Finnland. Kein Wintermärchen

Klingt nach Märchen, ist aber Realität: Da kauft ein schrulliger Brite aus Birmingham einen irrsinnig raren 1969er Datsun Cedric 130 Deluxe Kombi vollgeräumt mit Ersatzteilen im äußersten Osten Finnlands und fährt damit, im Dezember, auf eigener Achse heim. 😮

Mehr als 3000 Kilometer durch den winterlichen Norden in einem Auto aus dem Jahr 1969, von dem in ganz Europa noch vier (!) überlebende Exemplare bekannt sind.

Dieser Cedric ist aber bei weitem kein originaler Survivor mehr, sondern wurde vor etwa zehn Jahren komplett restauriert und im Zuge dessen umgebaut. Die Lenkradschaltung musste einer moderneren Automatik mit Wählhebel auf dem Mitteltunnel weichen. Der Motor stammt aus einem Datsun 260Z und bringt deutlich mehr Leistung als der originale 2 Liter. Und weil die auch Kontrolle braucht, stecken rundum Scheibenbremsen unter den originalen Radkappen. Im Zuge des Neuaufbaus gab´s auch verstärkte Stabis vorne und hinten, ein elektrisches Schiebedach aus einem W201er Benz, moderne Einzelsitze mit Kopfstützen vorne statt der durchgehenden Bank und eine nachgerüstete Servolenkung.

Zufällig liegt das Volvo-Museum in Göteborg auf dem Heimweg in die West Midlands, also kann man den Schweden gleich zeigen, wie elegant ein Kombi aussehen kann.

Das Foto hat er wohl mit Stativ gemacht, denn wegen der ganzen Ersatzteile – eh scho wissen – war einfach kein Platz mehr für einen Co-Piloten. Von Sommerreifen über unzählige Zierteile bis hin zu Stoßstangen, Dichtungen, Blechen und Scheiben ist da alles drin, was man hoffentlich nie braucht.

Und weil eine solche Reise noch nicht verrückt genug ist, spukt schon wieder eine neue Idee im Kopf des Neo-Besitzers herum, wie er mir erzählt hat. Man könnte dem Wagen doch seinen Geburtsort zeigen. Nein, nicht den Ort seiner Auferstehung im finnischen Osten namens Kesälahti. Sondern Yokosuka in Japan. NaHimmelHerrGott, der macht das wirklich!

Die spinnen, die Briten! 😉

Lukas

Alle Fotos: James Railton

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Melancholie…

… im Dezember.

Schnee legt sich über heimische Wohnsiedlungen, die Temperatur bleibt unter Null. Einsam und verlassen steht einer, der seine Garage schon länger für einen Jüngeren räumen musste, im Dezember-Nebel und wartet auf Erlösung.

Leere Scheinwerfer-Augen starren auf die Betonklötze rundum. In seinem traurigen Blick liegt die Gewissheit, dass es wohl nie wieder zurück auf die Straße gehen wird. Zahlreiche Rostnarben zeugen von 29 ereignisreichen Jahren. In denen es mehr Streusalz als Handwäschen und mehr Feldwege als trockene Garagenplätze gab.

Und doch – er hat auch gute Zeiten erlebt. Es gab da jemanden, der sich gekümmert hat. Der nach jedem Reifenwechsel die Radkappen wieder montiert und die Reifen gewissenhaft mit „RH“ und „LV“ beschriftet hat.

Ob er öfters an diese noch gar nicht so lange zurückliegenden, behüteten Zeiten denkt? Damit ist es jetzt wohl vorbei, die Zukunft hält für ihn nichts mehr bereit.

Oder doch? 😉

L

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Alle Jahre wieder…

… kommt der Gewissensbiss, auf den Blogger nieder, der Ganzjahres-Fahrer is.

All jene, die nicht gerade im Koma liegen, haben wohl schon bemerkt, dass wir uns mittlerweile im Winter befinden. Kein Spätherbst mehr, keine Übergangszeit. Sondern Winter. Mit allem, was dazugehört. Minustemperaturen, Schnee, salzige Straßen.

Ja, normalerweise ist der Asphalt schwarz!

Klingt nicht sehr romantisch. Und doch wohnt dem Autofahren im Winter ein Zauber inne. Die früh einsetzende Dunkelheit sorgt für romantische Ausfahrten durch stockfinstere, verschneite Wälder. Und der heimelige Geruch der Youngtimer-Heizung… Aber was red ich, das wisst ihr seit meinem Artikel über Das rollende Lagerfeuer ja eh schon längst. 🙂

Heuer, bekanntlich hab ich ja auf ein Winterauto verzichtet, kommt neben all den romatisch-positiven Aspekten des Winterfahr-Genusses aber ein Teuferl auf der Schulter dazu. Dieser Beelzebub zitiert immer wieder den gleichen Artikel:

Doch so einfach gebe ich mich nicht geschlagen. Mein Allwetter-Gerät namens „50 Shades of Brown“ ist gewissenhaft konserviert. Mehrere Dosen Fett sind im und am Rahmen verteilt, in den Radhäusern aufgebracht, an den Blechüberlappungen versprüht. Nach jeder Salzorgie  hinterm Streuwagen folgt der Besuch in der Waschanlage, um die weiße Pest wieder loszuwerden. Zumindest für die Zeit bis zur nächsten Ausfahrt. 😉

Alpensalz aus Österreich

Meinem Alltagsauto, dass an mehreren Stellen geschweißt, zigfach nachlackiert, von jahrzehntelangem Alltagsbetrieb schonungslos weichgeklopft wurde, mute ich das zu. Den fahr ich guten Gewissens jeden Tag. Denn ohne mich wäre er schon vor Jahren den Weg allen Irdischen gegangen. Die wirklich guten Exemplare in meinem Fuhrpark aber, die kennen Streusalz und Winterdienst nur vom Hörensagen.

So halten sich auch die Gewissensbisse in Grenzen und es bleibt mehr Zeit, die schönen Seiten des Winters zu genießen.

Lukas

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