Der neue Freela… äh nein, ahhh Discovery Sport

Natürlich, der Nachfolger des Freelander heißt ja jetzt einigermaßen großspurig „Discovery Sport“. Entschuldigung, mein Fehler. Aber ist die mittlerweile dritte Generation des Einstiegsmodells von Land Rover wirklich so erwachsen geworden, wie es der neue Name suggeriert?

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Ich hab ihn eine Woche lang auf Herz und Nieren getestet und versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Mein Testwagen: Ein Land Rover Discovery Sport 2.0 TD4 mit vernünftigen 150PS, Allradantrieb und Neungang-Automatikgetriebe in Corris Grey.

In Sachen Ausstattung geht „mein“ Freela… äh Disco einen unkonventionellen Weg. Als Basisversion PURE gebaut, wurde er mit Extras im Wert eines Kleinwagens beinahe über das Niveau der höherwertigen Version gehievt.

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Und doch bleibt ein zwiespältiger Eindruck. So sind zwar ein Navi samt Soundsystem, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Signatur oder Licht- und Regensensor samt Verkehrszeichen-Erkennung an Bord. So wichtige und eigentlich selbstverständliche Dinge wie eine dritte Kopfstütze und eine Mittelarmlehne für die Fondpassagiere, elektrisch anklappbare Außenspiegel oder Nebelscheinwerfer fehlen aber. Unverständlich!

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Und wie fährt er sich, der Baby-Land Rover? Hm, auch da gibt´s Licht und Schatten. Voll im Licht steht das Fahrwerk, auch dank der neu entwickelten Multilenkerachse im Heck. Ausgesprochen komfortabel rollt der Disco Sport über Unebenheiten jeder Art, lässt seine Passagiere aber nie über die Straße im Unklaren. Auch wenn´s auf kurvigem Terrain ausgesprochen sportlich zugeht, gefällt das Fahrwerk durch Berechenbarkeit in jeder Lage. Und das ESP bleibt arbeitslos… Was aber auch am Motor liegt, der es bei weitem nicht schafft, das Fahrwerk aus der Ruhe zu bringen.

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Der 2 Liter „Ingenium“-Diesel mit 150PS und 380Nm Drehmoment werkelt  einfach brav vor sich hin. Reißt zwar keine Bäume aus, stellt aber immer genügend Leistung parat, um flott vom Fleck zu kommen. Bei Drehzahlen über 3000 U/min wird er zwar knurrig und brummig, aber das ist beim Vierzylinder leider systemimmanent. Und dass er ab Tempo 130 nur noch recht zäh Fahrt aufnimmt, dürfte einen als Österreicher eigentlich nicht stören. 😉 Aber die beiden nicht gerade dezenten Auspuffrohre am Heck, die aussehen wie die Griffe einer Scheibtruhe, versprechen halt definitiv mehr, als der Motor halten kann.

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Nun aber zum bereits angesprochenen Schatten des Fahr-Kapitels. Für diesen dunklen Fleck ist die Neungang-Automatik von ZF verantwortlich. Am Papier mag es ja gut klingen: „Immer der richtige Gang, optimale Verbrauchs- und Emissionswerte, immer die richtige Drehzahl“.

In der Praxis, abseits von genormten Prüfstandsläufen und Testfahrten auf Island, sieht die Welt aber anders aus. Häufig kommt es vor, dass die Automatik beim Tritt aufs Gaspedal die eine oder andere Sekunde benötigt, um zu wissen, welcher Gang in der jeweiligen Situation der richtige sein könnte. In Verbindung mit der Anfahrschwäche des Euro-6-geknebelten Dieselmotors ergibt sich vor allem beim Anfahren eine deutliche Verzögerung, die zügiges Einfädeln in fließenden Verkehr zur Nervenprobe werden lässt. Und auch auf kurvigen Straßen macht diese Verzögerung der Gasannahme exaktes und punktgenaues Beschleunigen ab dem Scheitelpunkt der Kurve schwierig.

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Schwierig ist auch, das vermeintliche Vorurteil von der schludrigen Verarbeitung eines Land Rover zu entkräften. Vor allem, weil bei meinem Testwagen mit knapp 8500 Kilometern auf der Uhr die Heckklappe beim Öffnen knarrt wie die Eingangstür von Draculas Schloss, sich die Innen-Verkleidung der Heckklappe und die Dichtgummis an den Türen regelmäßig lösen und nicht in den Griff zu bekommen sind und das Brillenfach im Dachhimmel beim Öffnen auf halber Strecke einfach stecken bleibt.

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Bei einem Dacia Duster um 11.990€ würde man vielleicht darüber hinweg sehen. Aber beim teuren Briten, der trotz eklatanter Ausstattungslücken (s.o.) knapp 50.000€ kostet, sind das mehr als kleine Schönheitsfehler.

Und so stellt sich heraus, dass der große Name „Discovery Sport“ nur der Einfall eines Marketing-Menschen war, der das Image des Freelander als Einstiegsmodell ein wenig aufwerten möchte. Mit dem Namen könnte er es schaffen, das Auto an sich überzeugt dabei aber nicht restlos.

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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