OM651 – Vom Wunder zur Katastrophe

Als Daimler 2008 den neuen „Wundermotor“ namens OM651 präsentierte, ahnte niemand, wo das noch hinführen sollte.

Der OM651, als 1.8 und 2.2 Liter-Version zu haben, steckt mittlerweile in fast jedem Mercedes-Benz mit Vierzylinder-Diesel (Modellbezeichnung 220/250 CDI). Egal ob in der A-, B-, C- und E-Klasse, im Sprinter, im SLK und CLS oder in der S-Klasse, überall kommt die neue Motorenfamilie zum Einsatz. Was war man bei Daimler stolz auf den neuen Motor, weil er selbst in der stärksten Version mit mehr als 200 PS nur knapp fünf Liter verbraucht und Drehmomente stemmt, die viel größeren Motoren zur Ehre gereichen würden. Von einer „Zeitenwende in der Diesel-Entwicklung“ war die Rede. Nicht nur in der deutschen Motorpresse, die „ihren“ Herstellern ja bekanntlich besonders treu ergeben ist.

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Doch schon ein Jahr nach der Markteinführung der erste Schock. Zahlreiche Probleme mit Pannen und Motorschäden unter 50.000 Kilometer Gesamtlaufleistung aufgrund defekter Piezo-Injektoren des Einspritzsystems sorgten für einen großen Rückruf, der von Daimler aber klein-geredet wurde. Von „unwesentlichen Kinderkrankheiten“ war die Rede, man würde „einige tausend Stück nachbessern“. Tatsächlich wurden mehr als 300.000 Fahrzeuge zurückgerufen, die defekten Injektoren ausgetauscht. Im Idealfall noch vor dem Motorschaden. Gesamtkosten für Daimler: Mehr als eine halbe Milliarde Euro. Dazu kommt der nicht bezifferbare Image-Schaden.

Daneben sehen die Probleme mit den undicht werdenden Wasserpumpen, die auch einige 220 und 250er CDI auf dem Gewissen haben und im großen Stil getauscht werden mussten, schon fast harmlos aus. Dass der Motor aus Kostengründen nur mit einer einzigen und nicht mit einer doppelten Steuerkette ausgestattet ist, trifft dann die Konten der Gebrauchtkäufer. Denn aufgrund der Kostenersparnis bei der Steuerkette gibts bei Laufleistungen über 100.000 km oftmals Probleme mit der Kette und/oder dem Kettenspanner, ein Tausch der Kette wird notwendig. Da sie aber getriebeseitig verbaut ist, muss der Motor raus. Ein teurer Spaß.

Im November 2014 die nächste Hiobsbotschaft. Wieder zahlreiche Motorschäden bei mit OM651-Motor ausgestatteten Mercedes-Modellen. Alle Fahrzeuge, die zwischen Februar und November 2014 produziert wurden, sollten schnellstmöglich in die Werkstatt. Eine Dichtung am Kettenspanner kann versagen, das Bauteil löst sich. Dadurch tritt Öl aus, tropft auf den Abgaskrümmer und entzündet sich. In manchen Fällen tritt innerhalb kurzer Zeit soviel Öl aus, dass der Motor trocken läuft -> ein kapitaler Motorschaden ist die Folge. Zu allem übel kann dadurch auch der Kettentrieb einen Motorschaden verursachen. Ein Rückruf der in diesem Zeitraum produzierten Fahrzeuge startet in diesen Tagen. Selbst Austauschmotoren in Fahrzeugen ab 2008, die nach einem Motorschaden (die Piezo-Injektoren, siehe oben 😉 ) verbaut wurden, werden nachgebessert.

Laut den Kollegen der FAZ ist bei Daimler-Managern hinter vorgehaltener Hand schon von einem Katastrophen-Motor die Rede. Wirklich gute Arbeit macht nur die Unternehmenskommunikation, die das Thema am liebsten unter den Tisch kehren würde.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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