Ergänzung zu: Der Geländewagenfahrer

Im März letzten Jahres habe ich den Versuch einer Charakterisierung der heimischen Geländewagenfahrer gewagt. Herausgekommen sind fünf nicht ganz ernst gemeinte Typen, die sich so oder so ähnlich auch auf der Straße wieder finden.

Es gibt aber einen sechsten Typen, den ich euch vorenthalten habe. Primär, weil ich es gerne verdränge, dass es den gibt. Es ist

Der Reißteufel

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Er ist der Alptraum eines jeden Gebrauchtkäufers. Doch die meisten Geländewagen überleben ihn so oder so nicht. Der Reißteufel ist gnadenlos zu seinem Auto, erst recht wenn der Wagen ein Offroader ist. Gnade mit der geschundenen Technik kennt er nicht, er ist grundsätzlich immer am Rande der Belastbarkeit unterwegs. Oft auch darüber. Mit 3 Tonnen schwerem Anhänger über Passstraßen, immer hart am roten Bereich der Motor-Temperaturanzeige bis der Zylinderkopf aufgibt? Mit 4 Ketten im Tiefschnee freischaukeln bis die Antriebswelle knackt? Schei* drauf, hätte halt kein Geländewagen werden sollen, wenn er das nicht aushält. Typische Fahrzeuge: Pick-Ups ala Mitsubishi L200 und Toyota Hilux.

Wie ich drauf komme? Ich hatte in den letzten Tagen ein interessantes Gespräch mit einem Holzschlägerungs-Unternehmer. Der hatte in den letzten zehn Jahren sechs Pick-Ups und jeder einzelne ist vor der 100.000km-Marke mit Motorschaden verblichen. Auf meine Frage, was er mit den Autos denn so gemacht habe, kamen die typischen Geschichten eines Reißteufels. Viel Autobahn, um an weiter entfernte Einsatzorte zu kommen. Meist mit Tacho 140 und 4500 U/min. Dann runter zur Raststätte und sofort abstellen. O-Ton: “Do heast den Zylinderkopf richtig knacken, haha”.

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Im Wald gehts dann auch oft nur mit vier Schneeketten über schlammige Wege. Oder über Geröllfelder. Wo dann im Falle eines Hängenbleibers so lange freigeschaukelt werden muss, bis die Antriebswellen krachen und die Differentiale alle Zähne verlieren. Und gelegentlich muss auch mal ein Forsttraktor oder ein Bagger überstellt werden. Dann gehts mit einem natürlich illegalen Gesamtgewicht des L200-mit-Anhänger-Gespanns von knapp 8 Tonnen mit Dauervollgas hart am roten Bereich des Drehzahlmessers und der Temperaturanzeige über heimische Pässe. “Dafia san die Kraxn gmocht, des miassns aushoitn!”.

Was ich in der obigen Schubladisierung nicht erwähnt habe ist, dass der Reißteufel in der Regel stolz darauf ist, seinen Geländewagen recht schnell kaputt zu machen. Er scheint einen Teil seines Selbstbewusstseins daraus zu ziehen, dass er besonders unnachgiebig und ohne Gnade mit der Technik umgeht.

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Ein interessanter EInblick in eine Welt, die mir sonst verborgen bleibt. Und ich glaube, meine beiden Pajeros danken mir mit ihrer Zuverlässigkeit genau dafür.

Lukas

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Stehzeug kaufen?

Gelegentlich kommt es vor, dass ich über themenvorschlag@gmx.at eine Anfrage erhalte, die es sich öffentlich abzuhandeln lohnt. Dieser Artikel hier ist so ein Fall. Der langjährige Stammleser Stephan R. fragt:

Lukas, was meinst du als Pajero-Profi – lohnt es sich, ein altes Auto mit sehr geringer Laufleistung zu kaufen? Konkret geht es um einen Mitsubishi L200, der in 12 Jahren nur knapp 40.000km zurück gelegt hat. Was meinst du dazu?

Nun lieber Stephan, so pauschal lässt sich das nicht beurteilen. Aber zum L200, den du erwähnst, möchte ich doch etwas loswerden.

L200 Wenig KM April 2016

Es wird niemanden verwundern, auch mir ist der Wagen aufgefallen. Und natürlich hab ich mir auch schon Gedanken gemacht.

Denn verlockend klingt es natürlich schon. Ein L200 der schönsten Generation in komfortabler GLS-Ausstattung und (wahrscheinlich) Jahreswagenzustand um weniger als den halben Neupreis. Warum ich das Ding nicht schon längst selbst gekauft habe?

Das Problem bei solchen Immobilien ist, dass ein Auto vom Stehen auch nicht unbedingt besser wird. Alle 7500km oder alle 6 Monate etwa sollte der L200 gewartet werden. Ich bezweifle, dass das bei knapp 3300km Jahresfahrleistung halbjährlich oder auch nur jährlich passiert ist. Lass mich mit einem Serviceheft aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Wie alt sind Bremsflüssigkeit, Reifen, Getriebe- und Differentialöle oder das Kühlmittel der Klimaautomatik? Wann wurde der Zahnriemen getauscht? Alle 6 Jahre oder 90.000km sollte das passieren. Ist etwa noch der erste drin?

Wenn das so ist, dann wird nach dem Kauf noch ein ordentlicher Patzen Geld fürs Beseitigen der Standschäden fällig. Hinzu kommt immer das Thema Versicherung. Wenn du den Wagen um 13.000€ kaufst und an der ersten Ampel knallt dir jemand ins Heck, bekommst du vielleicht 8000€ Restwert ausbezahlt. Weil er zwar wenig Laufleistung hat, aber trotzdem nicht sooo viel mehr wert ist als normal genutzte Exemplare.

Fazit? Wenn man ein wahrer Fan ist und genau so ein Fahrzeug in genau dieser Version haben will, um es zu erhalten, dann sollte man zuschlagen. In den meisten Fällen macht es aber durchaus mehr Sinn, ein Exemplar mit mittlerer Laufleistung (< 150.000km) zum “Normalpreis” zu kaufen. Das wird nicht in so tollem Zustand sein. Aber deutlich alltagstauglicher.

Lukas

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Abschied bis 2020?

In den letzten Tagen hat das Umweltbundesamt einen ordentlichen Pflock eingeschlagen. Ab dem Jahr 2020 sollen in Österreich nur mehr Neuwagen mit Elektroantrieb verkauft werden dürfen.

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Sprich schon in 4 Jahren wäre der Verbrennungsmotor, egal ob Benzin, Diesel, Hybrid, Downsizing-Wunder oder sonst ein “BlueEfficientGreenLineDynamics”-Marketing-Mist, tot. Zumindest im Neuwagen. Denn, so Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt: „Bestehende Fahrzeuge greifen wir nicht an.“.

Na wenigstens etwas.😉 Wobei, das macht der Staat dann einfach anders. Mit Abwrackprämien etwa, um Doofe zu ködern. Oder mit besonders aggressivem Streusalz, das Väterchen Rost in Österreich schon jetzt effektiver als anderswo arbeiten lässt. Das übrige dazu tun dann noch Un- und andere Unglücksfälle und 2035 fährt kein PKW mit Verbrennungsmotor mehr im Alltag herum.

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Klingt gruselig für uns, die wir ja bekanntlich Benzin im Blut und Dieselruß in der Lunge haben.😉 Ist aber nur heiße Luft. Denn erstens handelt es sich dabei nur um einen “Vorschlag” einer Abteilung des Landwirtschafts- und Umweltministeriums. Die müssen alle heiligen Zeiten eine Pressemitteilung raus geben, damit man weiß, wofür die ihr Geld kassieren. Und in den Medien kommt das gut an, weil die Schlagzeile ein Aufreger ist, der Beachtung findet. Also wie so oft viel Lärm um nichts.

Lukas

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