Ein Bombengeschäft!

Manchmal solls wirklich nicht sein! Klingt das frustriert? Gestern, bei meinem beinahe täglichen Studium der Gebrauchtwageninserate im Internet, ist mir ein idealer Alltagsauto-Kandidat ins Auge gesprungen. Goldener 2002er Camry 2,4 Automatik, unter 80.000km, Serviceheft lückenlos, 12 Monate Gewährleistung zu einem sehr fairen Preis von 7200€.

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So muss das sein. Heute früh gleich hin zum Händler, bloß keine Zeit verlieren. Leider war man dort mit zwei Neuwagenauslieferungen schwer beschäftigt, ich möge doch bitte am Nachmittag wieder kommen. Auf meine Bitte, den Wagen doch zumindest anschauen zu dürfen, gabs ein schmerzverzerrtes Gesicht. Man würde mich auf keinen Fall alleine mit dem Auto und dem Schlüssel lassen. Aufsperren ja, aber der Schlüssel bleibt drinnen im Büro. Ist wohl eine Eigenart des Wiener Raums. Solches Misstrauen kennt nicht, wer aus einem heilen Fleckchen Österreich stammt.

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Bis auf ein paar Pensionisten-Kampfspuren keine Beschwerden. Eine Probefahrt? Leider nicht möglich, erst heute nachmittag. Ich solle gegen 15 Uhr kommen, dann hätte man Zeit. Um 14.45 Uhr fahr ich gut gelaunt auf den Platz und sehe zwei goldbehangene Gestalten mit Boxernasen, die unter der Haube des Camry stecken. Autoaufkäufer aus Ungarn, wie sich herausstellt, die gerade eine Probefahrt machen wollen. Das Geld haben sie bereits in der Tasche, ungarische Ausfuhrkennzeichen auch. Schaut nicht gut aus…

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Wenn ich jetzt sofort zusagen würde, könnte ich ihn haben. Sonst geht er nach Ungarn, setzt mir der Verkäufer das Messer an die Brust. Die Händler bieten 7000 Euro, verzichten (!) aber auf Gewährleistung (12 Monate), neues Service (fällig), neue Bremsen hinten (völlig fertig) und das Einstellen der Spur (schief). Ein Bombengeschäft für den Händler! Ich bin aus dem Rennen, da kann ich nicht konkurrieren. Dabei hätte ich ihn wohl auch gekauft, aber mit mir hätte der Händler mehr Arbeit gehabt (s.o.) und auch nicht mehr Geld bekommen. Kein Wunder, dass er sich für die Version „aus den Augen, aus dem Sinn“ entschieden hat.

Ein lupenreines Beispiel für das Dilemma des Privatkäufers im Raum Wien. Es wimmelt nur so vor Aufkäufern aus den östlichen Nachbarländern, die bereit sind, die gleichen Preise zu zahlen wie ein heimischer Endkunde. Nur hat der hiesige Händler nach so einem Verkauf ins Ausland keine Scherereien mit Gewährleistungsansprüchen, Reparaturen und fälligen Servicearbeiten.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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