Hacer la vista gorda?

Da gibts einen Kleinwagen, den keiner kennt. Ganz regulär in Österreich angeboten, von einem engagierten Händlernetz betreut und durchaus konkurrenzfähig, nur merkt es keiner. Warum eigentlich? Eine Spurensuche mit dem Tata Indica Vista.

„Vista“ ist Spanisch und heißt Auge oder sehen. „Hacer la vista gorda“ meint „Ein Auge zu drücken“. Hat das der Indica Vista notwendig?

Was sofort auffällt: Der Indica Vista ist ein kleiner Herzensbrecher. Frauen reagieren mehr als nur positiv auf das Einstiegsmodell von Tata Österreich. Kindchenschema, eh schon wissen. Die mandelförmigen Augen blicken listig in die Welt, der kleine Racker sieht richtig schnittig aus. Dass man im Indica der zweiten Generation höher als in herkömmlichen Kleinwagen sitzt, wird auch unter den Vorteilen verbucht. Darauf stehen nicht nur Frauen.

Fährt er sich so sportlich, wie er aussieht? Hm, eher nicht. Seine indische Herkunft kann der Indica Vista nicht verbergen. Er ist kein filigraner Kurvenwetzer, eher ein robuster kleiner Geselle, der über holprige Straßen in der Steiermark nur lacht. Diese Robustheit des Fahrwerks sorgt natürlich nicht gerade für leichtfüßige Agilität. Vermeintlicher Nachteil hierzulande, ein Vorteil in Indien. Genauso sieht´s mit der teigigen Lenkung aus, die Fahrbahneinflüsse von der Fahrerhand fernhält. Schneidig-sportliche Kurvenfahrten auch.

Die beiden Fiat-Motoren mit 75 PS (1.4 Safire Benzin und 1.3 Quadrajet Diesel) passen gut zum hemdsärmligen Charakter des kleinen Vista. Eher Islandpony als Vollblut-Araber. Drehfreudig nur wenns unbedingt sein muss und dass unter der Haube gearbeitet wird, darf man ruhig hören. Tut man auch. Erfrischend fällt der Verzicht auf unnötig komplexe Bedienelemente oder Designspielereien im Innenraum aus. So waren Autos schon damals in den 90er Jahren und uns hat´s nicht gestört.

In Sachen Ausstattung gibts auch nur wenig Grund für Kritik. Zwei Airbags, ABS, eine Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber und Nebelscheinwerfer hat der Vista bereits im Basismodell um 8.990 Euro serienmäßig drin, bei Extrawünschen findet man beim Importeur Autohaus Windhaber immer ein offenes Ohr. Seiten-Airbags und der Schleuderverhinderer ESP sind aber selbst für Geld und gute Worte nicht zu bekommen. Wäre schön, wenn sich das ändern ließe.

Woran liegt´s nun also, dass der Wagen trotz des günstigen Preises, einer frechen Optik und seines gemütlichen Wesens eine Randerscheinung ist? Der größte Feind des Tata Indica Vista ist wohl, in zweierlei Hinsicht, der Gebrauchtwagen-Markt. Dort gibts um 9000 Euro einen wertstabilen Polo, einen soliden Yaris, einen frechen Swift, einen sportlichen Mazda2, einen extravaganten C3, einen kultigen Sirion usw. … Alle nicht neu und keiner mit 3 Jahren Garantie. Aber alle bekannt, bewährt und vor allem wiederverkaufbar.

Hasta la vista, Kleiner!

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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