Der schwarze Tod

Es ist wohl schon fast jeder Gebrauchtwageninteressent über Inserate gestolpert, in denen ein Wagen angeboten wurde, der mit „neuem Unterbodenschutz“ verkaufsfertig gemacht wurde. Egal ob es sich um Geländewagen, Youngtimer-Sportwagen oder biedere Mittelklassekombis handelt, ein tiefschwarz und speckig glänzender Unterboden gehört bei vielen Gebrauchten einfach dazu.

Doch was ist von solchen Angeboten zu halten, in denen „Fahrzeug rostfrei, neuer Unterbodenschutz“ steht?

Sieht doch super aus, oder? Wie neu, schön gleichmäßig, kein Rost zu sehen. Besser kanns nicht mehr werden, oder? Wer so denkt, sollte unbedingt aufmerksam weiterlesen!

Dieser „schöne, gleichmäßig schwarze Unterbodenschutz“ schützt den Unterboden nicht, diese Pampe beschleunigt den Verrostungsprozess des Fahrzeugs nur um ein Vielfaches! Das Problem ist, dass diese Bitumen-Pampe im Zeitraffer aushärtet, rissig wird und dann gehts rostmäßig erst richtig los. Durch die Risse wird die Masse von Wasser und Salz unterwandert, das Blech darunter trocknet niemals und Rost blüht in dieser „Schutzatmosphäre“ deutlich schneller als sonst. Wenn es dann nach einigen Jahren abblättert, zeigt sich die volle Katastrophe, meist in Form von faustgroßen Löchern im vermeintlich geschützten Blech.

Dieser „schwarze Tod“, wie der Bitumen-Unterbodenschutz von einem befreundeten Mechaniker genannt wird, wird besonders bei älteren Geländewagen gerne aufgetragen, weil tragende Teile wie der Leiterrahmen oftmals großflächig rostig sind. Doch sichtbarer Rost kann behandelt werden, versteckter und schwarz überspritzter Rost nicht! Von daher muss bei Gebrauchtwagen-Interessenten ein Sinneswandel Einzug halten, dann werden vielleicht auch Händler aufhören, diese schwarze Katastrophe zu verarbeiten.

Doch bis es soweit ist, mein gut gemeinter Rat an alle, die sich Gebrauchtwagen ansehen:

Neuer Unterbodenschutz über alten Rost, das ist leider absolut Standard bei Autohändlern, egal ob es sich um Vertragshändler etablierter Marken oder Gebrauchtwagenhändler in Hinterhöfen handelt. Wenn man ein bisschen Erfahrung im Kaufen alter Autos hat, meidet man schon aus Prinzip jedes Fahrzeug, bei dem im Inserat „neuer Unterbodenschutz“ steht. Wird es nicht erwähnt und man sieht es bei der Besichtigung => Finger weg!!!

Wierus

P.S.: Natürlich hab auch ich meine Erfahrungen mit dieser Pampe gemacht. Um eine lange Geschichte aufs Wesentliche zu verkürzen => Dieser Bitumen-Unterbodenschutz hat das beste Auto, das ich je hatte, auf dem Gewissen! Vielleicht kann ja jemand von meiner Erfahrung profitieren!

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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7 Antworten zu Der schwarze Tod

  1. Youngtimer Garage schreibt:

    Kleine Korrektur 1: Wenn man es richtig macht, dann schützt der Unterbodenschutz sehr wohl. Auf keinen Fall sollte auf das unbehandelte oder vielleicht sogar schon angerostete Metall aufgetragen werden! Vielmehr muss das blanke Metall zuerst behandelt werden (zum Beispiel Zink auftragen und alle Hohlräume mit Fettwachs versiegeln) erst danach kann der Unterbodenschutz aufgetragen werden. Wer das Zeug zum Kaschieren von bestehendem Karies benutzt, ist entweder dumm oder ein Betrüger.

    Kleine Korrektur 2: Unter dem schwarzen Tod verstand ich im Zusammenhang mit Autos aus den 80er bislang etwas anderes. Siehe auch http://youngtimer.dykstra.de/?p=151 (im Absatz schwarzer Tod und Ölschlamm)

    • Lukas Wieringer schreibt:

      Der Gebrauchtwageninteressent kann aber nicht kontrollieren, ob vor dem Auftragen der Bitumen-Pampe ordentliche Arbeiten wie von dir beschrieben erfolgt sind oder nicht. Und vor allem bei Fahrzeugen, die von Händlern angeboten werden, ist das zu 99,8% NICHT der Fall, jede Wette! Vor allem bei Geländewagen und Youngtimern wird die Pampe immer auf bestehenden Rost gespritzt, um ihn zu kaschieren. Alltag bei heimischen Händlern, viele private Anbieter machen es bereits nach.

  2. Pingback: The same procedure as every time? | Lukas Wieringer

  3. runnersp schreibt:

    Seht guter Beitrag. Der wird mir beim Kauf eines alten Gebrauchten Helfen.

    Weiter so, Meinen Dank! 🙂

  4. Pingback: In Sachen Cruiser | The way of drive…

  5. Markus schreibt:

    Meistens ist nicht der Bitumen Unterbodenschutz schuld daran das der Unterboden rostet, sondern rostet es meistens von innen (z.b. in Hohlräumen). Außerdem kann es unter Bitumen nicht rosten weil nicht genug Sauerstoff dazukommt. Natürlich muss eine sehr gute Vorbereitung unter dem Unterbodenschutz gemacht werden.

  6. brenner schreibt:

    Hallo, wenn Verkäufer schreibt: „Fahrzeug rostfrei, neuer Unterbodenschutz“ dann muss er haften, weil er Rostfrei behauptet. Schreibt er nur „neuer Unterbodenschutz“ ist er juristisch aus dem Schneider. Lesenswerter Beitrag.

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