bestand auf diese Weise stark ausdünnt.

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Foto: http://www.merchantcircle.com

Und vergesst mir bitte eines nicht: Solche Maßnahmen sind bereits jetzt gesellschaftlich akzeptiert! Besonders in unseren Ballungsräumen steigt die Zahl der Auto-Kritiker stark an. Nicht nur Umweltapostel versuchen schon jetzt, Fahrern älterer Autos mit höherem Verbrauch ein schlechtes Gewissen einzureden. Selbst Autozeitschriften springen auf den Zug auf und schreiben Sätze wie “Nur mit alternativen Antrieben lässt sich die Faszination Auto auch in Zukunft noch guten Gewissens leben”. Es wird also die Gewissens-Keule ausgepackt. Dagegen sind Argumente machtlos.

Ich etwa bin für manche Leute in meinem Bekanntenkreis kein “Autofreak” mehr, sondern jemand, “dem die Probleme unseres Klimas egal sind”. Vor einigen Tagen selbst gehört. Da greifst du dir auf den Kopf, was? Aber so schaut ein immer größer werdender Teil der öffentlichen Meinung aus!

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Und auch unser Auto-Kaufverhalten an sich wird sich stark ändern. Es wird wohl bald keinen Sinn mehr machen, ein neues Auto in Bar zu bezahlen und dann lange zu behalten. In Zukunft werden alle neuen Autos geleased sein und nach Ende der Garantiezeit von 5 oder 7 Jahren der Verwertung zugeführt werden. Schon allein, weil das Risiko teurer Elektronikdefekte rund um das automatisierte Fahren schlichtweg zu groß ist. Dazu kommt die geplante Obsoleszenz. Quasi ein eingebautes Ablaufdatum, das schon länger Realität ist. Auch in der Automobilbranche. Autos werden so gebaut werden, dass sie einfach keine 15 oder mehr Jahre mehr halten. Teilweise sind wir ja heute schon dort angekommen. Redet mal mit einem erfahrenen Mechaniker. ;-)

In Verbindung mit den immer strenger werdenden Umweltzonen und einer mit dem Fahrzeugalter stark steigenden Steuerbelastung werden wir Kunden sachte aber bestimmt erzogen und unser Kaufverhalten eindeutig beeinflusst.

Ich bin gespannt, was uns die automobile Zukunft bringt. Aber bis es soweit ist, sollten wir unsere momentane Freiheit nutzen und bewusst genießen.

Lukas

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Blick in die Zukunft I – Die Innovationen

Ein sehr interessantes Gespräch mit einem Insider der Autobranche, der aus rechtlichen Gründen nicht genannt werden darf, veranlasst mich zu einem Brainstorming über unsere automobile Zukunft. Im ersten Teil geht es um die Innovationen, die uns in den nächsten Jahren erwarten.

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Foto: http://www.urban-pioneer.com

Laut dem Branchen-Insider werden wir viel früher automatisiert und völlig vernetzt fahren als wir uns jetzt vorstellen können. Wenn schon 2019 im VW Golf VIII der Autopilot bis 130 km/h alleine fahren kann, ist automatisiertes Fahren in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und sooo lange dauert das nicht mehr.

Automatisiert fahrende und untereinander vernetzte Autos werden unseren gesamten Straßenverkehr völlig verändern. Autos werden in der Lage sein, andere in der Umgebung befindliche Autos in Echtzeit über Gefahrenstellen (z.B. “ESP bei Koordinaten XY ausgelöst”) zu warnen. Dann wissen nachfolgende Autos, dass die übernächste Kurve glatt ist und warnen den Fahrer oder bremsen selbsttätig ab. Mit Stauinfos aufs Navi ist das schon Realität.

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Foto: BMW Group

Und ja, auch die Sicherheit im Straßenverkehr wird steigen. Computer sind nie betrunken, stehen nie unter großem Stress, nehmen keine Drogen, erleiden keinen Sekundenschlaf, sind nicht von Aggressionen oder Depressionen beeinträchtigt. Wenn Autos selbst die Spur halten und entgegenkommende Autos auch autonom und damit berechenbar fahren, gibts so gut wie keine Gegenverkehrsunfälle mehr, die immer noch viel zu viele Tote und Schwerstverletzte fordern.

Wir dürfen auch nicht vergessen: Das alles gibt´s ja schon längst! Klingt nach Zukunftsmusik, ist aber schon auf der Straße. Nicht mehr nur in Oberklasselimousinen für mehrere Hunderttausend Euro. Sondern auch in volkstümlichen Modellen wie einer Mercedes-Benz C-Klasse W205 zu haben. Der Stauassistent lenkt, bremst und beschleunigt in zähfließendem Verkehr bis Tempo 60 schon völlig von alleine. Auch wenn der Fahrer das System beim teilautomatisierten Fahren noch selbst überwachen muss, ist es doch ein wichtiger Schritt zum “Autopilot”.

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Foto: http://www.digitaltrends.com

Und das ruft natürlich Kritiker auf den Plan. “Um Gottes Willen, was ist, wenn sich der Computer aufhängt?”. Das wird sicherlich passieren, ja. Aber man darf nicht vergessen, das jeder, der schon einmal mit einem Flugzeug geflogen ist, sein Leben auch einem Computer anvertraut hat. Natürlich ist der Straßenverkehr viel komplexer als der Flug über den Wolken. Bei der rasanten Entwicklung von Hard- und Software wird es aber nicht mehr lange dauern, bis solche Systeme zuverlässig funktionieren. Und es wird auch digitale Sicherheitsnetze geben, falls wirklich einmal etwas ausfällt. Darauf darf man laut meinem Informanten durchaus vertrauen.

Ich steige in Graz ins Auto. Sage laut und deutlich die Adresse in Wien, zu der ich gebracht werden will. Dann lehne ich mich zurück, lese eine Zeitung oder schreibe einen Artikel, während mich mein Auto stressfrei und entspannt über die Südautobahn nach Wien kutschiert. Ich muss mich weder um drängelnde Audifahrer noch um schlechte Sicht bei Regen oder um den Feierabendverkehr auf der Tangente kümmern. Ein herrlicher Gedanke!

Wo bleibt der Fahrspaß, fragt ihr? Hand aufs Herz, die Fahrt von A nach B mit Termindruck über langweilige Autobahnen macht auch dann keinen Spaß, wenn man selbst fährt. ;-)

Lukas

P.S.: Im zweiten Teil unter dem Titel “Blick in die Zukunft – Die Veränderungen” gehts interessant weiter. Dran bleiben!

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