Die Akte Boxer-Diesel

Die 2000er Jahre gehen wohl als die heydays des modernen Dieselmotors in die Geschichte ein. Ab der Kompaktklasse waren Benziner hierzulande kaum noch verkäuflich.

Und natürlich wollte auch Subaru auf den europäischen Dieselzug aufspringen. Man dachte wohl, mit einem Diesel wäre es möglich, die Talfahrt der Marktanteile zu stoppen. Relativ spät, 2008, war es dann soweit: Der erste und einzige Großserien-Turbodiesel in Boxerbauweise sollte Subaru zu neuen Höhenflügen verhelfen. Zuerst im Legacy und Outback, dann auch im Forester und im Impreza. Und es schien, als hätte die Subaru-Kundschaft wirklich nur darauf gewartet. Die Nachfrage war groß, der Diesel erste Wahl. Für den Forester 2.0D etwa wurde sogar ein eigenes Prospekt gedruckt.

Doch bald war der Höhenflug vorbei, die ersten Boxerdiesel wurden hart von der Realität eingeholt. Während der Produktion in den Motor eintropfende Dichtmasse sorgte früh für erste Motorschäden. Alles kein Problem, weil Werksgarantie. Aber trotzdem ärgerlich. Noch ärgerlicher aber, dass von diesem Mangel nicht betroffene, später produzierte Motoren auch reihenweise frühzeitig aufzugeben scheinen. Wer die Suchmaschinen mit den Schlagworten „Boxerdiesel Motorschaden“ füttert oder auf die altmodische Art mit einem Subaru-Mechaniker spricht, verliert schnell die Lust, sich einen Subaru mit Selbstzünder zu holen.

Die Schäden, von denen berichtet wird, sind immer die gleichen, nämlich hauptsächlich defekte Pleuellager und gebrochene Kurbelwellen. In solchen Fällen gibt´s in der Regel einen neuen Motorblock und neue „Innereien“. Kostenpunkt irgendwo zwischen 10.000 und 12.000€. Das trügerische dabei scheint zu sein, dass es sich nicht auf bestimmte Moelljahre eingrenzen lässt.

Zahlreichen Gebrauchtwagen-Interessenten und auch so manchem Händler fällt der Dieselboom der 2000er Jahre jetzt auf den Kopf. Wer sich beispielsweise einen Forester der dritten Generation (2008 bis 2013) holen möchte, findet zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels auf willhaben.at ganze 20 Stück. Davon kein einziger (!) Benziner. Auf gebrauchtwagen.at steht es 27 Diesel zu 2 Benzinern. Die fünfte Generation des Legacy, verkauft von 2009 bis 2014, war hierzulande erst gar nicht mit Benziner zu bekommen.

Einige Händler betonen auf Nachfrage, dass sie gerne mehr gebrauchte Benziner vom Forester und vom Legacy hätten, da die Nachfrage im Gegensatz zum Boxer-Diesel beim Benziner wächst. Nur die Autos fehlen. Schließlich war man vor einigen Jahren noch darauf bedacht, so viele Diesel wie möglich an den Mann zu bringen.

Wer findet das Schaltgetriebe?

Auch bei den Neuwagen scheint die Ära des 2.0D kurz vor dem Ende zu stehen. In den neuen Modellen Impreza, Levorg und XV ist er gar nicht mehr zu bekommen, für den nicht mehr ganz taufrischen Outback und den Forester gibt es ihn noch. Wobei die Kehrtwende hin zum wieder beliebter werdenden Benziner auch keinen Unterschied in Sachen Marktanteil mehr machen wird. Denn mit der momentanen Modellpolitik, fast nur noch das stufenlose Lineartronic-CVT-Getriebe anzubieten, bleibt wohl auch der Erfolg des Benziners sehr begrenzt.

Lukas

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Eine Reise durch zwei Jahreszeiten

Österreich ist spannend. Zahlreiche unterschiedliche Landschaften und Klimazonen auf kleinstem Raum in einem Land, deren Bundesländer unterschiedlicher nicht sein könnten. Durch ein schönes Beispiel dieser unterschiedlichen Klimazonen auf kleinstem Raum bin ich gegen Ende Jänner gecruist.

Los gings an der Mündung der Mürz in die Mur, in der alten Handelsstadt Bruck an der Mur. Bei warmen 8 Grad, weil wärmster Jänner seit ewig – eh scho wissen. Schon bei der Auffahrt auf die Schnellstraße mit Ziel Ebreichsdorf im Süden Wiens ist klar, dass es wohl eine Salzschlacht werden wird. Denn im Schatten ist die S6 salznass, trotz des schönen Wetters.

Na herrlich, wie fast jeden Tag. Das ganze Mürztal in Richtung Semmering strahlender Sonnenschein, aber salznasse Straße mit ordentlich Gischt. So kriecht das Salz erst so richtig in jede Lücke. Über den Semmering kommt noch Schmelzwasser dazu. Auch schon wurscht. Bis Gloggnitz in Niederösterreich das gleiche Spiel. Salznasse Straße, grauslig. Aber der Schnee verschwindet aus der Landschaft, braune Wiesen machen sich breit.

Und ab dem Knoten Seebenstein ändert sich plötzlich alles. Die Südautobahn in Ermangelung von Hügeln durchgehend von der Sonne getrocknet. Aber noch weiß vom Salz. Das ab Wiener Neustadt dann auch verschwindet. Und plötzlich bist du auf salzfreien Straßen von zahlreichen sauberen und salzfreien Autos umgeben. Ich glaub ich spinn´….

Vor einer Stunde noch bin ich in der steirischen Salzmine losgefahren und plötzlich komm ich im Frühling an. Autobahn Abfahrt Baden, rechts raus Richtung Ebreichsdorf und schon steht der erste Mustang aus dem 60ern an der Ampel vor mir. Willkommen in der anderen Welt. Hier würd ich das Ding auch nicht einwintern sondern ganzjährig fahren. An den wenigen Tagen mit salznassen Straßen bleibt er halt daheim. In der Obersteiermark, im Salzburgischen oder in Tirol wäre das undenkbar. Da kannst einen sogenannten „Ganzjahres-Klassiker“ nach einem Winter aus der Garage kehren. Nur die Scheiben und die Sitze bleiben übrig.

Nach einem Nachmittag im pannonischen Klima des Steinfelds im Süden von Wien geht es Abends wieder retour über den Semmering. Zurück in den Winter. Dass ich dem Drang, meinen Wagen in Baden ordentlich mittels Hochdruckreiniger zu baden ;-), widerstehen konnte, war auch gut. Denn ab Gloggnitz in Richtung Styria wieder das gleiche Spiel – Pökeln, bis das Schweißgerät kommt.

Und die Moral von der Geschicht?

Es tauchen, besonders auf Facebook, immer wieder Sprüche auf, in denen die ganzjährige Nutzung von Old- und Youngtimern propagiert wird. Meist von Leuten, die in Wien oder Eisenstadt, in Korneuburg oder Traiskirchen leben und gerne groß reden. In diesen Regionen mag es auch funktionieren, ein gut gepflegtes Auto ganzjährig zu fahren, ohne mit dem zügigen Verfall konfrontiert zu werden.

In den meisten anderen Regionen Österreichs aber, sieht die Welt ganz anders aus. Wer sich einmal die Mühe macht, Gebrauchtwagen in Saalfelden am Steinernen Meer im schönen Pinzgau nach zehn Wintern mit Gebrauchten aus Baden zu vergleichen, wird den Unterschied sofort erkennen. Daher: Nicht so schnell verallgemeinern, sondern besser einmal mehr das Hirn einschalten, bevor groß geredet wird. Damit ist uns allen geholen.

Lukas

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Mehr Entspannung im Feierabendverkehr

Ein Donnerstag-Abend, Ende Jänner im Osten Österreichs. Die Straßen sind feucht und dreckig, die Wiesen braun, der Himmel grau vom Hochnebel. Es nieselt leicht. Gestresste Leistungsträger, ausgebeutete Zeitarbeitskräfte und genervte Angestellte möchten so schnell es geht nach Hause. Wer jeden Werktag in dieser explosiven Mischung aus schlechtem Wetter, aggressivem Fahrstil und chronischer Verkehrsüberlastung steckt, hat zwei Möglichkeiten, nicht depressiv zu werden.

Möglichkeit 1 – Du passt dich an und wirst selbst zum A*sch hinterm Lenkrad. Andere rumschupsen, um selbst nicht herumgeschupst zu werden. Klingt nicht sehr erstrebenswert. Aber es gibt da ja noch

Möglichkeit 2 – Du brauchst ein Auto, dass dich fürsorglich umarmt, deine Seele beruhigt und dich vor all diesen negativen Schwingungen bewahrt. Ein Auto, das auch für Angestellte leistbar sein muss, aber trotzdem über der Hierarchie im Straßenverkehr steht.

Vielleicht sowas in der Art?

Nein, das ist kein Scherz! Sondern ein Mercedes-Benz S250 CDI. Mit 4-Zylinder-Diesel, der 204 PS leistet. Die Fahrzeuge gibt´s mit einem Jahr Garantie vom Händler für 30.000€. Ein nur unwesentlich jüngerer VW Passat mit guter Ausstattung und dem großen TDI kostet auch nicht weniger. Mit der S-Klasse aber, die sich mit 6,5 Liter Diesel begnügt, bist du nicht Teil des Außendienstler-Kriegs auf der linken Spur. Du wirst von anderen Verkehrsteilnehmern nicht bedrängt, geschnitten oder gemobbt. Sondern einfach in Ruhe gelassen. Weil besonders ohne Modellbezeichnung am Heck niemand einschätzen kann, wie stark der Wagen ist und wer da drinnen sitzt. Ist es ein Star-Anwalt? Ein Primar? Oder gar der eigene Chef?

Eine gar-nicht-so-alte S-Klasse lässt aber nicht nur die Aggressionen anderer Verkehrsteilnehmer am optisch gewöhnungsbedürftigen Blech abprallen. Sie sorgt mit tollen Sitzen, hohem Komfort und immer noch erstklassiger passiver Sicherheit für ein Gefühl der Geborgenheit beim Fahrer und so für einen entspannten Fahrstil. Denn Selbstbewusstsein macht einfach souverän.

Es soll günstiger sein? Dann wäre das hier eine Alternative:

Ein Volvo S80 D3 mit 5-Zylinder-Diesel, steuersparenden 136 PS, sparsamen 6 Litern Verbrauch und das alles vom Händler für deutlich unter 20.000€. Ein stattliches Auto mit sehr hohem Komfort, tollen Sitzen, überschaubarer Großserientechnik (Ford-Plattform), sehr hoher passiver Sicherheit und zeitlosem Design zum Preis eines Basis-Golf mit Tageszulassung. Und das Beste am letzten Volvo mit mehr als vier Zylindern: Niemand weiß, wie alt oder neu, wie billig oder teuer das Ding ist. Wurde er doch von 2006 bis 2016 optisch beinahe unverändert produziert. Und das mit Motoren zwischen 109 und 315 PS. Alles ist möglich. Aber nix is´ fix.

Der Volvo S80 der zweiten Generation ist der souveräne Freiberufler im Karpfenteich der burnout-gefährdeten Angestellten. Für niemanden eine Bedrohung, keine rollende Provokation, kein Präpotenz-Statement. Und so auch niemals Ziel fehlgeleiteten Statusdenkens, das sich über den Fahrstil entlädt. Sehr angenehm!

Immer noch zu teuer? Dann wird es Zeit, kreativ zu sein. Und zwar damit:

Ein Buick Park Avenue 3.8 V6 aus Mitte der 90er Jahre. Quanta costa? Irgendwo zwischen 2000 und 4000 €. Wenn man das 96er-Modell mit dem problematischeren 204 PS-Series-II-Motor meidet, stecken steuergünstige 173 PS unter der Haube. Dank sensationell niedrigem Drehzahlniveau und sedierendem Fahrzeugcharakter verbraucht der PA nur knapp 11 Liter Benzin, glänzt aber mit sehr hohem Antriebs- und Fahrkomfort. Die Kiste ist simpel aufgebaut, Ersatzteile sind sensationell günstig und einfach zu bekommen. Ein idealer Daily Driver, um entspannt in die Arbeit und wieder heim zu cruisen.

Und das Beste an dieser Kiste: Du bist für deine Mitmenschen ein Buch mit sieben Siegeln. Was ist das für ein Auto? Ist das Ding alt oder neu? Ist der schnell oder lahm? Wer sitzt da drin? Zuhälter, Tätowierer oder exzentrischer Pensionist? Wer im Alltag Park Avenue fährt, gleitet völlig unbehelligt durchs Verkehrsgewühl.

Ihr seht also: Es kann auch mit kleinerem Bankkonto gelingen, die Hektik der Rush-Hour an sich abprallen zu lassen. Man muss nur im richtigen Auto sitzen.

Lukas

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